„Nutzen stiften statt Gewinn maximieren“

Interview mit Michael Bader, Geschäftsführer und Inhaber der magnetic GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Bader, die magnetic GmbH & Co. KG blickt auf eine über 30-jährige Entwicklung zurück. Welche Meilensteine waren für Sie besonders prägend?

Michael Bader: Ein wichtiger Wendepunkt war 2007. Damals haben wir entschieden, nicht mehr an Endverbraucher, sondern ausschließlich an das Handwerk zu verkaufen. Das war ein klares Bekenntnis zum zweistufigen Vertrieb – direkt, ohne Großhandel. 2014 folgte dann der Schritt zur Eigenproduktion. Zuvor waren wir ausschließlich Händler gewesen. Mit der eigenen Herstellung konnten wir unsere Produktqualität besser steuern. Und seit 2016 bauen wir unser Auslandsgeschäft aktiv aus. Das hat sich sehr positiv entwickelt.

Wirtschaftsforum: Wie ist Ihr Unternehmen heute strukturiert?

Michael Bader: Unser Firmensitz mit Lager, Fertigung und Verwaltung befindet sich in Untermünkheim. Unsere Außendienstmitarbeiter sind in ganz Deutschland im Einsatz. Seit zwei Jahren haben wir auch eine Niederlassung in Großbritannien. Derzeit beschäftigen wir insgesamt etwa 50 Mitarbeiter.

Wirtschaftsforum: Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, die Niederlassung in UK zu etablieren?

Michael Bader: Das ist tatsächlich durch einen guten Kontakt zustandegekommen. Ein ehemaliger Kunde wollte dort etwas aufbauen – wir haben dieses Vorhaben gemeinsam umgesetzt. Der britische Markt ist spannend, und so haben wir den Schritt gewagt.

Wirtschaftsforum: Wie hoch ist Ihr Exportanteil und wie stellt sich die Umsatzentwicklung insgesamt dar?

Michael Bader: Wir exportieren zwischen 12 und 15% unserer Produkte – mit steigender Tendenz. Besonders gut laufen derzeit Spanien, Schweden, Norwegen, die Slowakei, Polen, Tschechien und Belgien sowie Estland, Lettland und Litauen, außerdem Norditalien, Kroatien und Österreich. Auch in Frankreich sind wir aktiv. Darüber hinaus haben wir Partner in Mexiko, Neuseeland, Slowenien, Rumänien und der Schweiz. Wir wachsen seit 2007 im Schnitt um etwa 20% jährlich. Dabei war kein Jahr im Minus. Es gab ruhigere Jahre, aber auch Spitzen mit 50% Wachstum. Unser Ziel ist es, weiterhin zweistellig zu wachsen – allerdings mit Substanz, nicht nur in Zahlen, denn Wachstum heißt für mich, sich jedes Jahr neu zu erfinden. Wie Reinhold Würth sagte: Wer zweistellig wachsen will, muss sich ständig neu erfinden. Das treibt mich an.

Wirtschaftsforum: Das sind beeindruckende Zahlen – worin, denken Sie, unterscheidet sich magnetic von anderen Anbietern, worin liegen die Gründe für den Erfolg des Unternehmens?

Michael Bader: Unser Erfolg beruht im Wesentlichen auf drei Säulen: Zum einen ist Produktqualität für uns Standard, kein Alleinstellungsmerkmal. Unser USP liegt im Service: Unsere Außendienstler bringen Zeit für den Kunden mit. Wir begleiten Handwerker bei der Einführung neuer Produkte – auch direkt auf der Baustelle. Dazu bieten wir kostenlose Wasseranalysen mit klarer Handlungsempfehlung. Und wir schützen den Handwerker: Unsere Produkte sind nicht auf Internetplattformen erhältlich, sondern ausschließlich im Fachhandel. Das schafft Vertrauen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist Innovation: Heizungswasser ist oft der Schwachpunkt in der Energieeffizienz. Unsere Produkte optimieren bestehende Heizungen – durch Reinigung und Aufbereitung des Wassers. So sparen Kunden messbar Energie. Wir entwickeln Lösungen, die Heizkreisläufe effizienter und langlebiger machen – auch bei Altanlagen. Und nicht zuletzt sind uns Werte wichtig: Gewinnmaximierung ist nicht unser Ziel. Wir setzen auf Nutzenmaximierung – für Kunden und Mitarbeiter. Nur wenn alle Seiten profitieren, ist es ein gutes Geschäft.

Wirtschaftsforum: Wie sieht es vor diesem Hintergrund bei Ihnen mit der Gewinnung neuer Mitarbeiter aus?

Michael Bader: Anders als andere spüren wir den Fachkräftemangel nicht. Tatsächlich haben wir im Außendienst aktuell sogar einen Bewerbungsstopp! Unsere intensive Einarbeitung limitiert die Anzahl neuer Kräfte pro Jahr; hierbei gilt für uns Qualität vor Quantität. Für uns entscheidet die Motivation: Unsere Leute müssen Lust haben, etwas zu bewegen.

Wirtschaftsforum: Welche Erwartungen haben Sie an die Politik?

Michael Bader: Ich würde mir weniger Einmischung wünschen. Unternehmen sollten sich am Markt orientieren, nicht an Subventionen. Subventionen schaffen falsche Anreize und verzerren betriebswirtschaftliches Handeln. Wir wollen mit Qualität überzeugen – nicht mit Förderprogrammen!

Wirtschaftsforum: Zum Schluss eine persönliche Frage, Herr Bader: Was motiviert Sie an Ihrem Beruf?

Michael Bader: Ganz klar: der Wunsch, Nutzen zu stiften. Ich freue mich, wenn unser Tun anderen hilft – Kunden, Mitarbeitern, Partnern. Natürlich will ich selbst Erfolg haben. Aber echte Erfüllung ist, wenn man zurückblickt und sieht, was gewachsen ist. Dabei ist mir ein gesundes Wachstum wichtig, sowohl in Deutschland als auch international. Aber vor allem möchte ich die Werte eines Familienunternehmens bewahren – das ist unser wichtigstes Gut. Meine Frau und ich haben das Unternehmen aufgebaut und bei unserer Tochter Jessica und unserem Schwiegersohn Daniel wissen wir, dass auch in der nächsten Generation die Unternehmenskultur weitergelebt wird.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Digitale Dynamik für den Praxiserfolg

Interview mit Ralf Buchner, Geschäftsführer der Buchner & Partner GmbH

Digitale Dynamik für den Praxiserfolg

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist ein vielschichtiges Thema – insbesondere dort, wo moderne IT-Systeme auf stark regulierte Abläufe, sensible Patientendaten und ein breites Spektrum an Berufsgruppen treffen. Die Buchner &…

Mehr Effizienz durch offene Agrarsysteme

Interview mit Robert Fraune, Geschäftsleiter der PTx Trimble GmbH und Associate VP der PTx OEM Solutions

Mehr Effizienz durch offene Agrarsysteme

Während viele Agrartechnologien Landwirte fest an einzelne Hersteller binden, setzt die PTx Trimble GmbH mit Sitz in Salzkotten bewusst auf Offenheit. Das Unternehmen entwickelt digitale Lösungen für den gesamten landwirtschaftlichen…

Unterirdische Leitungen digital erfassen und sichtbar machen

Interview mit Jürgen Besler, Geschäftsführer der infrest Infrastruktur eStrasse GmbH

Unterirdische Leitungen digital erfassen und sichtbar machen

Die infrest Infrastruktur eStrasse GmbH hat sich in den letzten 14 Jahren als führender Anbieter von Leitungsauskunftsdienstleistungen in Deutschland etabliert. Mit über 18.600 erfassten Infrastrukturnetzbetreibern und mehr als 6,5 Millionen…

Spannendes aus der Region Landkreis Schwäbisch Hall

Die unsichtbaren Helfer der Industrie

Interview mit Dr. Aaron Geenen, CEO der EFS Gesellschaft für Hebe- und Handhabungstechnik mbH

Die unsichtbaren Helfer der Industrie

Ob in der Automobilproduktion, in der Luft- und Raumfahrt oder im Gesundheitswesen: Überall dort, wo schwere Lasten bewegt, Bauteile präzise positioniert oder ergonomische Arbeitsplätze gestaltet werden müssen, kommt moderne Handhabungstechnik…

Mut statt Stillstand:  Wie AKO in der Krise wächst

Interview mit Daniel Vogel, Geschäftsführer der AKO - KUNSTSTOFFE ALFRED KOLB GmbH

Mut statt Stillstand: Wie AKO in der Krise wächst

Während viele Unternehmen in der Krise den Rotstift ansetzen, investiert AKO Kunststoffe aus Hoffenheim antizyklisch in Anlagen im Millionenbereich. Das Familienunternehmen, das 1956 mit Bakelit-Knöpfen für Traktoren startete, will mit…

Bauteile, die den Unterschied spürbar machen

Interview mit Philipp Bentzinger, geschäftsführender Gesellschafter der H+E Gruppe

Bauteile, die den Unterschied spürbar machen

Die Automobilindustrie befindet sich im größten Wandel ihrer Geschichte. Neue Antriebskonzepte, kürzere Modellzyklen und der steigende Stellenwert des Innenraums fordern Zulieferer heraus, flexibel und innovativ zu agieren. Die H+E Gruppe…

Das könnte Sie auch interessieren

Wärme aus und für die Region

Interview mit Thomas Kronberger, Geschäftsführer der ESW Energiesparwerk GmbH & Co. Biotherme Altötting KG

Wärme aus und für die Region

1995 schien eine einheitliche Wärmeversorgung mit Biomasse noch fast verrückt. Drei Jahrzehnte später zeigt sich: Die Gründer der ESW Energiesparwerk GmbH & Co. Biothermie Altötting KG hatten den richtigen Riecher.…

Effiziente Energie aus der Grafschaft Bentheim

Interview mit Uwe Mennebäck, Director Sales und Markus Grevinga, Director Engineering sowie Daniel Schraad, Site Director der STEMMANN-TECHNIK GmbH

Effiziente Energie aus der Grafschaft Bentheim

In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und Effizienz zu zentralen Erfolgsfaktoren für Industrie und Mobilität geworden sind, kommt innovativen Technologien eine Schlüsselrolle zu. Die STEMMANN-TECHNIK GmbH – ein Unternehmen des…

Mit einer smarten Wallbox die Energiewende vorantreiben

Interview mit Erik Yesayan, Geschäftsführer der go-e GmbH

Mit einer smarten Wallbox die Energiewende vorantreiben

Aus einer Ladelösung für den privaten Gebrauch des Unternehmensgründers ist eine der innovativsten Wallboxen geworden, die derzeit am Markt erhältlich ist. Wie das österreichische Unternehmen go-e damit konsequent die Energiewende…

TOP