Sächsische Präzision seit 250 Jahren

Interview mit Hubert Böhme, Geschäftsführer der FPM Holding GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Böhme, seit dem Jahr 1771 setzt Ihr Unternehmen ganz auf Präzision – in welchem Marktsegment engagiert sich FPM dabei genau?

Hubert Böhme: Wie der Name, der sich hinter diesen drei Buchstaben verbirgt – Freiberger Präzisionsmechanik – schon sagt, stellen wir feinmechanisch-optische Vermessungs- und nautische Instrumente sowie weitere hochpräzise und komplexe Bauteile, Baugruppen und Geräte her und führen im Kontext der entsprechenden Gerätefertigung auch die erforderlichen CNC-Arbeiten mit spezialisierten 5-Achs-Fräsen sowie Dreh-, Drehfräs- und Schleifmaschinen durch. Diese Technologien stellen wir unseren Lohnarbeitskunden zur Verfügung, um unser Know-how mit ihrem Know-how zu verbinden.

Auch feinmechanisch-optische Montagearbeiten werden realisiert. Als Teil eines gewachsenen Netzwerks können wir ebenfalls die anfallenden Lackier- und Härtearbeiten sowie entsprechende Oberflächenbeschichtungen umsetzen, um unseren Kunden die jeweiligen Bauteile anschließend einbaufertig zu übergeben.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die über 250 Jahre währende Unternehmensgeschichte in Ihrem geschäftlichen Alltag?

Hubert Böhme: Wir versuchen, all unseren Mitarbeitern zu vermitteln, dass wir auf die Leistungen der Vergangenheit mit Fug und Recht stolz sein können, aber dass die Vergangenheit eben auch Vergangenheit ist. Wenn wir ähnliche Ergebnisse erreichen wollen wie unsere Altvorderen, müssen wir weiterhin bereit zu umfassenden Innovationen sein und den Aufbruch, der damit unweigerlich einhergeht, auch annehmen – sonst geht es nicht.

Durch unsere immense Erfahrung in den Fachbereichen Feinmechanik, Optik und Elektronik und nachdem wir die Herausforderungen der Nachwendezeit erfolgreich meistern konnten, stehen wir heute auf einem sehr stabilen Fundament, auf dem wir die nächsten Jahrzehnte unserer erfolgreichen Unternehmensgeschichte mit Optimismus und Mut aufbauen wollen. 

Wirtschaftsforum: Welche technologischen Innovationen stehen bei FPM gerade im Zentrum der Aufmerksamkeit?

Hubert Böhme: Wir haben in den letzten Jahren umfassend in unsere CNC-Bearbeitung investiert, sodass wir inzwischen mit hochmoderner Robotertechnik arbeiten können, um so auch kleinere und mittlere Stückzahlen zu fertigen. Nicht zuletzt aufgrund des unablässig weiter zunehmenden Fachkräftemangels werden wir in Zukunft noch stärker auf entsprechende Automatisierungslösungen setzen als bisher.

Wirtschaftsforum: Wie möchten Sie sich vor diesem Hintergrund weiterhin qualifiziertes und motiviertes Personal sichern?

Hubert Böhme: Als mittelständisches Unternehmen mit einer relativ kleinen Belegschaft fällt erfolgreichen teambildenden Maßnahmen an dieser Stelle natürlich eine besondere Bedeutung zu. Ich sage ganz offen: Es muss Spaß machen, wenn man morgens zur Arbeit kommt. Diese Überzeugung wollen wir bei FPM nachhaltig mit Leben füllen und so ein attraktives Arbeitsumfeld schaffen. Genauso wichtig ist aber auch das Thema Ausbildung.

Wirtschaftsforum: Welche zielführenden Maßnahmen konnte FPM in diesem Kontext umsetzen?

Hubert Böhme: Hier setzen wir sowohl auf klassische Ausbildungsberufe wie Industriemechaniker mit Spezialisierungen in den Bereichen CNC-Fertigung oder Montage als auch auf Duale Studierende, wo wir insbesondere mit der Hochschule Mittweida vertrauensvoll zusammenarbeiten, um junge, motivierte Menschen auf dem Weg zum Bachelor und Master zu begleiten und sie bei dieser Gelegenheit gleich von unserem Unternehmen zu überzeugen.

Auch wenn ich die allgemeinen Akademisierungstendenzen in der deutschen Gesellschaft bisweilen skeptisch sehe – denn gerade Menschen mit einer handwerklich-technischen Ausbildung werden händeringend gesucht –, hat sich das Duale Studium für uns als sehr guter Weg erwiesen, um für einen praxisnah ausgebildeten und dementsprechend sofort einsetzbaren Nachwuchs an qualifizierten Ingenieurinnen und Ingenieuren zu sorgen.

Wirtschaftsforum: Mit dem Jugend- und Technikhaus setzen Sie sogar noch viel früher an!

Hubert Böhme: Diese Initiative wurde von der hiesigen Industrie angestoßen, um junge Menschen ab der 5. Klasse für Technik zu begeistern. Wir laden sie ein, in das Jugend- und Technikhaus zu kommen und hier mit Baukästen und ähnlichen Materialien zu basteln, Modelle zu bauen und auch bei Betriebsbesichtigungen zu erkunden, ob sie an entsprechenden Berufen Interesse hätten.

Das Hauptziel ist dabei nicht einmal, dass diese jungen Menschen dann später unbedingt in unserem Betrieb arbeiten werden, sondern dass sie schon im sehr jungen Alter klare Perspektiven in unserer Region erkennen – denn in einem attraktiven Wirtschaftsstandort liegt schließlich die unabdingbare Keimzelle für unseren weiteren Unternehmenserfolg!

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