Doppelt kompetent: Händler und Online-Dienstleister

Interview mit Frank Haberkorn, Geschäftsführer der Bremer Versandwerk GmbH

„Wir sind sehr flexibel, haben langjährige Erfahrung und können uns gut auf die Veränderungen des Marktes einstellen“, betont Frank Haberkorn, Geschäftsführer der Bremer Versandwerk GmbH. „Dabei hilft uns das eigenprogrammierte Warenwirtschaftssystem, das den Bedürfnissen der Kunden wesentlich schneller angepasst werden als entsprechende Standardprodukte. Hinzu kommt, dass wir mit unseren Kunden auf Augenhöhe sind, weil wir auch selbst als Händler am Markt aktiv sind.“

Drei Geschäftsfelder

Großhandel und Fulfillment, Marktplätze und Warehousing sind die drei Tätigkeitsfelder der Bremer Versandwerk GmbH (BVW). Ein Drittel der Aktivitäten macht das eigene Handelsgeschäft aus. Dabei werden unterschiedlichste Medien, zum Beispiel CDs, Blu-Rays, Schallplatten, Konsolenspiele, Bücher und DVDs stationär und über das Internet vertrieben.

Aus dem Sortiment von über 250 Lieferanten hat BVW Zugriff auf mehr als 400.000 Artikel, von denen über 30.000 sofort ab Lager lieferbar sind. Als Handelspartner – unter anderem von Weltbild und bücher.de – kümmert sich das Bremer Unternehmen im Namen des Kunden um alle logistischen Prozesse und versendet die Artikel.

Tchibo Cafissimo

Als Handels- und Agenturpartner kümmert sich BVW für Cafissimo, eine Untermarke von Tchibo, um den Verkauf aller Produkte auf allen wesentlichen Onlinemarktplätzen wie Amazon, Ebay, Kaufland, Metro, Media Markt und Saturn. „Dort verkaufen wir Kaffeemaschinen und Zubehör, aber auch Kaffeebohnen, Milchaufschäumer und verwandte Produkte“, erklärt der Geschäftsführer. „Wir bestellen diese Ware bei Tchibo, lagern sie bei uns ein und verkaufen sie offiziell unter dem Etikett ‘Bremer Versandwerk – Partner von Tchibo’. Hier liegt der Schwerpunkt auf der Logistik, mit der wir auch unser Geld verdienen. Wir fungieren gewissermaßen als eine Onlinefiliale von Tchibo.“

Fulfillment-Leistungen

Das dritte Geschäftsfeld machen Fulfillment-Leistungen für verschiedene Kunden aus. „Bei diesem Modell betreiben die Kunden eigene Shops oder verkaufen über Marktplätze und wir sind einfach deren Logistikpartner“, so Frank Haberkorn. „Die Kunden sagen uns, welche Produkte sie brauchen und verkaufen wollen und wieviel von jedem Produkt wir auf Lager haben sollen. Wir haben eine Schnittstelle zu diesen Kunden, bekommen die Aufträge in unser System gespielt und übernehmen den Versand eines oder mehrerer Artikel an den Endkunden. Bei uns erfolgt dann auch die Übergabe an den jeweiligen Paketdienst, zum Beispiel DHL oder UPS.“ Dabei macht das B2C-Geschäft rund 90% aller Aufträge aus und BVW wird für die Logistik-Dienstleistung bezahlt. Pro Tag verschickt das Unternehmen im Schnitt mehrere Tausend Pakete, zu Spitzenzeiten auch deutlich mehr als 10.000.

Von stationär zu online

Als stationärer Laden für Medien wie Schallplatten und Audiokassetten gründete Familie Preusse die Vorläuferfirma von BVW in den 1970er-Jahren. Daraus entwickelte sich später ein Großhandel für Medien, der Einzelhandelsgeschäfte belieferte. 2008 wurde im Rahmen eines Management-Buy-Out einer insolventen Vorgängerfirma die heutige Bremer Versandwerk GmbH gegründet und damit der Einstieg in den Onlinehandel und die Onlinelogistik vollzogen. Gesellschafter des Unternehmens mit heute 50 Beschäftigten sind die Familien Preusse und Waldburger. Aktuell unterhält BVW drei Standorte mit einer Gesamtfläche von 14.000 m2 im Bremer Stadtteil Mahndorf. Obwohl die Dienstleistungen grundsätzlich weltweit angeboten werden, liegt der Schwerpunkt neben Deutschland auf europäischen Ländern wie Großbritannien und Schweiz.

Papier als Füllmaterial

„Da, wo es für uns möglich ist, setzen wir auf Automatisierung“, verdeutlicht Frank Haberkorn. „Als kleinerer Player am Markt haben wir aber auch viele händische Prozesse. Genau das macht aber auch unsere Flexibilität aus, die größere Anbieter nicht leisten können.“ Digital werden die für den Versand erforderlichen Daten bearbeitet, die zum Teil über elektronische Schnittstellen der Kunden eingespielt werden. Neben der Digitalisierung hat BVW natürlich auch ökologische Belange im Blick. „Wir haben schon sehr früh von Plastik auf Papier als Füllmaterial umgestellt“, sagt der Geschäftsführer. „Um die Transportkapazitäten der Paket-Dienstleister möglichst effektiv zu nutzen, empfehlen wir unseren Kunden auch die Beschränkung auf die Firmen, mit denen wir bereits erfolgreich zusammenarbeiten.“

Medienmarkt schrumpft

Die Atmosphäre innerhalb des Unternehmens wird durch flache Hierarchien und einen offenen Umgang miteinander geprägt. Frank Haberkorn: „Wir pflegen bei uns eine Duz-Kultur und kommunizieren sehr auf Augenhöhe.“ Für die kommenden Jahre sieht der Geschäftsführer eine weitere Abnahme physischer Medien zugunsten von Streamingangeboten: „Der Medienmarkt wird schrumpfen und wir werden neue Kunden für unsere Logistik-Dienstleistungen gewinnen müssen, um damit die Rückgänge im schrumpfendem Medienmarkt ausgleichen zu können.“

Bremer Versandwerk GmbH
Zum Panrepel 17
28307 Bremen
Deutschland
+49 421 517070
+49 421 51707450
info(at)bremerversandwerk.de
www.bremerversandwerk.de

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