„Transparenz und Seriosität sind ­unsere unverzichtbare Geschäftsgrundlage!“

Interview mit Nicolaus Christian Krüger, Geschäftsführer der Goldankauf und Pfandleihhaus Marin GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Krüger, seit 2012 engagiert sich Ihr Unternehmen im Ankauf von Edelmetallen, insbesondere Gold. Anders als bei vielen Ihrer Wettbewerber spielt das Verkaufsgeschäft für Sie jedoch nur eine untergeordnete Rolle – warum?

Nicolaus Christian Krüger: Das hat mit der grundsätzlichen Ausrichtung unseres Geschäftsbetriebs zu tun. Wir kaufen große Mengen an Gold zu börsennahen Kursen an und führen diese dann der Scheideanstalt zu. Dazu benötigen wir sehr viel Liquidität, was mit einem umfangreichen Goldverkaufsgeschäft und der damit einhergehenden hohen Kapitalbindung jedoch gar nicht möglich wäre. Denn im Verkauf steckt immer ein Stück weit das Prinzip Hoffnung, dass möglichst bald ein Kunde kommt, genau diesen Artikel erwerben möchte und sich der Verkaufskurs für uns bis dahin nicht wesentlich verschlechtert hat. Wir sehen uns da lieber als Recyclingbetrieb, der dafür sorgt, dass Alt-, Zahn- und Feingold wieder von der Industrie verwertet werden und in den Wirtschaftskreislauf zurückfließen kann.

Wirtschaftsforum: Gerade beim Handel mit Gold ist Seriosität wahrscheinlich das wichtigste Kriterium für den langfristigen wirtschaftlichen Erfolg – wie können Sie Ihre Kunden davon überzeugen, dass Sie dieses Versprechen auch einhalten?

Nicolaus Christian Krüger: Am besten direkt vor Ort, wenn der Kunde zu uns ins Geschäft kommt. Denn in der Tat tummeln sich in unserer Branche leider nicht wenige Akteure, die vieles versprechen, aber dann nicht einmal die Hälfte davon halten. Viele werben etwa mit sehr attraktiven Ankaufspreisen, doch in den AGB finden sich dann versteckte Klauseln, dass es sich bei diesen Angaben nur um eine unverbindliche Ersteinschätzung handele, dass diverse Abzüge anfallen und vieles mehr. All das gibt es bei uns nicht. Der Preis, den wir minutengenau ausweisen – auf unserer Website oder im Geschäft –, ist auch der Preis, den wir bezahlen, ohne irgendwelche Gebühren oder versteckte Kosten. In diesem Moment, in dem wir unser Interview führen, also jetzt gerade am 2. August um 11.10 Uhr, sind das etwa 24,02 EUR für 1 Gramm 333er Gold, und kein Cent weniger. Darauf können Sie sich verlassen!

Wirtschaftsforum: Wie läuft der Ankaufsprozess im Detail ab?

Nicolaus Christian Krüger: Wenn Sie bei uns persönlich vorstellig werden, wird das angelieferte Material vor Ihren Augen von uns begutachtet und anschließend wird auf einer unserer Waagen, die natürlich allesamt vom Eichamt geprüft und mit einem entsprechenden Siegel versehen wurden, das Gewicht bestimmt. Auf dieser Basis unterbreiten wir anschließend ein Ankaufsangebot zum aktuellen Kurswert, und wenn Sie dieses Angebot annehmen, zahlen wir Ihnen das Geld direkt in bar aus oder überweisen es auf Ihr Konto, ganz wie von Ihnen gewünscht. Oftmals kommen unsere Kunden bei der ersten Transaktion persönlich in unserem Ladengeschäft vorbei. Wenn sie sich dabei von unserer Seriosität überzeugen konnten, nehmen viele bei künftigen Geschäftsvorfällen unseren postalischen Versand in Anspruch, um sich die bisweilen langen Anfahrtszeiten zu sparen – das gilt insbesondere auch für unsere Händlerkunden. Bei dieser Lösung wird der Ankaufspreis direkt bei Wareneingang festgelegt und unmittelbar ausgedruckt, nachdem uns das Paket von DHL übergeben wurde – so hat der Kunde die Sicherheit, keine Preisverschlechterungen befürchten zu müssen.

 

Wirtschaftsforum: Das bedeutet Transparenz vom ersten Schritt an.

Nicolaus Christian Krüger: Und bis zum letzten. So bieten wir auch an, das Gold direkt vor Ort einzuschmelzen und lassen den Kunden diesem Prozess in seiner Gesamtheit beiwohnen. So kann er sich selbst überzeugen, dass bei der Sortierung und der Einschmelzung auch nicht das geringste Kleinteil neben den Ofen fällt – denn leider gibt es in unserem Gewerk viele Möglichkeiten, dem Kunden etwas Ungutes zu tun. Auch in der Verkaufsphase stehen wir für eine ergebnisoffene Beratung – und wenn der Kunde im Anschluss noch etwas Bedenkzeit braucht, ist das eben so, auch wenn das für uns in diesem Fall wirtschaftlich vielleicht nicht optimal sein mag.

Doch gerade wenn ein Kunde beispielsweise davon überzeugt war, dass seine Wertsachen aus echtem Gold bestanden, und er in diesem Zuge von einem Wert in Höhe von etwa 10.000 EUR ausging, wir bei der Prüfung dann aber nur einen Wert von vielleicht 2.000 EUR feststellen konnten, haben wir in erster Linie Verständnis, wenn auf diesen Schock hin erst einmal kein Verkauf zustande kommt. Oft erleben wir jedoch, dass ein solcher Kunde wenige Tage später erneut an uns herantritt und den Wertgegenstand an uns veräußern möchte, nachdem er sich zusätzliche Vergleichsangebote eingeholt hatte, einfach weil er von unserer Offenheit, Transparenz und unserem attraktiven Angebot überzeugt war – worin wir natürlich einen wichtigen Ausweis unseres Qualitätsversprechens sehen. Andersherum verhält es sich im Übrigen genauso: Wenn bei uns im Gesprächsverlauf mit einem Kunden der begründete Verdacht aufkommt, hier gehe etwas nicht mit rechten Dingen zu, nehmen wir von einem solchen Geschäft in aller Höflichkeit, aber gleichermaßen konsequent Abstand. Denn Transparenz und Seriosität müssen selbstverständlich in beide Richtungen wirken.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Wenn Gerüche zum Standortfaktor werden

Interview mit Michael Luccisano, Geschäftsführer der Biothys GmbH

Wenn Gerüche zum Standortfaktor werden

Gerüche sind selten plakativ – aber immer präsent. In Industrieparks, Kläranlagen, auf Deponien oder Asphaltwerken entscheiden sie oft über Akzeptanz, Genehmigungen und Investitionsentscheidungen. Die Biothys GmbH aus Willstätt hat genau…

„Der Solarindustrie gehört die Zukunft!“

Interview mit Philipp Schäfer, Geschäftsführer der fri GmbH & Co. KG und Clemens Östreich, Geschäftsführer der Sonnenexpert GmbH und fri GmbH & Co. KG

„Der Solarindustrie gehört die Zukunft!“

Der Strombedarf wird perspektivisch noch deutlich zunehmen, während der Netzausbau nicht so schnell vonstattengeht, wie man es sich wünschen würde. Trotzdem blicken Clemens Östreich, Geschäftsführer der Sonnenexpert GmbH und der…

E-Rechnungspflicht: Wie Unternehmen ihre Prozesse digitalisieren können

Interview mit Nicolas de Beco, CEO der Banqup Group

E-Rechnungspflicht: Wie Unternehmen ihre Prozesse digitalisieren können

Lang angekündigt, kommt sie doch schneller als gedacht – die E-Rechnungspflicht. Damit stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, schnellstmöglich ihre Prozesse zu digitalisieren und zu optimieren. Die Banqup Group bietet…

Spannendes aus der Region Landkreis Schaumburg

Zukunft und Dynamik in der Werbetechnik

Interview mit Michael Bartesch, Geschäftsführer der KDH Werbetechnik GmbH

Zukunft und Dynamik in der Werbetechnik

Michael Bartesch, Geschäftsführer der KDH Werbetechnik GmbH, gibt Einblicke in die bemerkenswerte Transformation des Unternehmens, das vor über 27 Jahren als kleines Montageunternehmen gegründet wurde. Heute zählt KDH zu den…

Grün denken, smart gestalten: Wie lebendige Mooswände Märkte erobern

Interview mit Carsten Schmieding, Geschäftsführer und Stefan Franke, Projektmanager bei NatureRooms

Grün denken, smart gestalten: Wie lebendige Mooswände Märkte erobern

Mit NatureRooms schlägt die Franke Filter GmbH ein neues Kapitel auf: Smarte, lebendige Mooswände bringen Natur, Design und Technologie zusammen – und eröffnen dem Unternehmen spannende Märkte über die Industrie…

Mit Mut den Glasfaserausbau vorantreiben

Interview mit Patrick Grabowski, Geschäftsführer der United Promotion GmbH

Mit Mut den Glasfaserausbau vorantreiben

Als eines der erfolgreichsten Direktvertriebsunternehmen Deutschlands treibt United Promotion seit fast 20 Jahren bundesweit den Glasfaserausbau sowie die weitere Verbreitung von Photovoltaikanlagen konsequent voran. Warum Mut eine der Grundvoraussetzungen für…

Das könnte Sie auch interessieren

Global lehren, lokal entwickeln

Interview mit Stefan Wisbauer, Geschäftsführer der Lecturio GmbH

Global lehren, lokal entwickeln

Mit dem gravierenden Fachkräftemangel einerseits und der Notwendigkeit, praktische Fähigkeiten effizient zu vermitteln andererseits steht die Ausbildung im Medizinbereich vor enormen Herausforderungen. Die Lecturio GmbH mit Sitz in Leipzig hat…

„Den Wandel mitgestalten“

Interview mit Uwe Dziuk, Geschäftsführer der WEAT Electronic Datenservice GmbH

„Den Wandel mitgestalten“

Die WEAT Electronic Datenservice GmbH aus Düsseldorf zählt zu den wichtigsten Payment- und Datendienstleistern der Mobilitätsbranche. Seit Jahrzehnten prägt das Unternehmen Tankstellenprozesse in Deutschland. Die zunehmende Digitalisierung und die Mobilitätswende…

Einfach schnell durchstarten

Interview mit Georg Weiß, CEO von Quivo

Einfach schnell durchstarten

Es ist das Bindeglied zwischen Onlineshop und Endkunde und spielt deshalb im E-Commerce eine zentrale Rolle – das Fulfillment. Damit sämtliche Prozesse – Lagerung, Kommissionierung, Verpackung, Versand und Retourenabwicklung, aber…

TOP