Von Treppenprofis für Treppenprofis
Interview mit Christian Klopp, Geschäftsführer der Bucher Treppen GmbH
Wirtschaftsforum: Herr Klopp, vor knapp drei Jahren haben Sie die Geschäftsführung der Bucher Treppen GmbH übernommen – was hat für Sie damals den Reiz an dieser Aufgabe ausgemacht?
Christian Klopp: Ich war zuvor für einige der bekanntesten Premium-Marken im Interior-Bereich tätig gewesen – die Themenfelder Wohnen und Lifestyle üben also schon lange eine große Faszination auf mich aus, auch wenn ich mich dabei bisher immer im Kontext weltumspannender Brands bewegt hatte.
Wirtschaftsforum: Damals waren Sie beispielsweise für den Sponsoring-Beitrag Ihres Unternehmens an der Berlinale verantwortlich und liefen dort über den roten Teppich – ein mittelständischer Handwerksbetrieb ist doch eine ganz andere Welt!
Christian Klopp: Natürlich – aber meine zentrale Motivation lag darin, dass ich selbst etwas bewegen wollte. Ich habe mich nach einer möglichst unbeschränkten Gestaltungsfreiheit gesehnt, um zusammen mit einem gewachsenen Team unsere Ideen wirklich so umzusetzen, wie wir sie uns vorgestellt haben. Im Kontext eines weltweit aktiven Konzerns ist das auch auf der Führungsebene in diesem umfassenden Ausmaß nicht so recht vorstellbar – denn dort geben nun einmal stets höhere Instanzen die Richtung vor.
Wirtschaftsforum: Bei Bucher Treppen haben Sie dann einen umfassenden Change-Prozess angestoßen, um das Unternehmen nachhaltig fit für die Zukunft zu machen. Welche Maßnahmen haben Sie in diesem Zuge genau ergriffen?
Christian Klopp: Unser Ziel bestand zunächst in einer Verschlankung unserer Strukturen, indem wir etwa beim Materialeinsatz, bei der Preisgestaltung oder bei den Fertigungsprozessen die Komplexität so weit wie möglich verringert haben. Dies ging auch mit sehr großen Digitalisierungsschritten einher, in deren Zuge wir etwa eine völlig neue Software für die Zeichnungen und CNC-Verfahren implementiert haben, die nun auch Virtual-Reality-Lösungen ermöglichen. Diese durchgreifenden Veränderungen ziehen sich von der Planung bis zur Fertigung, da durch die Anpassung der Produkte auch andere Montageabläufe durchlaufen werden müssen und bisweilen auch anderes Werkzeug benötigt wird.
Wirtschaftsforum: Eine solche Vielzahl an Veränderungen stellt auch die Menschen in einem Unternehmen vor völlig neue Herausforderungen – wie sind Sie damit umgegangen?
Christian Klopp: Wir haben bewusst sehr viel in vergleichsweise kurzer Zeit verändert, weil die entsprechenden Maßnahmen schlichtweg erforderlich waren, um unsere Wettbewerbsfähigkeit dauerhaft sichern zu können – wohlwissend, dass das für eine Organisation eigentlich nicht gesund ist. Trotzdem setzen wir weiterhin auf agile Strukturen, auf Eigenverantwortung und Eigenmotivation. Natürlich ist uns bewusst, dass diese Werte nicht unbedingt in der DNA eines gewachsenen Handwerksbetriebs liegen und auch viele junge Neuzugänge aus dieser Branche in den ersten Jahren ihrer Berufserfahrung in anderen Unternehmen eine ganz andere Organisationsstruktur erlebt haben und nun erst ein bisschen in unsere Vision hineinwachsen müssen. Wir ermöglichen dies durch eine größtmögliche Offenheit und Transparenz sowie durch eine beständige Kommunikation in das Unternehmen hinein. Ebenso liegt es uns am Herzen, unseren Mitarbeiterinnen alle Freiräume anzubieten, die sie benötigen, um mit neuen Ideen wichtige Impulse anzustoßen. Uns ist klar, dass das nicht von heute auf morgen geht – doch perspektivisch sehen wir darin eine unverzichtbare Grundlage, um weiterhin das Marktgeschehen prägen zu können.
Wirtschaftsforum: Wohin genau möchten Sie das Unternehmen führen?
Christian Klopp: Ich wünsche mir, dass sich Bucher Treppen in den nächsten zehn Jahren zu einer Interior-Marke weiterentwickelt und weniger als klassischer Handwerksbetrieb im Markt auftritt, dass auch all unsere Mitarbeiter ein Bewusstsein für unsere Vision gewinnen und vollumfänglich hinter ihr stehen, und dass unsere Organisationsstruktur bald so widerstandsfähig ist, dass eine Krise wie die aktuelle Marktkorrektur in der Baubranche uns nichts mehr anhaben kann. Dann sind wir fit für die Zukunft – mit agilen Mitarbeitern, die auch unbequeme Wege gehen. Neben dem klassischen Treppenbau für Ein- und Zweifamilienhäuser, den wir weiterhin von der Konstruktion über die Planung und Fertigung bis hin zur Montage vollumfänglich in-house bedienen wollen, bauen wir derzeit einen Online-Shop für andere Treppenbauunternehmen auf, in dem wir von Schrauben über Klebebänder bis hin zu Beleuchtungselementen marktübliche Handelsware auf B2B-Ebene anbieten – hierin sehen wir für die nächsten Jahre einen maßgeblichen Treiber für unser weiteres Wachstum.
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