Wenn Reinigung zum Prozess wird

Interview mit Karsten Honnefeller, Geschäftsführer DACH der Tennant GmbH & Co. KG

Tennant ist Teil eines US-amerikanischen Konzerns mit langer Tradition: Die Tennant Company wurde vor weit über 100 Jahren gegründet und hat ihren Ursprung in Minneapolis, Minnesota. Heute zählt das Unternehmen zu den global prägenden Anbietern in der professionellen Bodenreinigung. „Tennant steht seit Jahrzehnten für industrielle Bodenreinigung – das ist unser Fundament“, sagt Karsten Honnefeller, Geschäftsführer DACH. Gleichzeitig sei der Blick nach vorn fest verankert: Der Konzern verfolge eine klare Wachstumsstrategie, die sich auch in den europäischen Märkten widerspiegele.

Vom US-Pionier zum DACH-Markt

Für den deutschsprachigen Raum hat Tennant die Organisation zuletzt gezielt weiterentwickelt. Der DACH-Cluster wurde mit dem Start von Karsten Honnefeller neu aufgestellt, um die Präsenz in Deutschland, Österreich und der Schweiz systematisch auszubauen. In Deutschland erwirtschaftet das Unternehmen derzeit rund 50 Millionen EUR Umsatz und beschäftigt knapp 200 Mitarbeitende. „Ich habe den klaren Auftrag, unsere Präsenz nicht nur in Deutschland zu steigern, sondern auch in Österreich und in der Schweiz“, betont Karsten Honnefeller. Der Weg von Karsten Honnefeller zu Tennant ist geprägt von Stationen, die sowohl Vertriebsstärke als auch Führungserfahrung vereinen. Nach dem Einstieg im Banken- und Versicherungsumfeld wechselte er in die Industrie, übernahm Vertriebsverantwortung in DACH und Osteuropa und sammelte Geschäftsführungs­erfahrung in operativen Einheiten. Anschließend folgte ein knappes Jahrzehnt in leitender Vertriebsfunktion bei einem Marktbegleiter – bevor der Schritt zu Tennant kam. Ausschlaggebend war für ihn weniger ein Branchenwechsel als die Aufgabe selbst. „Mich motiviert vor allem, wenn man Dinge aufbauen und strukturieren kann – das macht mehr Freude als Restrukturierung im negativen Sinne“, erklärt Karsten Honnefeller. Hinzu komme ein strategischer Fokus, der in der Reinigungsbranche aktuell besonders relevant ist: „Hier wird auf neue Techniken wie autonomes Reinigen großer Wert gelegt. Gleichzeitig ist das bestehende Portfolio sehr ausgereift und qualitätsorientiert.“

Qualität aus eigener europäischer Fertigung

Tennant ist vor allem für Scheuersaugmaschinen bekannt – von kompakten Walk-behind-Lösungen bis zu großen Aufsitzmaschinen für Flughäfen, Industrieareale oder Handelsflächen. In diesem Kernsegment sieht sich das Unternehmen als globaler Marktführer. „Bei Scheuersaugmaschinen haben wir sehr klar den Anspruch, vorne zu sein – und das spürt man im Markt“, sagt Karsten Honnefeller. Ein zentraler Differenzierungsfaktor ist die Fertigungstiefe in Europa. Tennant verfolgt konsequent das Prinzip „In the Region, for the Region“. „Unsere Fabriken stehen in Europa – unter anderem in den Niederlanden und in Italien. Wir sind ein echter Produktionsbetrieb“, so Karsten Honnefeller. Entscheidend sei, dass Tennant nicht nur montiere, sondern wesentliche Komponenten selbst herstelle: vom Rotationsguss über Metallteile bis zu konstruktiven Details, die Robustheit und Langlebigkeit sichern. Der Vorteil zeigt sich aus seiner Sicht nicht nur in der Produktqualität, sondern auch in der Reaktionsgeschwindigkeit. „Wenn es einen Serienfehler gibt, können wir direkt in die Produktion eingreifen. Das macht die Lieferkette stabiler und die Reaktion schneller“, erläutert Karsten Honnefeller. Gerade in einem Umfeld, in dem Ausfallzeiten teuer sind, wird diese Konsequenz zur wirtschaftlichen Größe.

Service als Stabilitätsfaktor

In der professionellen Reinigung ist Service längst ein Teil des Produkts. Verfügbarkeit, kurze Reaktionszeiten und verlässliche Wartung entscheiden häufig darüber, ob Kunden ihre Flächen mit eigener Mannschaft, Dienstleistern oder automatisierten Lösungen betreiben können. Tennant setzt deshalb auf eine leistungsfähige Serviceorganisation – und will sie weiter stärken. „Wir legen sehr viel Wert darauf, dass wir genug Personal haben, um den Kunden zufriedenzustellen“, sagt Karsten Honnefeller. Natürlich treffe Tennant dabei auf dieselbe Realität wie viele Indus­trieunternehmen: Fachkräfte sind knapp, die Anforderungen steigen. Eine einfache ‘Patentlösung’ gebe es nicht. Umso wichtiger sei die gelebte Kultur. „Unternehmenskultur muss man leben – nicht in Bilderrahmen aufhängen“, betont Karsten Honnefeller. Wie sich diese Kultur praktisch auswirkt, zeigt ein Beispiel aus dem vergangenen Jahr: Nach dem Weggang eines leitenden Mitarbeiters im Servicebereich erhielt der DACH-Standort kurzfristig Unterstützung aus Europa. „Ein Kollege hat mir seinen Service Director aus Spanien zur Seite gestellt – der war am nächsten Tag vor Ort und hat geholfen“, berichtet Karsten Honnefeller. Für ihn ist das mehr als ein glücklicher Einzelfall: Es sei Ausdruck eines internationalen Miteinanders – kombiniert mit einem sportlichen, positiven Wettbewerb innerhalb der Organisation.

Autonome Reinigung

Kaum ein Trend verändert die Branche derzeit so stark wie autonome Reinigungsmaschinen. Vor allem im Handel, in der Logistik und in großen Industrieumgebungen treffen zwei Entwicklungen aufeinander: Flächen werden größer und komplexer, gleichzeitig fehlen Mitarbeitende. Autonomie wird damit zur Antwort auf ein strukturelles Problem. Tennant hat diesen Bereich strategisch priorisiert. „Wir haben Ende letzten Jahres einen eigenen Organisationsteil geschaffen, der sich ausschließlich um autonome Lösungen kümmert“, sagt Karsten Honnefeller. Zudem arbeite man eng mit einem Softwareunternehmen zusammen, um technologische Entwicklungen schnell in marktfähige Lösungen zu überführen. Das Ziel ist ambitioniert: „Unser autonomes Portfolio wird in den nächsten zwei Jahren deutlich wachsen.“ Dabei geht es nicht nur um ‘fährt selbst und macht sauber’, sondern um Integration in reale Betriebsabläufe. „Die Kunden fragen heute: Kommuniziert die Maschine mit der Alarmanlage? Kann sie den Aufzug selbst bedienen?“, beschreibt Karsten Honnefeller. Gerade in Mitteleuropa seien die Anforderungen hoch – was zwar herausfordernd, aber zugleich ein Innovationsmotor sei. Tennant verfolgt hier einen praxisnahen Ansatz: „Wir bauen Reinigungsmaschinen mit Robotik. Viele andere kommen aus der Software und versuchen dann, damit zu reinigen – das ist ein großer Unterschied“, so Karsten Honnefeller.

Kurs auf Nummer zwei

Der DACH-Markt ist für Tennant ein Wachstumsfeld – und gleichzeitig ein besonders anspruchsvolles Wettbewerbsumfeld. Große Wettbewerber haben ihre Wurzeln und Zentralen in Deutschland. „Unsere stärksten Wettbewerber sitzen hier im Heimatmarkt. Das ist herausfordernd – und genau deshalb brauchen wir Neugier und Ehrgeiz“, sagt Karsten Honnefeller. Aktuell liegt der Marktanteil in Deutschland nach Unternehmensschätzung bei rund 7%. Karsten Honnefeller ordnet diese Zahl jedoch ein: Viele Wettbewerber erzielten ihre Anteile über Vollsortimente, Tennant sei im Kern historisch stark in der Bodenreinigung – mit zusätzlichem Potenzial durch Portfolioerweiterungen innerhalb des Konzerns, etwa durch ergänzende Marken und Produktkategorien. Für den Ausbau der Präsenz setzt Tennant auf unterschiedliche Wege: organisches Wachstum, Stärkung der Vertriebs- und Servicenetze – und, wo sinnvoll, auch Akquisitionen. In Österreich wurde dieser Ansatz bereits umgesetzt: Tennant hat eine Firma übernommen und integriert, um flächendeckend mit eigenem Service- und Vertriebsnetz präsent zu sein. In der Schweiz arbeitet Tennant derzeit über Handelspartner, prüft aber den nächsten Schritt. Langfristig macht Karsten Honnefeller keinen Hehl aus seiner Zielrichtung: „Ich kenne keinen anderen Weg, als an Wettbewerbern vorbeizuziehen. Unser Anspruch ist, in Deutschland mindestens die Nummer zwei zu werden“, sagt er. Die Voraussetzung dafür sieht er in klarer Positionierung: Premium, robust, serviceorientiert – und technologisch dort, wo die Branche hinsteuert. Oder, wie er es zusammenfasst: „Wichtig ist, dass klar ist: Wir sind ein Premiumanbieter – und im autonomen Bereich ist das ein Kern unserer DNA.“

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