Sauerstoffversorgung zu Hause
Interview mit Pierre Lange, Geschäftsführer der OxyCare GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Lange, seit 1999 steht OxyCare für „Versorgung, die bewegt“. Wie unterstützen Sie die Patienten dabei genau?
Pierre Lange: Grundsätzlich versorgen wir Patienten in ihrer Häuslichkeit mit Sauerstofflangzeitgeräten und ähnlichen Medizinprodukten, etwa Hilfsmitteln zur Behandlung der Schlafapnoe. Der klassische Fall ist ein COPD-Patient, der von seinem Arzt als sauerstoffpflichtig eingestuft wird. Wir bringen ihm dann das Gerät nach Hause und kümmern uns im Hintergrund auch um die Kommunikation mit der Krankenkasse – von der Antragstellung bis zur Abrechnung. Um diesen Prozess so weit wie möglich zu beschleunigen, verfügen wir auch über entsprechende Präqualifizierungen und ein umfassendes Qualitätsmanagement.
Wirtschaftsforum: Mit Ausnahme der deutschen Inseln können Sie Patienten innerhalb von 24 Stunden mit entsprechenden Hilfsmitteln versorgen – wie schaffen Sie das?
Pierre Lange: Diese Struktur ist über längere Zeit gewachsen. Als mein Vater Peter Peschel das Unternehmen 1999 in Bremen gegründet hat, waren wir zuerst nur im Großraum des kleinsten deutschen Bundeslandes aktiv. Von dort aus haben wir unser Einzugsgebiet mit den Jahren sukzessive erweitert – ein Prozess, der an eine biologische Zellteilung erinnerte: Denn immer, wenn ein Mitarbeiter ein Gebiet aufgebaut hatte, in dem er nun an die Grenzen seiner Kapazitäten stieß, haben wir es entsprechend aufgespalten, um wieder effizienter zu werden. Heute beschäftigen wir über 110 Mitarbeiter im Außendienst, die quer über Deutschland und Österreich verteilt sind, sodass wir überall eine schnelle Patientenversorgung gewährleisten können. Darin liegt aus unserer Sicht auch die zentrale Erfolgsgrundlage unseres Unternehmens: Denn die eigentlichen Sauerstoffgeräte kann im Prinzip so gut wie jeder vertreiben. Flächendeckend eine schnelle und zuverlässige Versorgung mit hohem Serviceniveau gewährleisten zu können, ist aber eine ganz andere Herausforderung.
Wirtschaftsforum: Durch den demografischen Wandel dürften die Patientenzahlen in den nächsten Jahren weiter steigen – was bedeutet das für OxyCare?
Pierre Lange: Vom demografischen Wandel wurde schon zu meiner Schulzeit gesprochen, er kommt also alles andere als überraschend. Sicherlich wird es in Zukunft aufgrund der Alterung der Gesellschaft mehr therapiebedürftige COPD-Patienten geben. Gleichzeitig werden diese schon heute länger als früher mit einer Sauerstofftherapie versorgt, damit sie länger mobil bleiben können. Während die durchschnittliche Behandlungsdauer vor zwei Jahrzehnten noch etwa ein Jahr betrug, ist dieser Zeitraum inzwischen auf etwa das Doppelte angestiegen. Das hat für sehr viele Menschen einen enormen Zugewinn an Lebensqualität bedeutet.
Wirtschaftsforum: Gibt es weitere Innovationen, mit denen sich OxyCare heute beschäftigt?
Pierre Lange: Sauerstoffquelle bleibt prinzipiell Sauerstoffquelle – doch die Geräte sind heute deutlich kleiner und leistungsstärker als noch vor einiger Zeit. Als ich 2005 in unser Unternehmen eintrat, mussten die Patienten noch mehrmals in der Woche mit neuen Stahlflaschen versorgt werden – heute gibt es dagegen mobile Geräte, die weniger als 2 kg wiegen und in einer bequemen Tasche getragen werden können. Perspektivisch ist auch denkbar, dass diese Geräte smarter werden und therapierelevante Daten ermitteln oder früher Hinweise auf nötige Wartungseingriffe geben könnten. Aktuell gibt es aber noch keine entsprechenden Produkte auf dem Markt, und auch wenn die Zeit dafür einmal reif ist, wird sich immer noch die Frage nach der Kostenübernahme stellen.
Wirtschaftsforum: Wie blicken Sie vor diesem Hintergrund auch auf die aktuellen Impulse zur Gesundheitsreform?
Pierre Lange: Derzeit steht ja ein 3%iger Abschlag auf sämtliche Hilfsmittelversorgungsverträge zur Debatte. Dadurch würden die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für uns natürlich nicht einfacher werden. Aufgefangen werden könnte das sinnvollerweise eigentlich nur, wenn die Zusammenarbeit mit den Krankenkassen im Gegenzug effizienter und damit auch digitaler ablaufen würde.
Wirtschaftsforum: OxyCare selbst ist schon seit 2004 ein vollständig digitalisiertes Unternehmen.
Pierre Lange: Gälte das auch für die Krankenkassen, bräuchten wir tatsächlich keinerlei Papier mehr. Und in der Tat existieren ja bereits seit Jahrzehnten vollkommen digitale Datenverfahren, mit denen wir sämtliche Anträge und Belege an die Kostenträger übermitteln können – nur müssen wir sie anschließend in der weit überwiegenden Zahl der Fälle aber dann doch auf Papier nachreichen. Besser wäre es, wir dürften sie hier einfach ein Jahrzehnt lang aufbewahren und müssten sie nur auf Verlangen vorlegen können; so bliebe auch der Missbrauchsschutz gewahrt. Bei allen bürokratischen Erfordernissen bleibt unsere Hauptaufgabe schließlich die Patientenversorgung in der Häuslichkeit, der wir uns weiterhin mit all unserer Energie widmen möchten.










