Es geht um die Wurst – die regionale Wurst

Interview mit Anna Rembser, Leitung der Verwaltung D. Rembser GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Rembser, Sie vertreten die fünfte Generation eines familiengeführten Unternehmens, das als klassische Metzgerei begann und auch heute bewusst auf handwerkliches Können statt auf automatisierte Fertigungsprozesse setzt. Passt das in unsere Zeit?

Anna Rembser: Ja, es passt perfekt, weil immer deutlicher wird, dass bei Verbrauchern ein Sinneswandel eingesetzt hat. Der Wunsch nach regionalen Produkten erstklassiger Qualität ist stark ausgeprägt. Mit unseren regional produzierten Fleisch- und Wurstwaren bedienen wir genau diesen Trend.

Wirtschaftsforum: Die handwerkliche Herstellung von Fleischprodukten ist seit jeher Rembsers Kernkompetenz. Was hat das Unternehmen über fünf Generationen geprägt?

Anna Rembser: Der Slogan ‚Nur das Beste vom Erzeuger für den Verbraucher‘ ist ein Slogan, der immer wegweisend war. Qualität und Handwerkskönnen sind seit der ersten Stunde Markenzeichen des Unternehmens. Ein Meilenstein war ohne Zweifel der 1994 erfolgte Umzug in unsere aktuelle Produktionsstätte in Mainz-Kastel, mit dem eine komplett neue Aufstellung einherging. Bis dato waren mein Großvater und Vater als Viehhändler tätig, 1994 haben wir uns dann auf die Herstellung und Veredelung von Fleisch- und Wurstwaren spezialisiert und die Produktionstiefe ausgebaut. Wir sind aus der Wiesbadener Innenstadt nach Mainz-Kastel gezogen, ein Standort, der durch die perfekte Anbindung an das Rhein-Main-Gebiet Gold wert ist. 2000 haben wir entschieden, uns auch im Einzelhandel aufzustellen; bis dahin haben wir ausschließlich Restaurants, Kantinen, Gaststätten oder andere Metzgereien beliefert. Das Filialkonzept lief zunächst sehr gut an, so dass wir in Hochzeiten elf Filialen hatten. Der akute Fachkräftemangel erforderte später die Reduzierung auf die heutigen vier Standorte.

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielen diese Filialen heute?

Anna Rembser: Sie sind extrem wichtig und haben uns in der Pandemie über Wasser gehalten. Die Geschäfte blieben offen; es gab zwar viele Beschränkungen, aber sie boten uns die Chance, die Krise zu überstehen.

Wirtschaftsforum: Wie hat sich die Corona-Krise generell auf Rembser ausgewirkt?

Anna Rembser: Wir haben heute etwa 60 Mitarbeiter und setzten zuletzt sechs Millionen EUR um. Vor der Pandemie lag der Umsatz bei 8,5 Millionen. Der Großhandel ist leider noch nicht so angelaufen, wie wir uns das wünschen; dennoch sind wir optimistisch, in den nächsten Jahren wieder die acht Millionen zu erreichen. Es gibt wieder Feste und Märkte, die wir beliefern, es geht also klar bergauf.

Wirtschaftsforum: Sie selbst sind 2020, also exakt im Krisenjahr, in das Unternehmen eingestiegen. Was sehen Sie als besondere Herausforderungen an?

Anna Rembser: Ich bin natürlich mit dem Unternehmen groß geworden, bin schon als Kind durch die Produktionshallen gelaufen und habe an der Theke gestanden. Mir war immer klar, dass ich irgendwann dort arbeiten würde. Nach mehreren Jahren in anderen Unternehmen bin ich 2020 zurückgekehrt, in einer Phase des Umbruchs, als die Frage aufkam, wie es weitergehen sollte. Ich wollte auf jeden Fall weitermachen, das war und ist mir eine Herzensangelegenheit. Mein ganz persönliches Steckenpferd ist die Mitarbeiterbindung. Mir ist es wichtig, dass Mitarbeiter lange bei uns bleiben und sie mich als Kollegin und weniger als Vorgesetzte sehen.

Wirtschaftsforum: Sehen Sie darüber hinaus besondere Herausforderungen oder planen Neuerungen?

Anna Rembser: Ich finde das Unternehmen, so wie es ist, richtig gut. Was Prozesse und das Handwerk an sich betrifft, sind wir hervorragend aufgestellt. Jeder weitere Schritt in Richtung Wandel wäre unsinnig. Der nächste logische Step für uns wäre die Automatisierung. Gerade bei der Verarbeitung von Naturprodukten ist diese jedoch sehr schwierig, denn dann ist es nicht mehr weit bis zur Massenproduktion, an der wir ganz und gar nicht interessiert sind. Wir wollen Werte erhalten und das Handwerk groß rausbringen. Eine Fließbandproduktion passt einfach nicht. Wir haben die Vision, dass handwerkliche Tradition eine Zukunft hat.

Wirtschaftsforum: Handwerkliche Tradition spielt eine ganz zentrale Rolle. Wie spiegelt sich diese im Portfolio wider? Gibt es besondere Highlights?

Anna Rembser: Highlights sind unsere hausgemachten Würstchen, die sehr stark gefragt sind, weil sie einfach lecker sind. Allerdings verdanken wir unseren Erfolg weniger einzelnen Produkten als vielmehr dem gesamten Unternehmenskonzept, das von der bewussten Entscheidung für Regionalität geprägt ist. Unsere Produkte werden im Rhein-Main-Gebiet hergestellt. Wir arbeiten mit Bauern der Region zusammen und unterstützen diese; regionale Qualitätsware ist schon heute wichtig und wird in Zukunft noch wichtiger werden. Wir springen nicht auf jeden Zug auf, sondern bleiben uns treu. Veggie-Produkte beispielsweise werden wir nicht anbieten, auch wenn sie sehr sinnvoll sind. Es gibt einfach sehr viele Anbieter in diesem Bereich, deshalb besinnen wir uns auf unsere bewährten Werte und Stärken.

Wirtschaftsforum: An wen wenden Sie sich mit den Produkten und der Philosophie?

Anna Rembser: Wir sind sowohl im B2B- als auch im B2C-Bereich unterwegs. Der typische Rembser-Kunde ist der bewusste Esser; derjenige, der auf regionale Qualität Wert legt, der weniger Fleisch, dafür besseres isst – und der sich ab und zu nach Omas Sonntagsbraten sehnt.

D. Rembser GmbH
Peter-Sander-Straße 9
55252 Mainz-Kastel
Deutschland
+49 6134 71940
+49 6134 719417
info(at)rembser-gmbh.de
www.rembser.com

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