Klima verstehen, Zukunft gestalten
Interview mit Dipl.-Met. Dominik Adler, Geschäftsführer der GEO-NET Umweltconsulting GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Adler, Sie sind seit mehr als 15 Jahren bei GEO-NET und gehören seit August 2025 zur Geschäftsführung. Sie schätzen besonders das Engagement Ihrer Mitarbeitenden und sprechen sogar von „Überzeugungstätern“.
Dominik Adler: Unsere Mitarbeitenden sind mit Leib und Seele dabei, wenn es um Erneuerbare Energie- und Klimathemen geht. Sie sehen ihre Arbeit nicht nur als Beruf, sondern ein Stück weit als Berufung. Das zeigt sich in unseren beiden großen Arbeitsbereichen: In der Windenergie unterstützen wir den Ausbau erneuerbarer Energien; im Bereich Klima und Luft beschäftigen wir uns mit den bereits spürbaren Folgen des Klimawandels und möglichen Anpassungsmaßnahmen. Beides sind Themen, mit denen sich unsere Mitarbeitenden stark identifizieren. Ich selbst bin Meteorologe und seit vielen Jahren intensiv in der Windenergie tätig. Heute verantworte ich GEO-NET gemeinsam mit Dipl.-Ing. (FH) Johannes Becker und Dr. phil. Björn Büter.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle übernimmt GEO-NET bei der Planung von Windparks?
Dominik Adler: Unser Kernprodukt ist das bankfähige Windgutachten. Als akkreditiertes Gutachterunternehmen schaffen wir damit eine belastbare Grundlage für die Finanzierung von Windparks. Dafür führen wir Windmessungen durch, werten Daten aus und berechnen die Windbedingungen mit unserem hausentwickelten CFD-Modell namens FITNAH-3D. Heute nutzen wir unter anderem LiDAR-Geräte, die Windgeschwindigkeiten per Laser erfassen. In Deutschland läuft eine solche Messung üblicherweise zwölf Monate; zusätzlich müssen langfristige Schwankungen berücksichtigt werden, denn ein Windpark wird für etwa 25 bis 30 Jahre geplant. Entsprechend begleiten wir Projekte zunehmend über die gesamte Laufzeit – von Ertragsgutachten und Betriebsdatenanalysen bis zum Repowering. Hinzu kommen großräumige Windatlanten für die Flächenplanung. Insgesamt haben wir inzwischen mehr als 5.000 Windenergieprojekte in über 50 Ländern bearbeitet.
Wirtschaftsforum: Während Sie mit Ihrer Arbeit in der Windenergie die Energiewende unterstützen, befasst sich ein weiterer Schwerpunkt mit den bereits spürbaren Folgen des Klimawandels. Welche Aufgaben übernimmt GEO-NET dabei?
Dominik Adler: Gerade in Städten werden steigende Temperaturen und längere Hitzeperioden zur Belastung. Deshalb gilt es zu verstehen, wie sich das Stadtklima entwickelt und mit welchen Maßnahmen sich gegensteuern lässt. Im Bereich Klima und Luft untersuchen wir zum Beispiel das Stadtklima, Kaltluftströme, Belüftung und Windkomfort. Stadtklimaanalysen haben wir unter anderem für München, Berlin und Hamburg durchgeführt. Daraus lassen sich konkrete Maßnahmen ableiten: Wo braucht eine Stadt Grünflächen? Was bewirken Dach- oder Fassadenbegrünungen? Wo sind Wasserflächen oder Elemente einer Schwammstadt sinnvoll? Dabei verbinden wir zunehmend Messdaten mit Simulationen und können so die Wirkung unterschiedlicher Maßnahmen untersuchen.
Wirtschaftsforum: Klimaschutz und Klimaanpassung gehören bei GEO-NET also eng zusammen. Gleichzeitig bewegen Sie sich in Märkten, die stark von politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängen. Was bedeutet das für GEO-NET?
Dominik Adler: Genau. Es gibt sogar unmittelbare fachliche Verbindungen. Wir untersuchen, wie sich der Klimawandel langfristig auf Windbedingungen und damit auf die Energieerträge von Windparks auswirken kann. Dafür arbeiten wir mit Klimadaten und unterschiedlichen Emissionsszenarien – gerade bei langfristigen Investitionen ist Planungssicherheit entscheidend. Dazu gehören auch verlässliche politische Rahmenbedingungen. Bis Mitte 2025 war der Gutachtermarkt in der Windenergie stark ausgelastet; inzwischen erleben wir wieder mehr Unsicherheit. Im Klimabereich sind häufig Kommunen unsere Auftraggeber. Hier beeinflusst die Haushaltslage, welche Projekte umgesetzt werden können. An der grundsätzlichen Notwendigkeit beider Aufgaben ändert das jedoch nichts.
Wirtschaftsforum: GEO-NET ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen und hat 2025 auch auf Eigentümerseite einen wichtigen Schritt vollzogen. Was hat sich verändert?
Dominik Adler: Wir beschäftigen heute rund 100 Mitarbeitende an unseren deutschen Standorten Hannover und Dresden; vor zehn Jahren waren es noch nicht einmal halb so viele. Hinzu kommen Niederlassungen in der Ukraine und in Südafrika. Im August 2025 haben zwei langjährige Kollegen und ich das Unternehmen gemeinsam mit dem Münchner Investor Vidia übernommen, der sich auf Investitionen in Klimaschutz- und Dekarbonisierungslösungen konzentriert. Für uns war das eine sehr gute Nachfolgelösung. GEO-NET bleibt als eigenständige Marke und unabhängiger Gutachter bestehen; gleichzeitig eröffnet uns Vidia als Partner neue Möglichkeiten. GEO-NET war das erste Unternehmen innerhalb einer von Vidia aufgebauten Energy and Climate Consulting Platform, zu der inzwischen weitere Unternehmen gehören.
Wirtschaftsforum: Welche Schwerpunkte setzen Sie für die weitere Entwicklung von GEO-NET?
Dominik Adler: Forschung bleibt für uns wichtig. Wir verstehen uns als Schnittstelle zwischen Forschung und freier Wirtschaft und arbeiten kontinuierlich an Projekten, etwa in der Messtechnik und Modellierung. Auch Digitalisierung und KI bieten große Chancen, beispielsweise bei Datenanalysen, Dokumentation oder Programmierung. Bei unseren Gutachten bleibt menschliche Expertise jedoch entscheidend. Strategisch wollen wir unser Leistungsspektrum diversifizieren, mehr Leistungen aus einer Hand anbieten und die Internationalisierung vorantreiben. Deutschland bleibt unser Fokusmarkt; zugleich möchten wir weitere Märkte erschließen. Inhaltlich bleibt unsere Aufgabe dieselbe: mit wissenschaftlich fundierter Arbeit erneuerbare Energien voranzubringen und den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen.












