Die Kümmerer

Interview mit Tim Schmidt, Chief Customer Officer Europ Assistance Services GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schmidt, wie der Name impliziert, bietet Europ Assistance Assistance-Leistungen an. Der aus dem Französischen stammende Begriff ‘Assistance’ ist vielen unbekannt. Was bedeutet er?

Tim Schmidt: Assistance bedeutet Unterstützung – sofort, weltweit und rund um die Uhr. Um das garantieren zu können, nutzen wir ein globales Partnernetzwerk. Assistance-Leistungen sind Mehrwertleistungen, die Versicherungsnehmern in einer Notlage oder einem Schadenfall schnell und unkompliziert zur Verfügung gestellt werden. Als Erfinder des Assistance-Konzepts haben wir die Erfahrung gemacht, dass, wenn die erste Hemmschwelle überwunden ist, Assistance-Produkte regelmäßig frequentiert werden und zu langen Kundenbeziehungen führen.

Wirtschaftsforum: Welche Dienstleistungen bietet Europ Assistance an und wie kam es dazu?

Tim Schmidt: Das Unternehmen hat seinen Ursprung in Frankreich und ist in den 1960er-Jahren mit dem Anspruch groß geworden, Kunden in schwierigen, herausfordernden Situationen zur Seite zu stehen. Der Gründer hatte damals die Idee, Pannen- und Abschlepphilfe aus einer Hand anzubieten. Daraus entwickelten sich weitere Ideen und Prozesse entsprechend des Leitgedankens ‚You live, we care‘, der sich durch alle Prozesse und das tägliche Doing jeder Mitarbeiterin und jedes Mitarbeiters zieht.

Wirtschaftsforum: Um welche großen Themen geht es bei den Assistance-Leistungen?

Tim Schmidt: Wir beschäftigen uns zum Beispiel mit dem großen Thema Mobilität, mit der Reiseversicherungswirtschaft, dem "Home & Connected Living", der Gesundheitsassistance und Pflege-Dienstleistungen und Cybersicherheit. Mobilität war schon immer ein zentrales Thema. Kunden müssen heute kostenbewusst agieren, suchen nach nachhaltigen Mobilitätslösungen. Als Serviceanbieter haben wir die Verantwortung, diesen Prozess zu begleiten. Wir haben vor Kurzem das ‘Mobilitätsbarometer’ veröffentlicht, das sich mit den Mobilitätsgewohnheiten der Europäer beschäftigt, um auf Trends zu reagieren. Im Vergleich zu anderen Ländern gehen die Deutschen zum Beispiel mehr zu Fuß und nutzen häufiger öffentliche Verkehrsmittel und Fahrräder. Gerade junge Europäer bevorzugen sanfte Mobilitätsformen, 40% können sich eine Zukunft ohne Auto vorstellen. Wenig verwunderlich ist, dass der hohe Anschaffungspreis die entscheidende Hürde für den Kauf eines Elektroautos darstellt. Im Bereich Reiseversicherungswirtschaft beschäftigen wir uns mit Reiserücktritten oder Auslandskrankenversicherungen, Themen, die nach der Pandemie zur Selbstverständlichkeit geworden sind. Im Segment "Home & Connected Living" spielen Unterstützungsleistungen in den eigenen vier Wänden eine zentrale Rolle; wir stellen bei Bedarf Handwerker zu Verfügung, es geht um Prävention und Nachsorge, um Unterstützung nach Krankenhausaufenthalten und Cyberkriminalität. Gesundheitsassistance und Pflegedienstleistungen beziehungsweise Senior Care bedeuten, dass wir über MitarbeiterInnen und qualitätsgesicherte Netzwerke Unterstützungsleistungen zuhause zur Verfügung stellen, um die Gesundheitsversorgung sicherzustellen und Lücken zu schließen.

Wirtschaftsforum: Wie sieht die Organisation hinter diesen Assistance-Leistungen aus?

Tim Schmidt: Wir sind in mehr als 30 Ländern präsent, an den drei Standorten in Deutschland sind 380 Mitarbeiter tätig. In den letzten fünf Jahren konnten wir den Umsatz mehr als verdoppeln. Da die Nachfrage weiterhin auf einem hohen Niveau ist, trotz volatiler Zeiten, verfolgen wir auch künftig in allen Bereichen eine Wachstumsstrategie. Da wir in allen Zielmärkten gravierenden Transformationen ausgesetzt sind, müssen wir dafür Veränderungskompetenz und Fehlerbereitschaft mitbringen und bereit sein, über den Tellerrand zu schauen.

Wirtschaftsforum: Was ist für Sie persönlich der Motor Ihrer Arbeit?

Tim Schmidt: Mich treibt der internationale Claim des Unternehmens, der auch für Deutschland gilt, ‘to be the most reliable care company in the world’ an. Unternehmenserfolg ist immer dann langfristig, wenn man es schafft, nachhaltig Vertrauen und Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Wir wollen bei jeder Kundenanfrage ein positives Aha-Erlebnis schaffen und nicht das Gefühl vermitteln, eine laufende Nummer zu sein. In der Assistance-Branche werden unterschiedliche Kulturen, Persönlichkeiten und Hintergründe zusammengeführt, um daraus wertstiftende Ökosysteme zu machen. Wir haben den Anspruch, Menschen in Notsituationen Produkte zur Verfügung zu stellen, sie zu unterstützen und uns zu kümmern. Damit kann ich einen wichtigen Beitrag in der Gesellschaft leisten.

Europ Assistance Services GmbH
Adenauerring 9
81737 München
Deutschland
+49 89 559870
info(at)europ-assistance.de
www.europ-assistance.de

Interview:

Manfred Brinkmann
und Dr. Endre Hagenthurn

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