Wie digitale Lösungen Europas Handel verändern

Interview mit Johannes Ferner, Geschäftsführer der fiskaly GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Ferner, wie kam es zur Gründung von fiskaly?

Johannes Ferner: Die Idee entstand 2019 – zu einem Zeitpunkt, an dem der deutsche Markt sich gerade auf die neue Kassensicherungsverordnung vorbereitete. Für uns war das ein spannender Moment: Wir kannten das Thema bereits aus Österreich und sahen, dass der Markt in Deutschland noch stark hardwareorientiert war. Gleichzeitig zeichnete sich ab, dass Cloud-Lösungen künftig entscheidend sein würden. Also haben wir beschlossen, die erste rein cloudbasierte Lösung für diesen Markt zu bauen. Gemeinsam mit meinen Co-Foundern Simon Tragatschnig und Patrick Gaubatz haben wir fiskaly in Wien gegründet – mit dem Anspruch, die komplexe Materie der Fiskalisierung technologisch zu revolutionieren.

Wirtschaftsforum: Heute ist fiskaly in mehreren europäischen Ländern aktiv. Wie sieht der Expansionskurs aus?

Johannes Ferner: Wir sind tatsächlich eines der wenigen Unternehmen, die zuerst in Österreich gestartet und erst anschließend in Deutschland gewachsen sind. Seitdem haben wir Spanien und Italien erschlossen, wo sich derzeit grundlegende regulatorische Änderungen ergeben. In beiden Ländern öffnen sich die Märkte erstmals für cloudbasierte Sicherheitslösungen – ein perfektes Timing für uns. Auch Frankreich ist neu hinzugekommen, und in den kommenden Jahren wollen wir weitere europäische Märkte aufnehmen. Unser Ziel ist klar: Wir möchten der führende europäische Anbieter für cloudbasierte Fiskalisierung werden.

Wirtschaftsforum: Was macht fiskaly technologisch besonders?

Johannes Ferner: Wir haben konsequent auf Cloud Only gesetzt – zu einem Zeitpunkt, als viele noch zweifelten, ob Cloud im Kassenumfeld überhaupt möglich ist. Heute zeigt sich, dass das der richtige Schritt war. Cloud bedeutet geringere Kosten, schnellere Updates, weniger Hardware – und damit enorme Skalierungsvorteile für unsere Kunden. Ein zweiter USP ist unser API-First-Ansatz. Unsere Services lassen sich sehr einfach integrieren, was insbesondere großen Retailern und Kassenanbietern zugutekommt. Ergänzt wird das durch eine umfassende Regulierungs- und Zertifizierungsexpertise, die wir über die Jahre aufgebaut haben. Diese Kombination aus Tech-Innovation und Rechtskonformität hebt uns deutlich von klassischen Anbietern ab.

Wirtschaftsforum: Welche Lösungen bietet fiskaly konkret an?

Johannes Ferner: Im Kern arbeiten wir mit unseren SIGN-Lösungen, die die gesetzlich vorgeschriebenen digitalen Signaturen für Transaktionen in den jeweiligen Ländern bereitstellen. Ergänzt werden sie durch eine digitale Beleglösung, die klassische Papierbelege ersetzt, sowie durch eine Archivierungslösung, die die langfristige Speicherung der relevanten Daten sicherstellt. Über allem liegt der fiskaly HUB, unsere Managementplattform, über die Kunden alle ihre Standorte und Ländereinheiten zentral steuern und überwachen können. Der nächste große Schritt ist die Einführung einer Unified API. Damit möchten wir Kunden künftig eine einzige Integration ermöglichen, während wir im Hintergrund die unterschiedlichen Landesanforderungen abbilden. Für Unternehmen, die international tätig sind oder expandieren möchten, ist das ein enormer Vorteil.

Wirtschaftsforum: Wer setzt fiskaly ein?

Johannes Ferner: Unsere Lösungen werden vor allem von multinationalen Retailern und Kassenanbietern genutzt. Viele unserer Kunden arbeiten in mehreren Ländern, sind dabei oft sehr technologiegetrieben und erwarten eine Lösung, die ihnen die Komplexität der jeweiligen Märkte abnimmt. Unternehmen wie Orderbird sowie namhafte Marktketten aus dem Drogerie-, Lebensmittel- und Retail-Bereich zeigen sehr gut, wie wichtig es ist, in verschiedenen Ländern einheitlich und effizient arbeiten zu können. Genau das ermöglichen wir.

Wirtschaftsforum: Was treibt Sie persönlich als Unternehmer an?

Johannes Ferner: Mich fasziniert, komplexe Projekte von Grund auf aufzubauen und zu sehen, wie sich eine Idee zu einem funktionierenden Produkt entwickelt, das in mehreren Ländern im Einsatz ist. Die technische Herausforderung in der Fiskalisierung ist enorm – und genau das macht sie so spannend. Ich empfinde unser Feld nicht als Bürokratie, sondern als Innovationsraum. Wenn man versteht, wie Regulierung funktioniert, kann man daraus etwas sehr Effizientes und Modernes entwickeln.

Wirtschaftsforum: Wie geht es für fiskaly weiter?

Johannes Ferner: Wir möchten unsere Präsenz in Europa weiter ausbauen und die Unified API als zentrale Lösung für alle Märkte etablieren. Parallel arbeiten wir daran, unsere Prozesse für Kunden noch stärker zu automatisieren und Self-Service-Funktionen auszubauen. Umsatzseitig haben wir uns ambitionierte Ziele gesetzt und streben bis 2030 eine deutliche Skalierung an. Das Wichtigste bleibt aber, dass wir unseren Kunden ein Höchstmaß an Verlässlichkeit, Rechtssicherheit und technischer Qualität bieten.

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