Mehr als Ersatzteile: Wie sich der Automotive Aftermarket neu erfindet

Nach Prognosen von Frost & Sullivan legt der globale Automotive Aftermarket 2026 weltweit um rund 5,8% zu. Das klingt bemerkenswert, weil die Branche gleichzeitig mit Lieferkettenprobleme, geopolitischen Unsicherheiten und schwächelnder Konjunktur kämpft. Gegenläufige Kräfte: Fahrzeuge werden älter, der freie Ersatzteilmarkt gewinnt Gewicht, und rund um Elektromobilität, Digitalisierung und KI entstehen neue Erlösquellen. Das verändert das Selbstverständnis der Branche. Hochwertige Ersatzteile und effiziente Reparaturen reichen nicht mehr. Werkstätten, die heute mithalten wollen, verbinden Software, Elektronik und klassische Mechanik, werden also de facto zu Technologiepartnern ihrer Kunden.
Die Werkstatt wird zum Technologiezentrum
Mit jeder neuen Fahrzeuggeneration wächst die Bedeutung digitaler Systeme. Software-defined Vehicles, vernetzte Fahrzeugarchitekturen und Fahrerassistenzsysteme verändern die Anforderungen an Wartung und Reparatur grundlegend. Diagnose, Kalibrierung und Software-Updates gehören inzwischen ebenso selbstverständlich zum Werkstattalltag wie klassische Serviceleistungen. Diesen Wandel greift die Automechanika Frankfurt 2026 mit dem neuen Forum HighTech4Mobility auf. Dort stehen Software-defined Vehicles, autonomes Fahren und digitale Mobilitätsdienste im Mittelpunkt. Unternehmen wie Google Cloud und die Boston Consulting Group zeigen, wie Künstliche Intelligenz künftig zusätzliche Wertschöpfung im Aftermarket schaffen kann. Robotik und automatisierte Systeme sind ebenfalls im Programm. „Die Erfolgsgeschichte der Automechanika Frankfurt geht weiter", sagt Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. Trotz eines anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfelds rechne die Messe mit rund fünf Prozent mehr Ausstellern als bei der vergangenen Veranstaltung. Rund 4.400 bis 4.500 Unternehmen aus mehr als 80 Ländern werden im September auf dem ausgebuchten Frankfurter Messegelände erwartet. Für Braun ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass internationale Plattformen gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten an Bedeutung gewinnen.
Transformation braucht Austausch
Technologischer Wandel allein reicht jedoch nicht aus. Ebenso wichtig ist der Wissenstransfer zwischen Herstellern, Werkstätten, Zulieferern und Dienstleistern. Deshalb erweitert die Automechanika ihr Angebot gezielt um neue Networking-Formate und Möglichkeiten für den fachlichen Austausch. „Innovation, Transformation, Nachhaltigkeit sowie Aus- und Weiterbildung stehen 2026 im Mittelpunkt der Veranstaltung", sagt Michael Johannes, Vice President Mobility & Logistics. Ziel sei es, Unternehmen besser miteinander zu vernetzen und Kooperationen zu fördern, die den Wandel der Branche beschleunigen. Ein weiteres Schwerpunktthema ist die Zukunft des Schadenmanagements. Im Rahmen der Automechanika Academy diskutieren Versicherungen, Lackhersteller, Technologieunternehmen und Branchenverbände über die Auswirkungen von KI, Automatisierung und Robotik auf Unfallreparaturen. Gleichzeitig geht es um die Folgen von Fachkräftemangel, steigenden Investitionskosten und fortschreitender Marktkonsolidierung.
Wissen wird zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor
Mit den technologischen Veränderungen steigen auch die Anforderungen an die Beschäftigten. Neue Antriebstechnologien, Fahrerassistenzsysteme und digitale Diagnoseverfahren verlangen kontinuierliche Weiterbildung. Deshalb baut die Automechanika Frankfurt ihr Qualifizierungsangebot weiter aus. Kostenlose, zertifizierte Praxis-Workshops vermitteln aktuelles Know-how: von Schadendiagnose und Karosserieinstandsetzung über Lackiertechnik bis zu ADAS-Kalibrierung und alternativen Antriebssystemen. Neu ist, dass sämtliche Inhalte nach der Messe online dauerhaft verfügbar bleiben und damit weit über die fünf Messetage hinaus genutzt werden können. Der Automotive Aftermarket entwickelt sich vom klassischen Ersatzteilgeschäft zu einem technologiegetriebenen Dienstleistungsmarkt. Digitalisierung, KI und vernetzte Fahrzeuge verändern nicht nur Produkte, sondern ganze Geschäftsmodelle. Die Automechanika Frankfurt macht diese Entwicklung sichtbar.








