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Gefahr für ‚Made in Germany‘!? – Alibaba und Tencent fordern Industrie 4.0 heraus

Wirtschaftsforum: Herr Kracht, in China haben sich mit den Kozernen Tencent und Alibaba zwei Schwergewichte zu Wort gemeldet und sich vom Internet für Verbraucher verabschiedet. Was hat es damit auf sich?

Jürgen Kracht: 2015 startete China den nationalen Plan ‚Made in China 2025‘, dessen Ziel eine Führungsrolle in der weltweiten Fertigungsindustrie ist. Dieser Plan ist eine Kampfansage für ‚Made in Germany‘ und eine Bedrohung für Industrie 4.0. Im Oktober 2018 erhielt diese Herausforderung ein neues Gesicht. Der chinesische Internet-Gigant Tencent kündigte an, mit seinem Know-how die digitale Transformation der chinesischen Industrie zu unterstützen.

Alibaba stellte etwa zeitgleich die Vision eines ‚New Manufacturing‘ vor. Das erklärte Ziel der beiden Konzerne ist es, Internet, Big Data, künstliche Intelligenz, Cloud Computing und das Internet der Dinge in die Herstellungsprozesse zu integrieren. Chinas Giganten des Internets bringen für ihre Vorhaben unterschiedliche Erfahrungen mit: Tencent ist mit WeChat und seinen mehr als einer Milliarde aktiven Nutzer die dominierende Social-Media-Plattform des Landes. Alibaba ist mit B2C- und B2B-Plattformen führend im Markt und damit stark in der Handelsszene. Außerdem sind beide laut MIT Technology Review mit über 90% Marktanteil die Könige des mobilen Bezahlsystems in China.

Eindeutig haben sie eine gute Startposition, denn sie können die Hebelkraft ihres Know-hows und des existierenden Leistungsspektrums nutzen. Daten gelten als das neue Gold und die TechGoliaths haben passend für die Neuorientierung Zugang zu Unmengen von Nutzerdaten.

„Dieser Plan ist eine Kampfansage für ‚Made in Germany‘ und eine Bedrohung für Industrie 4.0.“ Jürgen Kracht

Jack Ma, Gründer von Alibaba, sagte bei der Vorstellung der Pläne, dass dieses Projekt zu einem wichtigen Wachstumstreiber für Chinas Wirtschaft werden soll. Und Tony Ma von Tencent schrieb im Oktober 2018 in einem offenen Brief: „Wir glauben, dass die erste Stufe des mobilen Internets, das Consumer-Internet, zu Ende geht und die zweite Stufe, das industrielle Internet, beginnt. Mit dem fortschreitenden Digitalisierungsprozess hat sich das Hauptschlachtfeld des mobilen Internets vom Verbraucher-Internet zum industriellen Internet entwickelt“.

Das Ziel beider Entrepreneure ist klar: Sie wollen Unternehmen in Industrie und Handel eine starke Konnektivität durch die Nutzung schneller Internetverbindungen mit hoher Kapazität, Big-Data-Funktionen und kommunikationsfähigen Sensoren bieten. Wir können davon ausgehen, dass einheimischen Unternehmen die Kooperation mit den Internetriesen ein immenses Potenzial bietet, das ‚industrielle Internet‘ auszubauen und zu nutzen. Damit ist China im Vorteil, denn Deutschland hat keine adäquaten Anbieter – außer vielleicht SAP.

Wir müssen wohl erwarten, dass diese Entwicklung einen kräftigen Auftrieb für China 2025 geben wird. Aber wer weiß, vielleicht nutzen deutsche Hersteller in China ja auch die industriellen Internetleistungen von Alibaba und Tencent? Was wird die Zentrale in Deutschland dazu sagen?

„Die strategische Neuausrichtung von Alibaba und Tencent steht im Einklang mit Chinas Bestreben die Wertschöpfungskette im Industriebereich aufzustocken.“ Jürgen Kracht

Seitens Tencent belegt die jetzt stattfindende, einschneidende Reorganisation des Unternehmens in die Business Units Cloud- und Smart Industries sowie Consumer die Ernsthaftigkeit ihrer Absichten. Als Conduit soll ein Technologiekomitee den Austausch von Anwendererfahrungen bei Cloud Computing, Big Data und künstliche Intelligenz sicherstellen.

Die strategische Neuausrichtung von Alibaba und Tencent steht im Einklang mit Chinas Bestreben die Wertschöpfungskette im Industriebereich aufzustocken. Dazu gehört, mit global aufstrebenden Technologien wie künstlicher Intelligenz im Weltmarkt besser zu konkurrieren.

Lesen Sie auch unser Interview mit Jürgen Kracht:

Was wir von China heute lernen können

Wenige haben die Entwicklung des chinesischen Marktes so nah erlebt wie Jürgen Kracht. 1971 trat er seine neue Arbeitsstelle in Hong Kong an, 2017 ist er erfolgreicher Unternehmer im Consulting-Bereich…

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