Gemeinschaft als Erfolgsmodell

Interview mit Francesca Marastoni, Sales Director der Cantina Valpolicella Negrar S.C.A.

Wirtschaftsforum: Frau Marastoni, Sie sind seit vielen Jahren Teil des Unternehmens. Was macht die Cantina Valpolicella Negrar besonders?

Francesca Marastoni: Wir sind 1933 mit sieben Winzern gestartet und heute stehen über 240 Familien hinter der Cantina. Dieses gemeinsame Arbeiten ist bis heute unser Kern. Jeder bringt seine Erfahrung ein, aber am Ende verfolgen wir ein gemeinsames Ziel – und genau das prägt auch die Qualität unserer Weine.

Wirtschaftsforum: Welche Entwicklungsschritte waren besonders wichtig?

Francesca Marastoni: Wir haben den Fokus noch stärker auf den Weinberg gelegt, weil dort die Qualität entsteht. Gleichzeitig haben wir unseren Stil klar definiert: authentische Weine, die das Valpolicella widerspiegeln – ohne Extreme. Diese Klarheit hilft uns auch international.

Wirtschaftsforum: Sie sind in über 65 Ländern aktiv – wo liegen aktuell Ihre Schwerpunkte?

Francesca Marastoni: Der Export ist für uns ein sehr wichtiger Pfeiler, weil wir unsere Weine weltweit positionieren. Gleichzeitig spielt der italienische Markt weiterhin eine große Rolle, vor allem in der Gastronomie. Was sich aktuell verändert, ist die Art des Vertriebs. Neben klassischen Kanälen bauen wir zunehmend den direkten Kontakt zum Kunden aus – etwa über unseren eigenen Shop oder digitale Plattformen. Das gibt uns die Möglichkeit, unsere Geschichte besser zu erzählen und näher an den Konsumenten zu rücken.

Wirtschaftsforum: Sie sprechen neue Zielgruppen an. Merken Sie konkret, dass sich das Konsumverhalten verändert?

Francesca Marastoni: Ja, es wird nicht unbedingt weniger konsumiert, aber bewusster. Die Menschen achten stärker auf Qualität, auf den Anlass und auch auf den Stil eines Weins. Darauf reagieren wir mit neuen Produkten, die zugänglicher sind und andere Konsumsituationen ansprechen. Damit erreichen wir Zielgruppen, die früher vielleicht keinen direkten Bezug zu unseren Weinen hatten.

Wirtschaftsforum: Nachhaltigkeit ist ein großes Thema. Wie setzen Sie das konkret um?

Francesca Marastoni: Für uns ist Nachhaltigkeit seit vielen Jahren Teil unserer Arbeitsweise. Wir arbeiten biologisch und haben entsprechende Zertifizierungen aufgebaut. Aber wir sehen Nachhaltigkeit facettenreicher. Es geht nicht nur um Umweltaspekte, sondern auch um soziale Verantwortung und wirtschaftliche Stabilität. Hinter unserer Genossenschaft stehen viele Familien – und diese Verantwortung spielt bei allen Entscheidungen eine Rolle.

Wirtschaftsforum: Wenn Sie den Wettbewerb betrachten – wo sehen Sie Ihre klare Differenzierung?

Francesca Marastoni: Unsere Stärke liegt ganz klar in unserer Struktur als Genossenschaft. Wir sind international präsent, aber gleichzeitig sehr nah an unserem Ursprung. Diese Kombination ist nicht selbstverständlich – und genau das macht uns aus.

Wirtschaftsforum: Ihre Vision für die Zukunft?

Francesca Marastoni: Wir möchten als Botschafter unserer Region wahrgenommen werden. Wein ist für uns Ausdruck von Kultur und Gemeinschaft. Unser Ziel ist es, genau das zu vermitteln – nicht nur über unsere Produkte, sondern über alles, was wir tun.

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