„Wir entwickeln die IT-Fachkräfte von morgen.“
Interview mit Jovan Ilic, Geschäftsführer der goldsteps Consulting GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Ilic, die Mission, die seit inzwischen über 15 Jahren hinter goldsteps steht, haben Sie selbst einmal in drei Worten formuliert: „Wir schaffen IT-Karrieren.“ Wie gelingt Ihnen das?
Jovan Ilic: Grundsätzlich haben wir uns auf die Qualifizierung von IT-Fachkräften über ein nachhaltiges Umschulungskonzept spezialisiert. Der Schwerpunkt liegt dabei jedoch nicht auf der reinen Wissensvermittlung, sondern auf einem ernsthaften Einstieg in den Arbeitsmarkt. Deshalb sind unsere Schulungsteilnehmer auch von Anfang an eng in die Betriebsabläufe unserer Partnerunternehmen eingebunden, die schon heute auf der Suche nach ihren IT-Fachkräften von morgen sind. Denn obwohl wir uns in Deutschland gerade mitten in einer Rezession befinden, sind laut den jüngsten Erhebungen des Branchenverbands der IT über 109.000 Stellen in diesem Segment unbesetzt. 85% der befragten Unternehmen nennen den Mangel an IT-Fachkräften zudem als eine der größten Herausforderungen bei der Bereitstellung von IT-Lösungen in ihren jeweiligen Organisationen und darüber hinaus.
Wirtschaftsforum: Worin unterscheidet sich der Ansatz von goldsteps von anderen Umschulungskonzepten?
Jovan Ilic: Wir sind überzeugt, dass Theorie und Praxis unweigerlich zusammengehören – und diese Philosophie kommt bei uns vom ersten Ausbildungstag an zum Tragen. Denn man kann einen IT-Beruf nicht ausschließlich im Schulungsraum erlernen, genauso wenig wie man mit drei Bällen jonglieren lernen kann, indem man einen Ratgeber darüber liest. Wir beginnen unsere Lehrgänge deshalb mit einem ersten Unterrichtsblock, in dem, grob umrissen, der fachlich tatsächlich relevante Stoff des ersten Lehrjahres zur Ausbildung zum Fachinformatiker vermittelt wird.
Wirtschaftsforum: Wie geht es danach weiter?
Jovan Ilic: Nach einem ersten kompakten Unterrichtsblock verfügen unsere Teilnehmer bereits über die fachlichen Grundlagen, um frühzeitig in unseren Partnerunternehmen einzusteigen und dort sinnvoll in die betrieblichen Abläufe eingebunden zu werden. Anschließend wechseln sich betriebliche Praxis und weitere Qualifizierung kontinuierlich ab. Die Teilnehmer arbeiten überwiegend im Unternehmen und kommen an etwa zwei Tagen pro Woche (wie in der Berufsschule) für weitere Lerninhalte zu uns. Dadurch sammeln sie nicht erst am Ende der Umschulung, sondern von Beginn an echte Berufserfahrung. Gleichzeitig können die Unternehmen ihre zukünftigen Fachkräfte früh einarbeiten und über einen langen Zeitraum fachlich und persönlich kennenlernen. Das unterscheidet unser Modell deutlich vom klassischen Konzept mit 18 Monaten Frontalunterricht und einem vergleichsweise kurzen sechsmonatigen Praktikum. Unser Ansatz schafft für beide Seiten deutlich früher einen konkreten Nutzen und verbessert durch das ausgeweitete Praktikum zugleich die Chancen auf eine anschließende Übernahme.
Wirtschaftsforum: Was müssen die IT-Fachkräfte von morgen mitbringen, wenn sie eine Umschulung bei goldsteps beginnen?
Jovan Ilic: Zunächst einmal benötigen sie keinerlei IT-Vorkenntnisse. Für die fachliche Ausbildung sorgen schließlich wir. Wichtig ist eine gewisse Affinität zur Technik und die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen. Denn die IT-Welt verändert sich permanent. Als ich vor 35 Jahren den Beruf des Fachinformatikers ergriffen habe, gab es schließlich noch nicht einmal das World Wide Web, von Smartphones ganz zu schweigen.
Wirtschaftsforum: Wie verändern sich heute die inhaltlichen Schwerpunkte?
Jovan Ilic: Die Basisausbildung bleibt für uns das A und O. Gleichzeitig rücken Themen wie künstliche Intelligenz, Cloud-Technologien und IT-Sicherheit immer stärker in den Mittelpunkt. Entscheidend ist dabei, diese Bereiche nicht isoliert zu betrachten, denn sie greifen unmittelbar ineinander. Darüber hinaus wollen wir künftig auch die Daten- und Prozessanalyse stärker ausbauen: ein Bereich, der gerade im Zusammenhang mit KI für Unternehmen zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Wirtschaftsforum: Wie verändert sich dadurch auch der Beruf des Fachinformatikers?
Jovan Ilic: Im IT-Kontext gibt es prinzipiell zwei zentrale Stoßrichtungen an Ausbildungsberufen – Anwendungsentwickler und Systemintegratoren –, die unterschiedlich stark von diesem Wandel betroffen sind. Laut aktuellen Zahlen der IHK ist die Anzahl der Ausbildungsstellen für Anwendungsentwickler gegenüber dem Vorjahr um über 10% gesunken. Das überrascht nicht, wenn man bedenkt, dass die KI viele einfachere und zunehmend standardisierte Programmieraufgaben übernimmt – denn darin liegt ja die angestammte Domäne der Anwendungsentwickler. Das bedeutet keineswegs, dass es diesen Beruf morgen nicht mehr geben wird; doch das Tätigkeitsspektrum wird sich wahrscheinlich tiefgreifend wandeln.
Wirtschaftsforum: Bei Systemintegratoren ist derweil keine rückläufige Entwicklung zu erkennen?
Jovan Ilic: Auch das erscheint logisch – denn je umfangreicher die Unternehmen KI, Cloud-Dienste und automatisierte Systeme einsetzen, desto mehr technische Infrastruktur benötigen sie, die dann wiederum aufgebaut, integriert, verwaltet und abgesichert werden muss – von wem, wenn nicht von Systemintegratoren?
Wirtschaftsforum: Wie stark musste sich auch goldsteps in den letzten 35 Jahren verändern? Denn auch die Anforderungen Ihrer Kunden haben sich in dieser Zeit beträchtlich weiterentwickelt.
Jovan Ilic: 1991 gründeten wir zunächst die acocon GmbH, aus der später goldsteps hervorgegangen ist. Schon damals wollten wir Unternehmen dabei unterstützen, die Potenziale der IT wirklich zu heben und sinnvoll zu nutzen. Dabei zeigte sich schnell, dass nicht nur Technologie entscheidend ist, sondern ebenso die Menschen und die Prozesse im Unternehmen – kurzum: People, Process and Technologies. Dieser Grundgedanke wurde später bei goldsteps speziell für den Bereich Qualifizierung (People) weiterentwickelt. Fast 35 Jahre später haben sich Technologien grundlegend verändert, die zentrale Herausforderung ist jedoch geblieben: Unternehmen benötigen qualifizierte Menschen, funktionierende Prozesse und die passende Technologie.
Wirtschaftsforum: Wie möchten Sie derweil goldsteps in den nächsten Jahren weiterentwickeln?
Jovan Ilic: Wir sind beständig auf der Suche nach Unternehmen, die unseren Auszubildenden Perspektiven eröffnen möchten, weil sie in ihnen schon heute die Fachkräfte der Zukunft sehen – entsprechende Kooperationen werden wir in den nächsten Jahren mit weiterem Nachdruck ausbauen und vertiefen. Gleiches gilt für unser bestehendes Niederlassungs- und Partnernetzwerk in Bremen, München, Berlin, Hannover, Münster, Osnabrück, Köln und dem Ruhrgebiet, das wir in den kommenden Jahren gezielt um weitere starke Regionen erweitern möchten.











