Sitzmöbel mit Liebe zum Detail

Interview mit Ramon Werner, Verwaltungsratspräsident der de Sede AG

Wirtschaftsforum: Herr Werner, de Sede ist eine Marke mit Geschichte. Wie hat sich das Unternehmen zu dem entwickelt, was es heute ist?

Ramon Werner: De Sede wurde 1962 in Klingnau als Sattlerei gegründet. Leder war also von Anfang an das prägende Material – und ist es bis heute geblieben. Aus dieser handwerklichen Basis ist über die Jahre eine Marke für exklusive Ledermöbel entstanden. Ein ganz wichtiger Meilenstein war das Modell DS-600, unsere berühmte ‘Schlange’, die in den frühen 1970er-Jahren entwickelt wurde und bis heute zu den großen Ikonen des Hauses zählt. Solche Entwürfe haben de Sede geprägt. Deshalb sprechen wir heute auch ganz bewusst von Skulpturen – weil unsere Möbel eben mehr sein sollen als nur Sitzgelegenheiten.

Wirtschaftsforum: Was macht die Produkte von de Sede so besonders?

Ramon Werner: Im Kern sind es Ledersofas und Sitzmöbel in höchster Qualität, gefertigt mit viel Liebe zum Detail. Natürlich arbeiten wir heute auch mit moderner, lasergestützter Technik, aber der entscheidende Teil bleibt Handarbeit. Gerade das Polstern braucht Erfahrung, Gefühl und echtes Können. Man sieht das an den Nähten, an der Verarbeitung, an der ganzen Erscheinung des Produkts. Unser Anspruch ist nicht, Möbel für den schnellen Austausch zu bauen. Ein de Sede-Sofa soll viele Jahre Freude bereiten – im besten Fall Jahrzehnte. Es verbindet modernes Design mit einer Ruhe und Stabilität, die man spürt.

Wirtschaftsforum: An wen richtet sich de Sede vor allem – und in welchen Märkten sehen Sie die größten Chancen?

Ramon Werner: Wir haben im Grunde zwei große Zielgruppen. Auf der einen Seite sind das private Kunden, die bewusst in Qualität, Design und Beständigkeit investieren. Auf der anderen Seite sind es gewerbliche Kunden – zum Beispiel Hotels, Banken oder Unternehmen –, die in ihren Räumen ein klares Statement setzen wollen. Verkauft wird überwiegend über exklusive Möbelhäuser, Agenten und Partner, ergänzt durch ein kleines Outlet. Geografisch bleibt die Schweiz unser Heimatmarkt und ist für uns nach wie vor sehr wichtig. Deutschland ist ebenfalls relevant, auch wenn das Premiumsegment dort zuletzt schwieriger geworden ist. Gleichzeitig sehen wir in Asien, etwa in Japan und Indien, inter­essante Wachstumschancen. Grundsätzlich glauben wir, dass in jedem Markt Potenzial besteht.

Wirtschaftsforum: Wodurch grenzt sich de Sede vom Wettbewerb ab?

Ramon Werner: Durch die gekonnte Kombination aus Handwerk, Materialkompetenz und Haltung. Wir haben langjährige Erfahrung in der Lederverarbeitung, eine klare gestalterische Handschrift und stehen für Möbelstücke, die nicht beliebig sind. Dazu kommt unsere Individualität – gerade im Bereich der Skulpturen ist sehr viel möglich. Intern sprechen wir oft von der „Freude am Leder“. Das ist kein Marketingclaim, sondern beschreibt ziemlich gut, wie wir arbeiten. Hinzu kommt der Anspruch an Qualität und Nachhaltigkeit. Leder ist ein Naturprodukt, wir achten sehr genau auf Herkunft und Verarbeitung. Und vor allem: Ein Möbelstück, das 20 Jahre Freude bereitet, ist am Ende eben auch ein sehr nachhaltiges – zumindest im Vergleich zu einem Sofa aus dem Möbeldiscounter.

Wirtschaftsforum: Wie positionieren Sie sich heute im Markt – auch mit Blick auf Vertrieb, Innovation und Digitalisierung?

Ramon Werner: Wir positionieren uns im Markt über die Verbindung von Exklusivität, Beratung und Weiterentwicklung. Im Vertrieb setzen wir auf starke Partner, exklusive Möbelhäuser und Präsenz auf internationalen Bühnen wie Mailand, wo wir unsere Produkte emotional inszenieren. Innovation verstehen wir nicht nur als neue Modelle, sondern auch als die kontinuierliche Weiterentwicklung unserer Kollektion, Materialien und Marktpräsentation. Gleichzeitig treiben wir die Digitalisierung voran: Produkte sollen online nicht nur sichtbar, sondern auch konfigurierbar und perspektivisch direkt bestellbar sein. Zudem wollen wir dem Kunden künftig noch besser zeigen, wie ein Möbelstück konkret im eigenen Raum wirkt. Gerade im Premiumsegment ist diese Verbindung für uns zentral.

Wirtschaftsforum: Welche Werte prägen de Sede und mit welchen Zielen blicken Sie in die Zukunft?

Ramon Werner: Ein ganz zen­traler Wert ist die Qualität. Dieser Gedanke zieht sich durch das gesamte Unternehmen – von der Geschäftsleitung bis zum Polsterer in der Fertigung. Gleichzeitig sind wir leistungsorientiert, denn ein Unternehmen muss wirtschaftlich gesund sein, um Qualität dauerhaft sichern zu können. Dazu kommen Nachhaltigkeit, Verantwortung und ein starkes Teamverständnis. Obwohl de Sede Teil einer größeren Gruppe ist, verstehen wir uns nicht als Konzern, sondern als familiär geprägte Unternehmung. Für die nächsten Jahre erwarten wir weiterhin ein anspruchsvolles Marktumfeld. Umso wichtiger ist es, unsere ikonischen Skulpturen in gewohnter Qualität weiterzuführen und neue Kundengruppen zu erschließen, um auch künftig in der Schweiz produzieren und investieren zu können.

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