Immer und überall verbunden

Interview mit Dr. Bruno Jacobfeuerborn, Vorsitzender der Geschäftsführung der DFMG Deutsche Funkturm GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Jacobfeuerborn, Sie verantworten seit fünf Jahren als Vorsitzender der Geschäftsführung das Gesamtgeschäft der Deutschen Funkturm, die in diesem Jahr das 20-jährige Firmenjubiläum feiert. Wie hat sich das Geschäft in dieser Zeit entwickelt?

Dr. Bruno Jacobfeuerborn: Mit der Gründung vor 20 Jahren hat unser Mutterkonzern, die Deutsche Telekom, den Grundstein für den flächendeckenden Ausbau der damals noch jungen Mobilfunknetze gelegt. Unser Portfolio der großen Fernmeldetürme haben wir über die Jahre mit Mobilfunkmasten und Antennenträgern auf Dächern in allen Teilen Deutschlands ausgebaut. Gleichzeitig haben wir unser Drittmarkt-Geschäft gestärkt, also die Türme auch an andere Funkkunden vermarkten, um sicherzustellen, dass die Infrastruktur gut ausgelastet wird. Heute haben wir über 40% Marktanteil in Deutschland und sind damit Marktführer. Wir betreiben mehr als 33.000 Funkstandorte, der größte davon, mit 368 m Höhe, befindet sich am Berliner Alexanderplatz. Unser Fernsehturm zählt jährlich eine Millionen Besucher. Wir sind kontinuierlich gewachsen. Heute haben wir 750 Mitarbeitende und einen Umsatz von rund eine Milliarde EUR.

Wirtschaftsforum: Welche Leistungen bietet die Deutsche Funkturm an?

Dr. Bruno Jacobfeuerborn: Wir stellen maßgeblich den Ausbau der Infrastruktur für die deutschen Mobilfunkanbieter, Rundfunksender, Betreiber von Richtfunkstrecken sowie für die Funknetze von Behörden und weiteren Institutionen sicher. Dabei decken wir alles ab, von A bis Z, von der Standortsuche über den Bau bis zum Betrieb des Standortes, sogar Rasen mähen gehört dazu. Wir bauen Türme, Masten, Dachstandorte, Distributed Antenna Systems und Small Cells, also Funkzellen, die nur einen kleinen Bereich abdecken und zur Verstärkung des Mobilfunknetzes dienen. Aktuell liegt unser Schwerpunkt auf dem Ausbau von LTE und 5G.

Wirtschaftsforum: Außerdem sind Sie für das European Aviation Network tätig.

Dr. Bruno Jacobfeuerborn: Ja, das European Aviation Network ist das weltweit erste Funknetz für Flugzeuge, das Satellitenkommunikation und LTE kombiniert. Wir haben dafür das komplette Bodennetz mit rund 300 Sendestationen in 30 europäischen Ländern realisiert.

Wirtschaftsforum: Ein weiteres Geschäftsfeld ist der Aufbau einer Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge.

Dr. Bruno Jacobfeuerborn: Das ist unser Geschäftsbereich Comfort Charge. Wir akquirieren Flächen für öffentlich zugängliche Ladestationen und bauen, betreiben und vermarkten diese. Ziel ist es, ein deutschlandweites Netz von Ladestationen aufzubauen. Hierzu arbeiten wir eng mit Städten und Gemeinden zusammen.

Wirtschaftsforum: Inwieweit ist das Thema Nachhaltigkeit für Sie von Bedeutung?

Dr. Bruno Jacobfeuerborn: Wir übernehmen Verantwortung für unsere Mitarbeitenden und unser Umfeld. Mit unseren Mobilfunkstandorten leiten wir einen wesentlichen Beitrag zur Überwindung der digitalen Spaltung, indem wir die Digitalisierung auch in ländlichen Gebieten vorantreiben. Dabei nutzen wir zu 100% Ökostrom und arbeiten mit der Telekom an energieautarken Lösungen, beispielsweise durch Fotovoltaik- und Windkraftanlagen. Wir vermieten heute schon etwa die Hälfte unserer geeigneten Mobilfunkmasten mindestens an einen weiteren Anbieter neben der Telekom. Jeder geteilte Funkmast bedeutet weniger Eingriff in die Natur.

Wirtschaftsforum: In Deutschland sind Sie Marktführer. Ist die Deutsche Funkturm auch im Ausland aktiv?

Dr. Bruno Jacobfeuerborn: Ja, so bauen wir beispielsweise von den Azoren bis zum Schwarzen Meer Antennenstandorte für den Dienst Precise Positionig, der europaweit eine zentimetergenaue Positionsbestimmung ermöglicht. Außerdem sind wir für das European Aviation Network in ganz Europa tätig und haben Standorte aufgebaut.

Wirtschaftsforum: Worauf führen Sie Ihren Erfolg zurück?

Dr. Bruno Jacobfeuerborn: Wir bauen viel, damit die Deutsche Telekom das beste Netz hat. Gleichzeitig haben wir einen hohen Drittmarkt-Anteil, da wir auch an Rundfunksender, Betreiber von Richtfunkstrecken sowie Behörden und weitere Institutionen für deren Funknetze vertreiben. Darüber hinaus haben wir Experten für alle Bereiche, von der Standortakquise und dem Bau bis zum technischen Betrieb und der Vermarktung. Wir verstehen uns als Full-Service-Anbieter, national wie international. Wenn man alles abdecken will, führt kein Weg an uns vorbei.

Wirtschaftsforum: Welche Ziele haben Sie für das laufende Jahr?

Dr. Bruno Jacobfeuerborn: Wir hatten letztes Jahr ein riesiges Ausbauprogramm und wollen dieses Jahr noch eine Schippe drauflegen. Wir etablieren derzeit die Basis für den 5G-Ausbau. Außerdem wollen wir die White Spots im Mobilfunknetz schließen. Unsere Mission ist es, das Fundament dafür zu bilden, dass sich die Menschen immer und überall verbinden können. Hierfür wollen wir unsere führende Marktposition weiter ausbauen und zugleich international stärker wachsen.

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