Mit einer smarten Wallbox die Energiewende vorantreiben
Interview mit Erik Yesayan, Geschäftsführer der go-e GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Yesayan, mit Ihren Wallboxen möchten Sie Ihren Kunden die Möglichkeit geben, einfach smart ihre Autos zu laden. Was genau macht Ihr Produkt smart?
Erik Yesayan: Wir stehen für mehr als das rein stupide Laden, mit dem sich andere – vornehmlich ostasiatische – Hersteller begnügen. Denn neben starken Sicherheitsvorkehrungen hat unsere Lösung vielfältige Funktionen zu bieten, die nicht nur für eine bequeme Benutzererfahrung sorgen, sondern mit denen unsere Kunden auch Zeit und Geld sparen können. So lässt sich unsere Wallbox etwa mühelos per App ansteuern und konfigurieren, samt möglichen Zugangsbeschränkungen für bestimmte Personen. Außerdem können die Benutzer einstellen, ob sie ihr Fahrzeug vorzugsweise über Nacht aufladen, beziehungsweise dazu auf den überschüssigen Strom ihrer eigenen Photovoltaikanlage zurückgreifen wollen. Vor diesem Hintergrund ermöglicht unser go-E-Controller ein dynamisches Lastenmanagement: Wenn der Boiler etwa
gerade viel Strom benötigt, passt sich der Ladevorgang des E-Autos automatisch an diese Rahmenbedingungen an. Gleichzeitig werden Lastspitzen vermieden, wenn beispielsweise mehrere Autos parallel geladen werden. Auch für flexible Stromtarife haben wir zielführende Einstellungen vorgesehen. Nicht zuletzt bieten wir unser Produkt sowohl in einer fest verbauten als auch in einer mobilen Variante an, die unsere Kunden überallhin mitnehmen können – samt vielfältigen Steckeroptionen.
Wirtschaftsforum: Ein Relikt aus der Zeit der Reichweitenangst?
Erik Yesayan: Dieses Thema war vor zehn Jahren sicherlich noch viel präsenter als heute. Ursprünglich war unsere Wallbox ja gar nicht für den breiten Markt gedacht, sondern wurde von unserem Gründer Peter Pötzi als private Lösung Marke Eigenbau entwickelt, weil er damals für seine beiden Elektroautos kein Produkt im Markt fand, das seinen Ansprüchen gerecht wurde. Seine Wallbox hat mit ihren vielfältigen Funktionen dann aber so viele Menschen überzeugt, dass uns klar wurde, dass wir uns damit ein riesiges Marktpotenzial eröffnen konnten.
Wirtschaftsforum: Wie schnell konnten Sie skalieren, um der Nachfrage gerecht zu werden?
Erik Yesayan: Unser Unternehmen befand sich damals noch in der Start-up-Phase. Ich war eigentlich primär für die Finanzen zuständig, gleichzeitig aber auch für die Materialbeschaffung verantwortlich – und die Herausforderungen waren immens. Wir haben teilweise Woche für Woche das Produktionsvolumen erhöht – mitunter so stark, dass auch unsere etablierten Lieferanten nicht mehr hinterherkamen. Bis 2021 hatten wir keinerlei Lagerbestände für Fertigerzeugnisse, weil alle Wallboxen sofort ausgeliefert wurden. Erst mit dem Wegfall der großzügigen Fördermaßnahmen für Wallboxen in Deutschland 2023 entspannte sich die Lage in gewisser Weise – gleichzeitig sollte dies schwierige Zeiten für die ganze Branche bedeuten, weil die Händler nun erst ihre enormen Lagerbestände abbauen wollten. In den letzten Monaten ist das Sales-Geschäft jedoch wieder merklich leichter geworden.
Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie in die Zukunft von go-e – und der E-Mobilität im Allgemeinen?
Erik Yesayan: Natürlich wollen wir unsere Marktanteile noch erhöhen und gleichzeitig auch unsere Produkte sowie unser Sortiment weiterentwickeln. Der Grundstein für viele künftige Innovationen ist bereits gelegt: So haben wir in unseren Lösungen beispielsweise schon die erforderliche Hardware integriert, um bidirektionales Laden im Sinne von Vehicle-to-Home-Lösungen zu ermöglichen, wofür es von den Herstellern leider noch keine etablierten Standards gibt. Unsere technologische Vision geht jedoch weit über diese Ansätze hinaus – denn wir wollen die Energiewende noch in vielen weiteren Dimensionen vorantreiben und unsere Produkte dazu in weiteren Bereichen neben der E-Mobilität einsetzbar machen. Als Unternehmen kann go-e dabei auf eine starke Position als bekannter Innovationsführer in der Branche aufbauen: Erst kürzlich flüsterte mir der Chefentwickler eines großen deutschen Automobilherstellers bei einer Preisverleihung verschmitzt zu, er selbst besitze unsere Wallbox.
Wirtschaftsforum: Die Energiewende ist damit auch Ihr persönliches Herzensprojekt?
Erik Yesayan: Europa hat in den letzten Jahren die bittere Erfahrung machen müssen, was es bedeuten kann, wenn wir bei unserer Energieversorgung von ausländischen Mächten und ihrer volatilen Preisgestaltung abhängig bleiben. Die Sonne schickt uns jedenfalls keine Rechnung. Erneuerbare Energien sind somit eine Chance für uns, um unsere Wettbewerbsfähigkeit auf Dauer zu stärken – Investitionen in eine bessere Infrastruktur sind sicherlich allemal sinnvoller als in fossile Energieträger, die uns ohnehin nur schaden. Klar, die Idealisten sind schon lange auf den Zug der E-Mobilität aufgesprungen. Die Ottonormalverbraucher holen wir nun mit wirtschaftlichen Vorteilen – Stichwort: PV-Überschuss – und einer erstklassigen Benutzererfahrung ab. Denn steige ich heute in einen Verbrenner, fühle ich mich, als wäre ich 20 Jahre in die Vergangenheit gereist.












