Geoökonomische Zeitenwende: Zerlegung der Weltwirtschaft hat begonnen

Bad Homburg, 27.04.2022

Die komplette Studie als PDF zum Download: Geoökonomische Zeitenwende (Quelle:FERI Cognitive Finance Institute)

Alte Konfliktlinien und neue Allianzen in einer multipolaren Welt

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine mache deutlich, dass die bisherigen Strukturen einer regelbasierten und von den USA dominierten Weltordnung von einigen Mächten nicht mehr länger akzeptiert würden. Dies zeige sich schon seit einiger Zeit auch im harten Hegemonialkonflikt zwischen den USA und China. Die Rivalität dieser beiden Großmächte werde zu einer umfassenden Neuordnung der internationalen Beziehungen und zu einem forcierten Rückbau der bisherigen weltwirtschaftlichen Verflechtungen führen. „Wir müssen uns einstellen auf Jahre konfliktträchtiger Deglobalisierung – angetrieben nicht von wirtschaftlicher Kostenoptimierung, sondern von Sicherheitskalkülen und Bedrohungsrisiken“, sagt Prof. Heilmann. Der Ukraine-Krieg habe deutlich gemacht, wie wichtig die Absicherung einer verlässlichen Rohstoff- und Energieversorgung sowie der Schutz industrieller Wertschöpfungsketten sei. Die führenden Wirtschaftsmächte würden daher in Zukunft verstärkt um neue strategische Allianzen und Einflusszonen ringen. Dabei werde sich die globale Zusammenarbeit auf sicherheitsfixierte Bündnisse verengen, bei denen systemisch-ideologische Gemeinsamkeiten bestünden. So habe etwa die erst im Februar 2022 begründete „unbeschränkte Partnerschaft“ zwischen Russland und China dezidiert die Schwächung „des Westens“ zum Ziel. „Für China ist die Nützlichkeit Russlands in der Auseinandersetzung mit den USA und den US-Allianzen entscheidend. Denn die grundsätzliche geostrategische und systemische Rivalität zum Westen hat für China fundamentale Bedeutung“, erklärt Prof. Heilmann. Eine wichtige Rolle in der Auseinandersetzung zwischen den USA und China spielten künftig auch Mittelmächte wie etwa Indien, Vietnam, Brasilien, Mexiko oder Saudi-Arabien. „Die Regierungen dieser Länder beobachten die aktuellen Entwicklungen sehr genau. Sie warten ab, wie sich der globale Systemkonflikt entwickelt, halten sich alle Optionen offen und spielen im Zweifel die Großmächte gegeneinander aus“, so Prof. Heilmann. Bezeichnend sei etwa, dass das von den USA und ihren Partnern umgesetzte Sanktionsregime gegen Russland nicht nur in China, sondern auch unter der Mehrheit der Entwicklungs- und Schwellenländer keine Akzeptanz und Unterstützung fand.

Stille Kräfteverschiebung im internationalen Währungssystem

Eine der am meisten unterschätzten neuen Entwicklungen – mit weitreichenden Folgen für die zukünftige Rolle Chinas in der Weltwirtschaft – sei derzeit auf dem Gebiet der Währungspolitik zu beobachten. „Erklärtes Ziel der chinesischen Regierung ist es, den Renminbi zu internationalisieren und als alternative Leitwährung zu etablieren. Diese Strategie scheint aufzugehen, seitdem immer mehr Länder die chinesische Währung nutzen, um so die Sanktionsrisiken für Transaktionen, die in USD abgewickelt werden, zu mindern“, erläutert Prof. Heilmann. Zwar hätte dies kurzfristig negative Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Exportwirtschaft. Andererseits aber würde ganz im Sinne der chinesischen Autarkiepolitik die Kaufkraft chinesischer Produzenten und Konsumenten gestärkt und China als Zentrum weltwirtschaftlicher Nachfrage in Konkurrenz oder sogar mit Vorrang gegenüber den USA positioniert. „Unsere Analyse macht deutlich, dass Unternehmer und Investoren künftig wesentlich stärker als bislang das Konzept geopolitischer Risikofaktoren berücksichtigen müssen. Das bedeutet neue Herausforderungen, aber selektiv auch interessante Chancen“, sagt Dr. Heinz-Werner Rapp.

Die Analyse „Geoökonomische Zeitenwende – Wie Großmachtkonflikte die Weltwirtschaft zerlegen” ist beim FERI Cognitive Finance Institute als „Cognitive Briefing“ erscheinen. Sie steht im Downloadbereich zur Verfügung.

Über FERI Cognitive Finance Institute

Das FERI Cognitive Finance Institute ist strategisches Forschungszentrum und kreative Denkfabrik der FERI Gruppe, mit klarem Fokus auf innovative Analysen und Methodenentwicklung für langfristige Aspekte von Wirtschafts- und Kapitalmarktforschung. Das Institut nutzt dazu aktuelle Erkenntnisse aus Bereichen wie Verhaltensökonomie, Komplexitätstheorie und Kognitionswissenschaft.

Hinter dem FERI Cognitive Finance Institute steht ein erfahrenes Team mit interdisziplinär akademischem Hintergrund, langjähriger Forschungspraxis und spezifischen Schwerpunktkenntnissen. Zudem besteht Zugang zu einem leistungsfähigen Netzwerk externer Experten.

Gegründet wurde das Institut 2016 von Dr. Heinz-Werner Rapp, Vorstand der FERI AG und CIO der FERI-Gruppe, für die er seit 1995 tätig ist. Rapp hat an der Universität Mannheim Wirtschaftswissenschaften studiert und über psychologisch geprägtes Anlegerverhalten („Behavioral Finance“) promoviert. Er beschäftigt sich seit Jahren mit alternativen Kapitalmarktmodellen und hat die Grundlagen der neuen „Cognitive Finance“-Theorie entwickelt.

FERI ist seit 1987 als unabhängiges Investmenthaus tätig, mit den Schwerpunkten Investment Research, Investment Management und Investment Consulting. Der Name FERI steht für „Financial & Economic Research International“.

Katja Liese
Mitglied der Geschäftsleitung
Leiterin Presse & Kommunikation
T +49 (0) 6172 916-3192
F +49 (0) 6172 916-1192
presse(at)feri.de
FERI AG
Rathausplatz 8-10
61348 Bad Homburg

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Warum professionelles Abweichungsmanagement lange vor den ersten Warnsignalen beginnt

Warum professionelles Abweichungsmanagement lange vor den ersten Warnsignalen beginnt

Warum professionelles Abweichungsmanagement lange vor den ersten Warnsignalen beginnt. Professionelles Abweichungsmanagement gehört zu jeder guten Führung. Organisationen müssen erkennen, wenn sie vom Kurs abkommen, die Ursachen verstehen…

100% Ökostrom ohne Atom und Kohle: Diese Anbieter liefern ihn wirklich (2026)

100% Ökostrom ohne Atom und Kohle: Diese Anbieter liefern ihn wirklich (2026)

Wer heute Strom bezieht, hat die Wahl – und die Qual. Denn nicht jeder Tarif, der mit „Öko" wirbt, hält, was er verspricht. Manche Anbieter kaufen lediglich günstige Herkunftsnachweise aus…

Optimerch: Ohne Entität keine Empfehlung durch die KI

Optimerch: Ohne Entität keine Empfehlung durch die KI

Wer heute nach einem Anbieter sucht, bekommt immer öfter eine fertige Antwort statt einer Ergebnisliste. Google fasst im AI Overview zusammen, ChatGPT nennt drei Anbieter samt Begründung und Perplexity liefert…

Aktuellste Interviews

Das Energieökosystem der Zukunft

Interview mit Jie Zhang, Managing Director Europe der GoodWe Europe GmbH

Das Energieökosystem der Zukunft

Mit Photovoltaikmodulen, Wechselrichtern, Wärmepumpen und vielen weiteren Artikeln hält der chinesische GoodWe-Konzern alle wesentlichen Komponenten bereit, damit die Energiewende gelingen kann. Kein Wunder, dass das Unternehmen in den 16 Jahren…

„Stromzähler sind die Sensoren  des Energieversorgers!“

Interview mit Oliver Göbel, Geschäftsführer und Dr. Gerhard Eisenbeiss, CTO der MetCom Solutions GmbH

„Stromzähler sind die Sensoren des Energieversorgers!“

Die Stromzähler von MetCom Solutions kommen nur in Nischenanwendungen – bei Kunden aus Industrie und Gewerbe sowie in Grid-Anwendungen – zum Einsatz; gleichzeitig fließen über sie aber deutlich höhere Ströme…

Die Stärke der Nische

Interview mit Christoph Dorscheid, Geschäftsführer der cds Polymere GmbH & Co. KG

Die Stärke der Nische

Wer auf einem Flughafen landet, denkt nicht an Kunstharz. Wer eine Tiefgarage betritt, denkt nicht an Reaktionsharzmörtel. Und wer einen frisch beschichteten Industrieboden betritt, fragt selten, wer das Material geliefert…

TOP