Mittelständler werden zu Online-Arbeitgebern

Der Weg in die „Human Cloud“

Geringere Kosten, schnellere Ergebnisse und der Zugang zu Spezialisten mit Fachwissen und Nischenfertigkeiten, die nicht immer vor Ort verfügbar sind – das schätzen immer mehr Mittelständler an der Online-Arbeit. Das ist das Ergebnis des Jahresberichts von Elance, einer der weltweit führenden Anbieter für entsprechende Plattformen.

Das Geschäftsmodell von Anbietern wie Elance ist denkbar einfach: Unternehmen, die Spezialisten für ihre Projekte suchen, und geeignete Fachkräfte, die nicht ausgelastet sind, werden online vermittelt. Im Gegensatz zu herkömmlichen Online-Jobbörsen, die für jedes Stellenangebot Gebühren verlangen und dabei nicht garantieren können, den passenden Arbeitnehmer zu finden, zahlen Kunden nur dann, wenn das besprochene Projekt beendet ist und die gewünschten Ergebnisse geliefert wurden.

Deutschland weltweit unter den Top 10

Immer mehr deutsche Unternehmen finden den Weg in diese so genannte „Human Cloud“. Im Vergleich der Länder, in denen Unternehmen 2012 am häufigsten neue Arbeitskräfte online suchten und fanden, ist Deutschland immerhin unter den Top 10. Die Zahl der bei Elance registrierten Unternehmen stieg um 51% auf 2.556, die insgesamt 6.929 Job-Inserate veröffentlichten – 57% mehr als 2011. Zu einem tatsächlichen Vertragsabschluss führten insgesamt 69% mehr Angebote.

Mit dieser Bilanz schafft es Deutschland auf den achten Platz der Länder, die 2012 online Fachkräfte suchten. Insgesamt nutzten weltweit durchschnittlich 67% mehr Firmen der Top 10-Länder Elance, um online qualifizierte Fachkräfte zu finden, darunter China (+204%), Japan (+109%), Italien (+70%), Frankreich (+66%) und Großbritannien (+42%).

Unternehmen vergeben meist Aufträge im Bereich IT und Programmierung

Deutsche Unternehmen vergaben 2012 vor allem Aufträge aus dem Bereich IT und Programmierung. 37% der realisierten Projekte fielen auf dieses Segment. Etwa gleich stark nachgefragt waren Spezialisten für Design und Multimedia (25%) sowie Texten und Übersetzungsarbeiten (27%).

Weltweit gesehen war der Fachkräftemangel am stärksten bei Web- und Mobile Programmierern zu spüren – hier konnten die Top-Freelancer ihre Verdienste deutlich steigern. HTML-Programmierer verzeichneten beispielsweise Umsatzsteigerungen von 149%, PHP- und CSS-Experten verdienten jeweils 108% und 103% mehr. Spezialisten für mobile Inhalte registrierten ein Plus von 146% (Android) und 132% (iOS).

Steigende Nachfrage nach Textern und Designern

Freiberufler mit dem Schwerpunkt Text und Übersetzung fassten vor allem bei der Auftragskommunikation für Unternehmen Fuß und konnten ihre Verdienste dort mehr steigern als bei der Veröffentlichung eigener Inhalte. So stiegen die Bereiche Texten/Inhalte (+151%) und Bloggen (+78%) im Jahresverlauf erheblich an, genauso wie Web-Design (+205%) und Grafik-Design (+165%). Dort waren vor allem Grafiker mit Expertenwissen für Photoshop (+165%) und Illustrator (+131%) gefragt. Fachkräfte mit Online-Erfahrung im digitalen Segment (+190%) sowie Social Media (+132%) erhöhten ihre Einnahmen 2012 auch erheblich.

Mit Blick auf die Entwicklung der Online-Arbeit in Europa, erwies sich der Schritt in die Online-Arbeit vor allem für zahlreiche Freiberufler in Südosteuropa als Katalysator. Die Arbeitslosenquote in der Eurozone stieg im November 2012 auf den Negativ-Rekord von 11,8%. Grund genug für IT- und Programmierungsexperten, ihr Können auch online anzubieten. Vor allem Fachkräfte aus Polen (+118%), Bulgarien (+40%) und der Ukraine waren weltweit begehrt und verzeichneten 2012 einen deutlichen Anstieg ihrer Verdienste.

Enormes Potenzial für den Dienstleistungssektor

Was sich 2012 bereits in starkem Wachstum zeigte, wird sich auch in diesem Jahr weiter fortsetzen. So erwartet Elance auch in den kommenden Monaten eine steigende Nachfrage von Unternehmen nach Spezialisten. Gleichzeitig werden aber auch immer mehr Freelancer die Plattform für Online-Arbeit nutzen, um sich lukrative Projekte zu sichern und das eigene Netzwerk zu erweitern, heißt es.

Laut Experten bietet Online-Arbeit noch ein enormes Potenzial für den Dienstleistungssektor. Statt geeignete Fachkräfte über Personalvermittlungen zu akquirieren, suchen Unternehmen direkt in der Cloud und schreiben ihre Projektarbeiten online aus.

Online-Arbeit wird zudem für immer mehr junge Menschen attraktiver. Studenten können bereits während ihres Studiums erste Berufserfahrungen sammeln und kleinere Projekte umsetzen, behalten aber ihre zeitliche und berufliche Flexibilität. Mit ersten Kontakten und Ergebnissen im Gepäck fällt Freelancern dann nach Studienabschluss auch der Berufseinstieg leichter.

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