Das Besondere suchen und es tun

Interview mit Claus Mayer, Geschäftsführer der NORDSEETAUCHER GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Mayer, wenn vom Tauchen die Rede ist, haben viele sofort Korallenriffe und eine bunte Unterwasserwelt vor Augen. Das hat mit Ihrer Arbeit allerdings wenig zu tun – was genau bietet die NORDESEETAUCHER GmbH ihren Kunden?

Claus Mayer: Kurz gesagt, alle irgend möglichen Taucharbeiten Offshore wie auch Inshore: Erkundungsbohrungen, Pipeline-Verlegung oder auch der Rückbau von Produktions- und Förderplattformen. Des Weiteren Bergungsarbeiten, etwa von Schiffwracks, aber auch von Trägerraketen verschiedener Ariane-Missionen. Auch Unterwasserschweißen, Seekabelverlegung, Schiffsrumpfreinigung sowie Nukleartauchen (Inspektions-, Wartungs- und Reparaturarbeiten im Brennelemente-Lagerbecken von Atomkraftwerken) gehören zu unserem Leistungsspektrum. Aber zuerst und vor allem die Arbeiten in Überdruck im Tunnelbau. Das ist seit vielen Jahren unser Kerngeschäft, und daher zählen neben Reedereien und Öl- und Gasförderunternehmen vor allem Baukonzerne wie Hochtief, Wayss & Freytag, Implenia und Züblin zu unseren Kunden.

Wirtschaftsforum: Sie haben NORDSEETAUCHER im Jahr 1989 gegründet, aber schon vorher mit Unternehmen aus der Offshore-Branche zusammengearbeitet. War die Firmengründung die logische Konsequenz?

Claus Mayer: Ja, das war eigentlich vorprogrammiert, und es ging dann auch Schlag auf Schlag: Vier Wochen, nachdem meine Frau und ich unser Unternehmen gemeinsam gegründet hatten, kam der erste Auftrag von der BEB, was heute Exxon Mobil ist, über ein halbes Jahr Offshore-Arbeit in Sachen Öl und Gas. Ab 1994 kamen wir über die Arbeit an einer Pipeline von Norwegen nach Deutschland in Kontakt mit Hochtief und starteten im Tunnelbau durch.

Wirtschaftsforum: Auf welche Projekte sind Sie besonders stolz?

Claus Mayer: Meilensteine waren für uns die vierte Röhre Elbtunnel im Hamburger Elbtunnel und der Wesertunnel. Hier musste im Überdruckbereich mit Drücken bis zu 4,5 beziehungsweise 5 bar gearbeitet werden – eine absolute Herausforderung, die wir gemeistert haben, da die Regelwerke weltweit nur bis 3,6 bar gehen. Inzwischen haben wir an mehr als 150 Tunnelbauprojekten auf der ganzen Welt mitgearbeitet. Aktuell nehmen wir mit 40 Mitarbeitern und vier Tunnelmaschinen an zwei Tunnelbauprojekten unter dem Suezkanal in Ägypten teil.

Wirtschaftsforum: Stichwort Mitarbeiter: Ist der Fachkräftemangel auch für Ihr Unternehmen spürbar?

Claus Mayer: Gottseidank nicht, im Gegenteil. Generell schwankt unsere Mitarbeiterzahl natürlich, da projektabhängig, aber wir haben reichlich Bewerber. Wir unterhalten ein eigenes Trainingszentrum, führen Trainings und Fortbildungen durch, stellen Zertifikate aus. Wir haben also die Hand am Puls. Auch in anderen Ländern wie China bekommen wir diesbezüglich Rückendeckung: Das Arbeitsministerium in Hongkong entschied, dass Drucklufttechniker regelmäßig trainieren und sich weiterbilden müssen – und das übernehmen wir.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich an?

Claus Mayer: Zu Hause zu sitzen hat ja keinen Sinn. Ballonfahren oder auf dem Gipfel des Kilimandscharo stehen dagegen schon! Mir macht seit jeher das Besondere, Exklusive Spaß. Ich frage mich immer, was wir tun können, das andere nicht machen. Neue Techniken entwickeln. Grenzen ausloten. Das Besondere suchen und es tun. Aus diesem Geist heraus liefern wir immer wieder Innovationen. Gerade haben wir uns zum Beispiel eine nagelneue Methode zur Schiffsbodenreinigung patentieren lassen, bei der das Abwasser entsorgt wird und nicht den Hafen oder das Meer verschmutzt. Auch was neue Tauchtechnologien betrifft, halten wir etliche Patente, zum Beispiel für mobile Tauchgeräte. Die Arbeit wird ja auch immer anspruchsvoller, die Tunnel immer länger – da muss der technologische Fortschritt mithalten.

Wirtschaftsforum: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Claus Mayer: Dass es so gut weitergeht wie bisher. Wir werden die eingeschlagene Richtung beibehalten. In einigen Jahren werde ich mich sicher nach und nach aus dem Geschäft zurückziehen, und bis dahin möchte ich jemanden finden, der es übernehmen kann und in meinem Sinn weiterführt.

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