Fertigung wieder regional gedacht
Interview mit Frank Caser, Geschäftsführer der C.F.K. CNC- Fertigungstechnik Kriftel GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Caser, Sie sind erst seit Kurzem Eigentümer und Geschäftsführer. Was hat Sie an C.F.K. gereizt?
Frank Caser: Ich komme aus der technischen Betriebswirtschaft und habe viele Jahre in Industrie- und Mittelstandsrollen gearbeitet, oft mit internationalem Fokus. Oberflächen- und Fertigungstechnologien haben mich dabei durchgehend begleitet. Als ich 2024 zunächst operativ bei C.F.K. eingestiegen bin, habe ich schnell erkannt, wie viel Substanz hier steckt: ein klares Spezialprofil, eingespielte Teams und eine technische Kompetenz, die man nicht ‘einfach so’ aufbaut. Daraus ist dann der Entschluss entstanden, das Unternehmen zu übernehmen und weiterzuentwickeln.
Wirtschaftsforum: Wofür steht C.F.K. fachlich – in einfachen Worten?
Frank Caser: Wir sind spezialisiert auf Erodiertechnologien und deren Industrialisierung. Das bedeutet: Wir sorgen dafür, dass anspruchsvolle Prozesse nicht nur im Einzelfall funktionieren, sondern stabil, wiederholbar und wirtschaftlich in der Praxis laufen – auch in Serien. Dazu gehören Know-how, Erfahrung, aber auch ein sehr konsequenter Blick auf Qualität, Dokumentation und Prozessfähigkeit.
Unsere Schwerpunkte liegen in Luftfahrt, Turbinen- und Energietechnik, Medizintechnik sowie im europäischen Verteidigungsumfeld. Über die Jahre haben wir sehr viele Kunden betreut – vom Mittelständler bis zum Konzern. Entscheidend ist: Wir liefern in Bereichen, in denen Präzision, Materialverständnis und reproduzierbare Ergebnisse absolut zählen.
Wirtschaftsforum: Viele Mittelständler sehen den Standort Deutschland kritisch. Wie ist Ihre Perspektive?
Frank Caser: Natürlich sind Kosten und Bürokratie Herausforderungen – gerade für kleine und mittlere Unternehmen. Aber ich halte wenig davon, Deutschland permanent schlechtzureden. Wir haben hier starke Fachkräfte, industrielle Tradition und Innovationskraft. Und wir erleben gerade, dass die Nachfrage nach verlässlicher Fertigung in Europa steigt. Für uns ist klar: Wir investieren bewusst hier, weil wir langfristig an den Standort glauben.
Wirtschaftsforum: Sie sagen, Globalisierung sei ins Stocken geraten. Was steckt dahinter?
Frank Caser: Aus meiner Sicht hat sich das Modell ‘weit weg produzieren, alles wird schon funktionieren’ längst relativiert. Spätestens in den letzten Jahren haben viele Unternehmen gemerkt, wie empfindlich Lieferketten sein können. Wenn Verfügbarkeit und Lieferzeiten plötzlich zu Risiko-Faktoren werden, verändert das Entscheidungen. Dann zählt Resilienz – und die Fähigkeit, kritische Komponenten nah am Bedarf stabil liefern zu können.
Wirtschaftsforum: Welche Konsequenz ziehen Sie daraus für C.F.K.?
Frank Caser: Wir wollen uns weiterentwickeln – weg vom reinen ‘Lohnfertiger’, hin zu einem Front-to-End-Partner. Viele Bauteile laufen heute durch zahlreiche Stationen, oft über verschiedene Dienstleister hinweg. Das kostet Zeit, Abstimmung und birgt Fehlerquellen. Unser Ziel ist, Prozessketten zu bündeln, Reibungsverluste zu reduzieren und dem Kunden einen klaren Ansprechpartner zu bieten. Nicht alles muss ein Unternehmen allein machen – aber es braucht ein intelligentes Gesamtkonzept.
Wirtschaftsforum: Wie stellen Sie sich für Wachstum auf?
Frank Caser: Aktuell haben wir noch Kapazitätsreserven – und genau deshalb nutzen wir die Zeit, um Strukturen zu schärfen und gezielt zu investieren. Wir ordnen unseren Maschinenpark neu und haben bereits im siebenstelligen Bereich am Standort investiert. Es geht um Zukunftsfähigkeit – und darum, Kundenanforderungen noch zuverlässiger abbilden zu können.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen Qualität und Zertifizierungen?
Frank Caser: Eine sehr große – gerade in der Luftfahrt und in anderen regulierten Bereichen. Dort geht es nicht nur um ein top gefertigtes Bauteil, sondern zusätzlich um nachweisbare Prozesse, Audits, Dokumentation und eine gleichbleibend hohe Fertigungsqualität. Diese Anforderungen sind anspruchsvoll, aber sie schaffen auch klare Marktpositionen: Wer das verlässlich leisten kann, wird als Partner ernst genommen.
Wirtschaftsforum: Sie sprechen auch über Nachfolge und Zusammenschlüsse im Mittelstand. Warum?
Frank Caser: Deutschland hat ein echtes Nachfolgeproblem. Gleichzeitig steckt enormes Know-how in vielen Betrieben. Wenn diese Kompetenzen verloren gehen, ist das volkswirtschaftlich – und für ganze Branchen – ein Schaden. Ich glaube, dass Zusammenschlüsse und Kooperationen entlang der Wertschöpfung zunehmen werden: ergänzende Prozesse, Materialien, Spezialisierungen. Das macht Unternehmen resilienter und schafft Perspektiven – auch für Mitarbeitende.
Wirtschaftsforum: Zum Schluss: Was dürfen Kunden in den nächsten Jahren von C.F.K. erwarten?
Frank Caser: Einen Partner, der Technik wirklich beherrscht – und Prozesse so industrialisiert, dass Qualität und Lieferfähigkeit dauerhaft stimmen. Und ein Unternehmen, das den Standort Deutschland nicht als Bremse sieht, sondern als Chance: für stabile Lieferketten, verlässliche Qualität und echte Wertschöpfung in Europa.











