„Menschen für Wasserschutz sensibilisieren“

Stadtwerke Rotenburg (Wümme) GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Meyer, wie wurde Ihr Unternehmen zu dem, was es heute ist?

Volker Meyer: 1905 wurde es als Gasversorger unter dem Namen Städtische Werke Rotenburg gegründet. 1914 sind wir in die Stromversorgung, 1924 auch in die Wasserversorgung eingestiegen. 1979 wurden wir zur GmbH. Weitere wichtige Schritte waren die Übernahme des städtischen Hallen- und Freibades 1985. Wir haben es zum Erlebnisbad Ronolulu umgebaut, das 1993 eröffnet wurde. Ein Jahr später haben wir auch eine Konzession außerhalb von Rotenburg, in der Gemeinde Bötersen, übernommen. 1996 haben wir den Flugplatz Rotenburg gekauft. Die zunehmende Nachfrage nach entsprechenden Dienstleistungen hat 1999 zum Aufbau unserer Sparte Wärmeversorgung geführt. Seit 2016 sind wir in der Stadt Visselhövede Grundversorger für Strom und werden es jetzt auch für Gas. Unsere jüngste Sparte ist die Immobiliensparte: 2019 haben wir mit dem Wohnungsbau angefangen. Als zu 100% städtisches Unternehmen übernehmen wir außerdem verschiedene kleinere Dienstleistungen für die Stadt Rotenburg.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich das Unternehmen wirtschaftlich entwickelt?

Volker Meyer: Unser Jahresumsatz beträgt rund 45 Millionen EUR. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren waren es noch 30,4 Millionen EUR. Für uns ist es aber nicht wichtig, einen möglichst hohen Umsatz zu erzielen. Unser Ziel ist, wirtschaftlich gut aufgestellt zu sein. Wir beschäftigen heute 100 Mitarbeiter und haben neben der Zentrale noch eine Zweigstelle in Visselhövede.

Wirtschaftsforum: Wie verlief denn Ihr Weg zu den Stadtwerken Rotenburg?

Volker Meyer: Ich habe in einem Handwerksbetrieb eine Lehre gemacht und war später als Ingenieur in einem Ingenieurbüro beschäftigt. Danach bin ich zu einem Stadtwerk hier in der Region gewechselt und wurde dort technischer Prokurist. Anschließend bin ich in die Geschäftsführung eines Wasserversorgungsunternehmens eingetreten und seit letztem Sommer hier als alleiniger Geschäftsführer. Das ist eine sehr spannende Aufgabe. Zum einen, weil sich die Energieversorgung, die meiner Meinung nach auch in eine öffentliche Hand gehört, seit 20 Jahren in einem unglaublichen Veränderungsprozess befindet. Zum anderen, weil immer neue Aufgaben wie jetzt die Immobiliensparte und neue Netze hinzugekommen sind. Zudem befinden wir uns gerade im Wandlungsprozess von konventionellen zu erneuerbaren Energien.

Wirtschaftsforum: Was bedeutet das konkret?

Volker Meyer: Wir haben bereits Car-Sharing-Modelle in Rotenburg und in Visselhövede eingeführt, stellen unseren Fuhrpark auf E-Mobilität um und sind in die Bereiche Photovoltaik und – mit einer Mini-Windkraftanlage – in die Windenergie eingestiegen. Diese Themen möchte ich voranbringen und gemeinsam mit unserem Team umsetzen. Ein wichtiges Element ist dabei die dezentrale Energieversorgung durch Blockheizkraftwerke, BHKWs, die zum Teil mit grünem Erdgas, also Biomethan, versorgt werden. Unser Ziel muss sein, den Strom dort zu verbrauchen, wo er produziert wird, anstatt ihn über weite Entfernungen zu transportieren.

Wirtschaftsforum: Welche Themen liegen Ihnen persönlich besonders am Herzen?

Volker Meyer: Mein Fokus liegt auf der Regionalität – Ich möchte mehr auf regionale Stromversorgung setzen, etwa durch Photovoltaik und BHKWs. Das andere Thema ist Nachhaltigkeit. Wir fördern zum Beispiel Wasser aus der Rotenburger Rinne. Das ist ein urzeitliches Wasser, das sich unter uns befindet und nur durch eine Sandschicht gefiltert wird. Das ist ein besonderes Qualitätsmerkmal. Wir geben das Wasser an unsere Kunden ab und wollen das auch bekannter machen.

Wirtschaftsforum: Wie wirkt es sich intern aus, dass Ihr Unternehmen so viele verschiedene Ressorts unter einem Dach vereint?

Volker Meyer: Wir betrachten uns als ein Team, ob es die Mitarbeiter in der Zentrale oder im Erlebnisbad sind. Mir ist es wichtig, dass sich alle in der Stadtwerkefamilie wiederfinden und wohlfühlen. Deshalb haben wir auch viele Angebote für die Mitarbeiter. Wir alle arbeiten gemeinsam an dem Ziel, die Menschen in Rotenburg und Umgebung zu versorgen, sei es durch Schwimmkurse oder eine gute Energieversorgung. Und auch der Flugplatz ist ein wichtiger Anlaufpunkt für die Bürger von Rotenburg und weit darüber hinaus. Dort sind Fallschirmspringer und Segelflieger aktiv, und die Vermessung aus der Luft hat bei uns ihren Heimatflugplatz. Jetzt bauen wir auf dem Flugplatz auch ein Restaurant.

Wirtschaftsforum: Welche Punkte stehen für die nahe Zukunft auf Ihrer Agenda?

Volker Meyer: Wir wollen unser Sport- und Erlebnisbad sanieren und die E-Mobilität ausbauen. In den Wohnungen, die wir auf unserem Gelände gebaut haben, ist bereits viel Intelligenz verbaut, und sie sind auch für E-Mobilität ausgestattet. Weiterhin wollen wir die erneuerbaren Energien ausbauen und die Menschen für unser Wasser und seinen Schutz sensibilisieren.

Stadtwerke Rotenburg (Wümme) GmbH
Mittelweg 19
27356 Rotenburg (Wümme)
Deutschland
+49 4261 6750
info@stadtwerke-rotenburg.de
www.stadtwerke-rotenburg.de

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Wachstum mit Nebenwirkungen: Welche Risiken Familienunternehmen in guten Jahren übersehen

Wachstum mit Nebenwirkungen: Welche Risiken Familienunternehmen in guten Jahren übersehen

Volle Auftragsbücher, steigende Umsätze, neue Standorte: Erfolgreiche Jahre fühlen sich an wie Rückenwind. Doch gerade in dieser vermeintlich sorglosen Phase entstehen oft jene folgenschweren Weichenstellungen, die einem inhabergeführten Betrieb Jahre…

Wenn aus komplexen Produktionsaufgaben individuelle Sondermaschinen werden

Wenn aus komplexen Produktionsaufgaben individuelle Sondermaschinen werden

Nicht jede Fertigungsaufgabe lässt sich mit einer Standardmaschine wirtschaftlich automatisieren. Gerade bei komplexen Produktionsprozessen, begrenztem Bauraum oder wechselnden Produktvarianten sind individuelle Lösungen gefragt. Darauf hat sich die ZARIAN Bewegungs-Systeme GmbH…

Makler Service AG: Makler-Ausbildung als Faktor für Branchenvertrauen

Makler Service AG: Makler-Ausbildung als Faktor für Branchenvertrauen

Die Frage nach Vertrauen beschäftigt die Immobilienbranche seit Jahrzehnten. In Deutschland ist der Zugang zum Maklerberuf erstaunlich niedrigschwellig; formale Abschlüsse sind keine Pflicht. Das hat Folgen: Immer wieder entstehen Vorbehalte,…

Aktuellste Interviews

„Die Medikamente kommen aus der Steckdose“

Interview mit Dennis Meyer-Philippi, Co-Founder der tantum sana® GmbH

„Die Medikamente kommen aus der Steckdose“

Als seine Großmutter pflegebedürftig wurde, erlebte Dennis Meyer-Philippi aus nächster Nähe, wie schnell die Medikamentenversorgung zu Hause zur Belastungsprobe wird. Daraus entstand maja sana®: ein digitaler Tablettenspender, der die häusliche…

Weltweit erfolgreich.  Nah an den Menschen.

Interview mit Daniela Rehm, Geschäftsführerin der Vorwerk Austria GmbH & Co. KG

Weltweit erfolgreich. Nah an den Menschen.

Persönliche Beziehungen sind in einer zunehmend digitalen Welt wertvoller denn je. Vorwerk baut seit mehr als 140 Jahren auf dieses Prinzip und verbindet die Stärke des Direktvertriebs mit kontinuierlicher technologischer…

„Unsere Mission? Gesundes Sitzen und Schlafen!“

Interview mit Charalampos Perezidis, Geschäftsführer der Polster Aktuell Essen GmbH & Co. KG

„Unsere Mission? Gesundes Sitzen und Schlafen!“

An 14 Standorten von Lübeck bis Hanau vertreibt Polster Aktuell in mehreren einzelnen Gesellschaften hochwertige Sitz- und Schlaflösungen. Der Schlüssel zum langjährigen Unternehmenserfolg liegt dabei laut Geschäftsführer Charalampos Perezidis nicht…

TOP