„In der Krise lernt man Menschen gut kennen“

Kreiskrankenhaus Schrobenhausen GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Koch, seit wann existiert das Krankenhaus schon?

Dr. Holger Koch: Unser jetziger Standort wurde 1932 eingeweiht und war für damalige Verhältnisse schon hochmodern. Er wurde fortwährend erneuert und verbessert, zudem wurde 1997 eine Schwestereinrichtung, ein Geriatriezentrum in Neuburg, als Rehaeinrichtung gegründet. Im Kreiskrankenhaus betreiben wir parallel eine Abteilung für Akutgeriatrie. Die Versorgung älterer Menschen ist also einer unserer Schwerpunkte.

Wirtschaftsforum: Was zeichnet das Kreiskrankenhaus Schrobenhausen außerdem aus?

Dr. Holger Koch: Für einen Grund- und Regelversorger sind wir in der Digitalisierung sehr weit fortgeschritten. Die Patientenakten sind bei uns vollständig digitalisiert, das heißt, alle Daten werden digital erfasst, im Haus weitergeleitet und ausgewertet. Dies ermöglicht eine schnellere Diagnose und kommt so den Patienten zugute. Dies in Kombination mit dem Schwerpunkt auf Geriatrie-Patienten ist in Deutschland nur sehr selten zu finden.

Wirtschaftsforum: Wie ist Ihr Unternehmen heute aufgestellt?

Dr. Holger Koch: Das Kreiskrankenhaus Schrobenhausen ist ein 150-Betten-Haus. Wir verfügen über eine starke innere Medizin mit Kardiologie und Gastroenterologie, eine Unfallchirurgie und Orthopädie sowie die Akutgeriatrie und beschäftigen 480 Mitarbeiter. Unser Jahresumsatz liegt relativ konstant bei etwas über 25 Millionen EUR. Neben den beiden genannten Standorten betreiben wir noch ein Altenheim und eine Gerontopsychiatrie.

Wirtschaftsforum: Wann und mit welchem beruflichen Hintergrund sind Sie ins Kreiskrankenhaus Schrobenhausen gekommen?

Dr. Holger Koch: Ich bin Ökonom und war vorher bereits in der Krankenhausbranche tätig. Mein erster Arbeitstag in Schrobenhausen war der 16. März 2020, der Tag nach dem Ausruf des Katastrophenfalls in Bayern. Das war eine sehr anspruchsvolle, für mich aber auch hervorragende Zeit. Denn in der Krise lernt man Menschen noch schneller und intensiver kennen. Ich habe gleich festgestellt, dass die Mentalität hier im Haus stimmt und die Identifikation der Mitarbeiter mit ihm unheimlich hoch ist. Trotzdem hätten wir uns allen diese Pandemie natürlich gern erspart.

Wirtschaftsforum: Wie erleben Sie diese Identifikation?

Dr. Holger Koch: Sie zieht sich durch alle Bereiche und führt dazu, dass die Menschen immer bereit sind, zu Lösungsfindungen beizutragen. Durch diese gute Mentalität macht es Spaß, hier zu arbeiten. Die Corona-Zeit ist für die Krankenhäuser extrem fordernd. Die über Monate andauernde psychische Belastung der Mitarbeiter wurde hier ganz hervorragend gemeistert, zum einen, weil man sich als Team begreift, zu anderen, weil die Rahmenbedingungen stimmen. Wir erfahren eine starke Unterstützung durch die Politik. Man kennt und unterstützt sich, ob es sich um die Trägerschaft, die Mitarbeiter oder die Politik handelt.

Wirtschaftsforum: Worin liegen Ihre Hauptaufgaben als Geschäftsführer?

Dr. Holger Koch: Es geht strategisch darum, die Weichen so zu stellen, dass wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zurechtkommen. Im operativen Tagesgeschäft hat die Kommunikation mit den Mitarbeitern einen hohen Stellenwert; das merken wir durch Corona ganz besonders. Viele Regelungen müssen schnell umgesetzt werden und Emotionen aufgefangen werden. Da wir in der Pflege unter starkem Fachkräftemangel leiden, ist es wichtig, für die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu sorgen, uns als Arbeitgeber attraktiv zu machen und das auch zu kommunizieren. Wir müssen auf den demografischen Wandel vorbereitet sein, der dazu führt, dass die Menschen älter und kranker werden und oft mehrere Krankheiten zugleich haben. Und die Digitalisierung muss ganz vorn anstehen, um das Personal zu entlasten. Ich kann in meiner Position stark mit beeinflussen, dass die Menschen in unserer Region gut betreut werden können, und das motiviert mich sehr. Ein weiterer großer Antrieb ist für mich dafür zu sorgen, möglichst viel von dem, was wir heute im medizinischen Bereich können, für die Patienten nutzbar zu machen.

Wirtschaftsforum: Welche Themen stehen für die Zukunft auf Ihrer Agenda?

Dr. Holger Koch: Zum einen müssen wir die hohe Identifikation mit dem Haus weiterleben und mit ihr werben, um unser hohes Niveau an Fachkräften sowohl in der Pflege als auch in der Ärzteschaft halten zu können. Und es gilt, unsere Chancen in der Digitalisierung weiter auszubauen. Dabei wollen wir unser Geriatriezentrum noch stärker einbeziehen. Wir werden auch weitere technische Lösungen finden müssen, um die Pflege zu entlasten. Daneben werden wir das Spektrum des Hauses weiter ausbauen, indem wir uns in der Geriatrie weiterentwickeln und in der Inneren Medizin zum Beispiel in der Gefäßchirurgie noch stärker minimalinvasive Möglichkeiten nutzen.

Kreiskrankenhaus Schrobenhausen GmbH

Högenauer Weg 5
86529 Schrobenhausen
Deutschland
+49 8252 940
+49 8252 94300
geschaeftsfuehrung(at)kkh-sob.de
www.kkh-schrobenhausen.de

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