„Lebensgrundlagen erhalten, Abfälle wiederverwerten“

Interview mit Michael Küblbeck, Geschäftsführer der Karl Bachl GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Küblbeck, die Karl Bachl-Gruppe ist eine Art Multitalent im Bau. In welchen Bereichen sind Sie im Einzelnen tätig?

Michael Küblbeck: Wir haben vier Geschäftsbereiche: Dämm- und Kunststoffe, Fenster- und Türenwerke, Betonbau und das Bauunternehmen. In allen verzeichnen wir kontinuierliches Wachstum. Das Unternehmen hat sich schon immer dadurch ausgezeichnet, dass man die Chancen ergriffen hat, sich zukunftsfähig aufzustellen und in die entsprechenden Bereiche investiert hat.

Wirtschaftsforum: Ist das Unternehmen noch immer in Familienhand?

Michael Küblbeck: Ja, Eigentümer sind Karl Bachl und seine Tochter Christine Bachl. Gegründet wurde die Firmengruppe 1926 als Ziegelei vom gleichnamigen Großvater des heutigen Inhabers.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet die verschiedenen Geschäftsbereiche besonders aus?

Michael Küblbeck: In der Sparte Kunststoffe sind wir bei der Herstellung von EPS Marktführer in Deutschland. Wir haben schon früh die Chance erkannt, in Tschechien zu produzieren und bereits 1994 das tschechische Dämmstoffwerk Brünn gekauft. Auch dort sind wir inzwischen Marktführer. Wir entwickeln individuelle Dämmsysteme für den Kunden, die ihm die Arbeit auf der Baustelle erleichtern. Durch die Aufspanndämmung etwa, bei der auf eine Polyurethanplatte eine Kaschierung aufgetragen wird, spart man einen kompletten Arbeitsgang. Im Bereich Fenster und Türen sind wir dagegen ein regionaler Player. Hier verfügen wir über ein breites Portfolio und modernste Produktionsanlagen. Als Vollsortimenter reicht unser Angebot von Fenstern aus Kunststoff, Aluminium, Holz und Holz-Aluminium über Kunststoff- und Aluminiumtüren bis hin zu Brandschutztüren und -toren, etwa für Hotels oder Gewerbebetriebe. Hier bieten wir alle Leistungen aus einer Hand. Wir haben schon an einem Bürogebäude eine Komplettsanierung der Fassade vorgenommen, ohne dass der laufende Betrieb unterbrochen werden musste.

Wirtschaftsforum: Und welche Entwicklungen gibt es im Betonbau?

Michael Küblbeck: Im Betonbau sind wir ein starker Partner für den Industrie- und Gewerbebau sowie den Systembau und ebenfalls regional aufgestellt. Wir versuchen, einen hohen Vorfertigungsgrad zu erreichen, da auf den Baustellen Handwerker fehlen. Erst 2018 haben wir in die Doppelwandfertigung investiert. Und wir haben eine moderne, bahnbrechende Technologie eingeführt: Mit unserer Wetcast-Anlage können wir hochwertige Betonsteine herstellen, die zum Beispiel für Blindenleitsysteme auf Bahnhöfen oder an Bus- und Bahnhaltestellen genutzt werden. Für die Produktion werden spezielle Rohstoffe benötigt. Die Produkte verkaufen wir in ganz Europa.

Wirtschaftsforum: Neben alldem agieren Sie auch als Bauunternehmen im Hoch- und Tiefbau ...

Michael Küblbeck: Richtig, in diesem Bereich bieten wir individuelle Komplettlösungen an, schlüsselfertig zum Festpreis und ebenfalls mit allen Leistungen aus einer Hand. Bei Bauprojekten für Kommunen kümmern wir uns neben Projektierung und Planung auch um den Kauf des Grundstücks, die Erschließung und den anschließenden Verkauf. Neu in unserem Portfolio ist seit 2019 der Netzbau, also die Herstellung von Netzen für Gas, Strom und Wasser. Dieser Bereich wird immer wichtiger und die Infrastruktur muss entsprechend ausgebaut werden. Mit dem Thema beschäftigen wir uns intensiv.

Wirtschaftsforum: Wie vermarkten Sie ein solch vielschichtiges Angebot?

Michael Küblbeck: Vor allem Messen sind für uns sehr wichtig. Dort haben wir den direkten Kontakt zum Kunden und erfahren im Gespräch mit den Verarbeitern von ihren Problemen und dem, was sie bewegt. In diesem Jahr starten wir außerdem eine große Online-Offensive. In diesem Zuge wird die Webseite neu gestaltet und wir wollen eine Handelsplattform für unsere Retailer aufbauen. In den Onlinebereich werden wir 2020 entsprechend investieren. Wir verfolgen einen 360-Grad-Marketing-Ansatz, der natürlich auch Social-Media-Aktivitäten beinhaltet.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt im Verhältnis zu Ihren Kunden die Digitalisierung?

Michael Küblbeck: Wir verkaufen keine Produkte, sondern Problemlösungen – da gehört die Digitalisierung immer mit dazu. Wir haben auch einen Digitalisierungsplan erstellt. Im Rahmen des Supply Chain-Managements wollen wir gemeinsam mit unseren Kunden digitale Prozesse entwickeln. Das Ziel ist, dass der Kunde das, was er heute bestellt, deutschlandweit morgen oder übermorgen auf der Baustelle zur Verfügung hat.

Wirtschaftsforum: Ihr Slogan lautet ‘Gemeinsam Werte schaffen’. Was kann man sich genau darunter vorstellen?

Michael Küblbeck: Es geht darum, unsere Lebensgrundlagen zu erhalten. Nachhaltigkeit ist deshalb für uns ein ganz großes Thema, was unsere Firma, aber auch unsere Produkte betrifft. Mitte 2019 haben wir eine Recycling-Firma übernommen, die größte in Deutschland für Styropor. Das ermöglicht uns, unsere Abfälle zu 100% wiederzuverwenden. Wir übernehmen auch die Abfallstoffe von Kunden und Verarbeitern, um sie neu zu verarbeiten. Dafür haben wir in allen Bereichen Produkte entwickelt.

Wirtschaftsforum: Was ist Ihrer Meinung nach der größte Erfolgsfaktor für Ihr Unternehmen?

Michael Küblbeck: Das sind ganz eindeutig unsere Mitarbeiter. Wir haben viele motivierte und qualifizierte Leute. Neue gute Mitarbeiter zu finden, ist allerdings zunehmend schwieriger geworden.

Wirtschaftsforum: Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus? Streben Sie weiteres Wachstum an?

Michael Küblbeck: Ja, das Ziel ist, etwas mehr als der Markt zu wachsen. Erst kürzlich haben wir einen neuen Betrieb übernommen, der Hartschaum produziert. Für 2020 gibt es viele Pläne in allen Bereichen. So werden wir zum Beispiel eine zu 100% aus Recycling-Material hergestellte Dämmplatte auf den Markt bringen. Im Fenster- und Türenwerk wollen wir unsere Kapazitäten erweitern und als Bauunternehmen in den Geschosswohnungsbau einsteigen. Auch international streben wir weiteres Wachstum an. Über allem steht die Vision, ein gesundes, erfolgreiches Unternehmen mit zufriedenen Mitarbeitern zu bleiben.

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