Lernen wird zur Kernkompetenz
Interview mit Matthias Röser, Partner und Global Leader Technology der BearingPoint AG

Matthias Röser kennt technologische Umbrüche aus eigener Erfahrung. Der promovierte Astrophysiker arbeitete zunächst in der Sonnenphysik, später im Silicon Valley und wechselte anschließend in die Wirtschaft. Seit 2007 ist er bei BearingPoint. Heute ist er Partner in Zürich, berät CIOs, verantwortet unternehmensweit das Technologieportfolio und leitet das interne KI-Transformationsprogramm.
Wissen allein reicht nicht mehr
Die Beratung steht nach seiner Einschätzung vor einem grundlegenden Wandel. Fachwissen werde durch KI immer leichter verfügbar. Umso wertvoller werde das Verständnis für den konkreten Kontext eines Kunden: seine Organisation, seine Geschichte, seine Produkte und die verantwortlichen Entscheider. Genau hier sieht Matthias Röser eine Stärke von BearingPoint. „Bei uns sind die Mitarbeiter entscheidend“, sagt er. Viele Kundenbeziehungen bestehen seit Jahren oder sogar Jahrzehnten. KI versteht er dabei nicht in erster Linie als Instrument zur Kostensenkung. „Was massiv unterschätzt wird, ist die Möglichkeit, die menschlichen Fähigkeiten zu erweitern“, betont Matthias Röser. BearingPoint entwickelt deshalb neue KI-gestützte Beratungswerkzeuge. Eines davon analysiert beispielsweise, wie sich technologische Veränderungen auf Hunderte unterschiedlicher Tätigkeitsprofile innerhalb einer Organisation auswirken. Analysen, die früher einen hohen manuellen Aufwand erforderten, lassen sich dadurch regelmäßig aktualisieren.
Transformation mit zwei Geschwindigkeiten
Auch BearingPoint selbst befindet sich mitten in der Transformation. In seiner Strategie für die Jahre 2025 bis 2030 geht das Unternehmen davon aus, dass rund 30% der heutigen Tätigkeiten durch Produktivitätsgewinne entfallen oder grundlegend verändert werden könnten. Darauf reagiert die Beratung mit einem „Dual-Speed-System“. Neben dem bestehenden Geschäft arbeitet eine schnellere Einheit mit rund 200 Mitarbeitenden an neuen Technologien und Werkzeugen. Matthias Röser vergleicht sie mit der Formel 1: Dort werden Innovationen unter besonderen Bedingungen und in deutlich kürzeren Zyklen erprobt. Für Unternehmen leitet Matthias Röser daraus drei Prioritäten ab: Sie sollten in ihre Lerngeschwindigkeit investieren, die Entwicklung ihrer künftigen Ökosysteme genau beobachten und proprietäre Daten sowie Systeme schützen. Große Investitionssummen seien dafür zunächst nicht zwingend erforderlich. „Wir lernen sehr viel und lernen immer schneller“, sagt er. Dabei richtet sich sein Blick weit über den nächsten Technologiesprung hinaus. Unternehmen müssten lernen, auch unter großer Unsicherheit langfristig zu denken. Matthias Röser zieht dafür einen persönlichen Vergleich: Wer ein Kind im Kindergarten habe, mache sich schließlich ebenfalls Gedanken darüber, welche Welt es als erwachsener Mensch erwartet. Warum sollte ein Unternehmen nicht ebenso weit vorausdenken?








