Qualität statt Größe: Anders als die Konkurrenz

Interview

Bei der Bourquin SA sind Kunden an der richtigen Adresse, wenn es um Produktentwicklung und Design geht, Wellkarton und Blattware, Boxen und Schachteln sowie um Verkaufs- und Regalverpackungen. Weitere Produkte sind Versand- und Flaschenverpackungen, Displays und Trays.

Vom Schnaps zum Stroh

Nach der Gründung als Schnapsbrennerei 1905 in Couvet kamen später Strohverpackungen zum Schutz der empfindlichen Glasware hinzu. Diese Strohverpackungen wurden auch anderen Firmen angeboten. So verlagerte sich der Tätigkeitsschwerpunkt zunehmend auf Verpackungslösungen bis die Brennerei komplett aufgegeben wurde.

Seit 1989 hat die heutige Bourquin SA ihren Hauptsitz in Oensingen. Die folgenden Jahre waren geprägt von Firmenübernahmen und baulichen Erweiterungen. So wurde 2005 ein neues Verwaltungsgebäude bezogen, 2006 eine neue Fabrikationshalle in Couvet und 2007 ein Hochregallager in Oensingen.

Komplette Firmengruppe

Innerhalb der Firmengruppe finden sich heute diverse Unternehmen. So stellt Bourquin Verpackungen aus Wellkarton nach Maß her und erwirtschaftet als Produktionsbetrieb den größten Teil des Umsatzes. Brieger Verpackungen liefert als Handelsunternehmen Standardverpackungen ab Lager.

Roman Wuermli
Wir sind offen, ehrlich und vertrauenswürdig – sowohl intern wie auch nach außen. Roman WuermliCEO der Bourquin SA

90% der gehandelten Produkte stammen aus der Produktion der Gruppe. Bedruckte und kundenspezifische Produkte aus Papier, Voll- und Wellkarton sind die Domäne von Weber Verpackungen, einem Produktions- und Handelsbetrieb. Promofashion handelt mit Werbeartikeln, Papival Emballage Hygiene liefert unter anderem Einweggeschirr und Pizzakartons.

Die einzelnen Unternehmen sind als Profit-Center organisiert und bilden untereinander Synergien. „Cross Selling ist natürlich ein wichtiges Thema“, erklärt Roman Wuermli. Für jeden Bereich hat Bourquin Verkaufsteams, die sich austauschen und gegenseitig dabei helfen „Türen zu öffnen“.

Ein Gesellschafter

Einziger Gesellschafter und damit Eigentümer ist Guido Bardelli. Er übernahm das Unternehmen 2005 im Zuge eines Management-Buy-outs. Der 65-Jährige war vor Roman Wuermli CEO und ist heute Vorsitzender des Verwaltungsrates. 350 Beschäftigte arbeiten in der Unternehmensgruppe, die einen Umsatz zwischen 80 und 90 Millionen CHF erzielt.

Zielgruppe von Bourquin ist die gesamte produzierende Wirtschaft in der Schweiz. So beliefert Brieger rund 13.000 Kunden, während Papival etwa 6.000 Auftraggeber – darunter Agrar- und Weinbetriebe – mit Hygieneartikeln und anderen Produkten versorgt.

Viele Kunden kommen aus der Pharmaindustrie, gut vertreten sind auch Uhren- und Papierhersteller. Mit 5% haben ausländische Kunden nur einen geringen Anteil am Umsatz. Sie stammen überwiegend aus Deutschland, Österreich und Frankreich. Auf Fachmessen ist lediglich Brieger bei der Züricher Fachpack vertreten.

Hoher Qualitätsanspruch

„Wir sind offen, ehrlich und vertrauenswürdig – sowohl intern wie auch nach außen“, hebt Roman Wuermli verschiedene Vorzüge des Unternehmens hervor. Und der hohe Qualitätsanspruch bezieht sich nicht nur auf das Material. Er gilt auch für Beratung, Produktentwicklung, Design, Logistik und Rundumbetreuung.

Dank der 5.000 Palettenplätze im modernen Hochregallager sind auch große Mengen just in time verfügbar. Somit hilft Bourquin auch, nötige Lagerkapazitäten bei den Kunden zu minimieren.

Einigkeit macht Stark

Vor 15 Jahren hat der Eigentümer Guido Bardelli den Verband Aliabox gegründet. Dies ist ein Zusammenschluss von diversen Familienunternehmen in verschiedenen europäischen Ländern. Der Zusammenschluss ermöglicht unter anderem das konkurrenzfähige Auftreten gegenüber großen Konzernen bei internationalen Ausschreibungen.

Cross Selling ist natürlich ein wichtiges Thema. Roman WuermliCEO der Bourquin SA
Roman Wuermli

In der Schweiz gehört Bourquin in punkto Qualität zu den führenden Anbietern. Was die Größe anbetrifft, ist das Familienunternehmen im Verhältnis zu den Konzernen eher als klein einzustufen. Der Marktanteil in der Schweiz liegt zwischen 15 und 17%.

Stabile Auftragslage

Die aktuelle Auftragslage ist stabil bis leicht steigend. In der Schweiz sind die Lohnkosten sehr hoch. Deshalb ist es schwer, preislich bei der Produktion mit ausländischer Konkurrenz mitzuhalten. Da sich der Transport von Verpackungen über weitere Strecken kaum rentiert, ist der Radius der Kunden auf maximal 200 bis 300 km eingeschränkt.

Aus diesem Grund sind auch 95% der Kunden in der Schweiz angesiedelt. Eine weitere Einschränkung ist die um 6 bis 10% gesunkene Exportquote seit der Freigabe des Wechselkurses im Januar 2015.

Druck gestiegen

Durch den freigegebenen Wechselkurs ist auch der Druck auf die Schweizer Wirtschaft gestiegen. Deshalb geht es für Bourquin darum, sich durch Schnelligkeit und Innovationen vom Wettbewerb abzuheben. Ein Beispiel dafür sind die Nespressokapseln. Dazu passend hat das Unternehmen Dispenser für sechs oder zwölf Sorten entwickelt, die in der Gastronomie und in der Hotellerie eingesetzt werden können.

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