„Unser Mittelstand ist im internationalen Wettbewerb gut aufgestellt“

BVMW-Präsident Ohoven übt Kritik am Weltwirtschaftsforum

 

Wirtschaftsforum: Herr Ohoven, welche Erwartungen und Botschaften haben Sie an das WEF?

Mario Ohoven: Das Weltwirtschaftsforum bietet eine exzellente Plattform für den Diskurs weltweit wichtiger Entscheider aus Politik und Wirtschaft. Bedauerlich ist es, dass der Mittelstand dort praktisch nicht stattfindet. Denn die, die sich dort über zukunftsentscheidende Themen wie die Digitalisierung unterhalten, haben damit keine Probleme und diejenigen, die dazu Unterstützung benötigen, sind nicht eingeladen. Thematisch sollte das Forum eine grundlegende Diskussion über Handelspolitik, Klimapolitik, Digitalisierung sowie Entschärfungsstrategien für geopolitische Konflikte führen. Der Mittelstand benötigt für Investitionen klare und verlässliche Rahmenbedingungen. Die Einengung auf eine mögliche Neuausrichtung der USA greift unseres Erachtens zu kurz.

Wirtschaftsforum: Schaut eigentlich der deutsche Mittelstand auch nach Davos ‒ immerhin stehen dort auch Fragen nach mehr Wirtschaftswachstum, internationalen Kooperationen und Digitalisierung zur Debatte.

Mario Ohoven: Wir beobachten die Diskussionen in Davos sehr genau. Die angesprochenen Themen sind insbesondere für den exportorientierten deutschen Mittelstand von sehr großer Bedeutung. Gerade die weltweite Zunahme protektionistischer Bestrebungen sehen wir mit Sorge. Wachstum und Wohlstand in Deutschland kommen nicht von ungefähr. Sie sind das Ergebnis des hohen Ansehens von Produkten Made in Germany. Wir wenden uns daher ganz klar gegen Handelsbeschränkungen und befürworten einen fairen Zugang zu den Märkten.

Wirtschaftsforum: Müssen die Mittelständler noch stärker als bislang den internationalen Entwicklungen Rechnung tragen, um erfolgreich zu sein?

Mario Ohoven: Unser Mittelstand ist im internationalen Wettbewerb gut aufgestellt. Ein Beleg dafür ist der hohe Anteil an den Hidden Champions. Rund die Hälfte der 2.700 Weltmarktführer sind deutsche Mittelständler. Dennoch haben wir insbesondere im Bereich der Digitalisierung von Geschäftsprozessen im internationalen Vergleich erheblichen Nachholbedarf. Wichtig ist, dass die hohe Wettbewerbsfähigkeit des Mittelstandes durch mutige Entscheidungen der Politik flankiert wird: Dazu gehören vor allem ein freundliches Gründerklima mit einem radikalen Bürokratieverzicht in den ersten drei Jahren, eine steuerliche Forschungs- und Entwicklungsförderung wie in 28 von 34 OECD-Staaten, ein Wagniskapitalgesetz und der Verzicht auf die Erbschaftsteuer. All das erhöht auch die Anziehungskraft für ausländische Investoren.

 

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

„China-Speed“ beim Laserschweißen

Interview mit Richard Steinbrecht, Geschäftsführer der iQLASE GmbH

„China-Speed“ beim Laserschweißen

Aus Lessmüller und Blackbird, zwei etablierten Laserschweißunternehmen, wurde kürzlich iQLASE: eine Fusion, von der sich Geschäftsführer Richard Steinbrecht nicht nur eine stärkere Marktposition durch klare Synergieeffekte, sondern auch zusätzliche Innovationskraft…

Vom Werbemittelhändler zur ­Corporate-Fashion-Plattform

Interview mit Christof Kunze, Geschäftsführer der Gustav Daiber GmbH

Vom Werbemittelhändler zur ­Corporate-Fashion-Plattform

Mit kaum einem anderen Produkt können Mitarbeiter ihre Identifizierung mit ihrem Unternehmen so sichtbar und nachhaltig zeigen wie mit gebrandeten Workwear- und Corporate-Fashion-Outfits: Hierfür hält die Gustav Daiber GmbH seit…

Wenn Fortschritt Patienten erreicht

Interview mit Dr. Joern Woll, Geschäftsführer der Mundipharma GmbH

Wenn Fortschritt Patienten erreicht

Die Pharmaindustrie bewegt sich in einem Spannungsfeld aus medizinischem Fortschritt, regulatorischem Druck und steigenden Anforderungen an den Patientenzugang. Die Mundipharma GmbH hat darauf mit einer klaren Fokussierung ihres Portfolios reagiert:…

Spannendes aus der Region

Wenn Fortschritt Patienten erreicht

Interview mit Dr. Joern Woll, Geschäftsführer der Mundipharma GmbH

Wenn Fortschritt Patienten erreicht

Die Pharmaindustrie bewegt sich in einem Spannungsfeld aus medizinischem Fortschritt, regulatorischem Druck und steigenden Anforderungen an den Patientenzugang. Die Mundipharma GmbH hat darauf mit einer klaren Fokussierung ihres Portfolios reagiert:…

Textile Verlässlichkeit, die ­Generationen verbindet

Interview mit Jochen Geiger, Geschäftsführer der Geiger Textil GmbH

Textile Verlässlichkeit, die ­Generationen verbindet

Steigende Qualitätsanforderungen, Fachkräftemangel und der Ruf nach mehr Nachhaltigkeit verändern die textile Dienstleistungsbranche. Gerade Unternehmen aus Industrie und Gesundheitswesen benötigen Partner, auf die sie sich jederzeit verlassen können. Die Geiger…

Vom Werbemittelhändler zur ­Corporate-Fashion-Plattform

Interview mit Christof Kunze, Geschäftsführer der Gustav Daiber GmbH

Vom Werbemittelhändler zur ­Corporate-Fashion-Plattform

Mit kaum einem anderen Produkt können Mitarbeiter ihre Identifizierung mit ihrem Unternehmen so sichtbar und nachhaltig zeigen wie mit gebrandeten Workwear- und Corporate-Fashion-Outfits: Hierfür hält die Gustav Daiber GmbH seit…

Das könnte Sie auch interessieren

Wenn Kollaboration zum Wettbewerbsvorteil wird

Interview mit Christopher Neuwirth, Geschäftsführer der Meondi GmbH

Wenn Kollaboration zum Wettbewerbsvorteil wird

Der Mittelstand muss schneller innovieren und Digitalisierung konsequent nutzen. Die Meondi GmbH aus Stuttgart unterstützt vor allem Maschinenbauunternehmen dabei, Strategie zügig in messbare Umsetzung zu bringen – durch eine klare…

Einfacher arbeiten. Besser entscheiden. Wie KI den Mittelstand stärkt.

Interview mit Alexander Kintzi, CRO der Scopevisio AG

Einfacher arbeiten. Besser entscheiden. Wie KI den Mittelstand stärkt.

Die Anforderungen an den Mittelstand wachsen und genau darin liegt die Chance: Wer die richtigen Werkzeuge wie KI einsetzt, verwandelt Fachkräftemangel, regulatorische Anforderungen und steigende Prozesskomplexität in einen echten Wettbewerbsvorteil.…

Aus Müll wird Mehrwert

Interview mit Dr. Christoph Franzke, Geschäftsführer der ALBA Berlin GmbH

Aus Müll wird Mehrwert

Wer heute nicht trennt, wird morgen abgehängt. Recycling ist entscheidend für eine gelingende Kreislaufwirtschaft – denn hier entsteht der Rohstoff der Zukunft. ALBA, 1968 in Berlin gegründet, zählt heute zu…

TOP