Sicherheit made in Germany

Interview mit Dr. Timo Stock, Geschäftsführer der Telenot Electronic GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Stock, Telenot ist Inbegriff für zuverlässige, technisch ausgereifte Sicherheitslösungen für unterschiedliche Anwendungen. Wie kam es dazu?

Timo Stock: Telenot, eine Abkürzung für telefonischer Notruf, wurde 1968 gegründet und ist über die Jahre organisch gewachsen. Anfangs setzte das Unternehmen auf zwei Standbeine: die Entwicklung und Fertigung von Übertragungsgeräten und die Lohnfertigung. Als sich das Unternehmen im Bereich der Übertragungsgeräte erfolgreich auf dem Markt positioniert hatte, gab man die Lohnfertigung auf. Mit Peter und Klaus Wunderle, den Söhnen des Gründers, waren zwei Unternehmer mit Weitblick an der Spitze des Unternehmens, die dessen Entwicklung maßgeblich nach vorne gebracht haben. Sie legten den Fokus auf Einbruchmeldetechnik, machten Telenot in diesem Segment groß, um dann nach und nach weitere Standbeine aufzubauen. Seit zehn Jahren vertreibt Telenot zudem professionelle Brandmeldetechnik, seit fünf Jahren Lösungen für Zutrittskontrollsysteme.

Wirtschaftsforum: Sie sind seit zwei Jahren in der Geschäftsleitung der Telenot. Wie sehen Sie Ihre Aufgabe?

Timo Stock: Heute zeichnet mit Anja Wunderle, der Tochter von Klaus Wunderle, die 3. Generation der Familie für das Unternehmen verantwortlich. Gemeinsam mit ihr leite ich das operative Geschäft; Klaus und Peter Wunderle unterstützen uns weiterhin bei strategischen Entscheidungen.

Wirtschaftsforum: Damit steht ein Generationenwechsel an?

Timo Stock: Ja, momentan gestalten wir diesen Prozess. Bisher war die Firma eher hierarchisch aufgestellt. Wir verfolgen einen anderen Ansatz, einen kooperativen Führungsstil, bei dem Entscheidungen im Führungskreis getroffen werden, dem neben Anja Wunderle und mir sechs Bereichsleiter angehören. In einer zunehmend komplexen Welt wird es immer wichtiger, verschiedene Perspektiven einzunehmen. Deshalb haben wir zum Beispiel ein Führungsentwicklungsprogramm etabliert; jede Führungskraft, unabhängig von ihrer Position, durchläuft dasselbe Programm. Zweimal im Jahr werden wir zwei Tage außer Haus von einem externen Trainer geschult. Mangelnde Führung und Wertschätzung ist der Hauptgrund für unzufriedene Mitarbeiter. Dem wirken wir aktiv entgegen.

Wirtschaftsforum: Wie groß ist Telenot heute?

Timo Stock: Wir beschäftigen knapp 500 Mitarbeiter und setzen um die 80 Millionen EUR um.

Wirtschaftsforum: Telenots Motto lautet „Sicherheit mit Brief und Siegel“. Wie ist das zu verstehen?

Timo Stock: Unser Produktangebot basiert auf den drei Säulen Einbruchmeldetechnik/Übertragungstechnik, Brandmeldetechnik und Zutrittskontrolle. Nahezu alle Produkte werden in Deutschland entwickelt und produziert. Es gibt eine Hotline, die mit Technikern besetzt ist, die Kunden bei Problemen kompetent und unkompliziert weiterhelfen. Kunden schätzen diese lokale Note. Unsere Fertigungstiefe liegt bei 92%, was für ein deutsches Unternehmen ungewöhnlich ist und was sich gerade in der Pandemie als Stärke erwiesen hat.

Wirtschaftsforum: Die hohe Fertigungstiefe und damit Quality made in Germany ist ein Schlüssel zum Erfolg. Gibt es weitere?

Timo Stock: Zertifikate sind in unserer Branche sehr wichtig, insbesondere das VdS-Zertifikat, das von Versicherungen verlangt wird. Auch die Tatsache, dass wir als Systemanbieter Gesamtsicherheitskonzepte anbieten, hebt uns vom Markt ab. Wir arbeiten mit einem eigenen Messlabor, um Anlagen zu testen. Dank dieser hohen Ansprüche an Qualität und Zuverlässigkeit liefern wir Produkte, die 24/7 funktionieren; Fehlalarme gibt es nicht. Auch unsere Hotline funktioniert einfach. In den meisten Fällen ist auf Anhieb ein Fachberater am Telefon, der weiterhelfen kann. Tugenden wie Verlässlichkeit und Zuverlässigkeit spiegeln sich in sämtlichen Bereichen wider und liegen in unserer DNA.

Wirtschaftsforum: Traditionelle Tugenden auf der einen Seite, innovative Technik auf der anderen. Welche Rolle spielt die Digitalisierung?

Timo Stock: Sie hat unsere Technik verändert. Ein wichtiges Thema ist zum Beispiel die Interoperabilität der Systeme. Als Systemanbieter können wir unsere Anlagen miteinander vernetzen und Synergien schaffen; mit einer einzigen Karte kann man zum Beispiel Zugang zu einem Bereich bekommen und gleichzeitig eine Anlage scharf oder unscharf stellen. Ein spannendes neues Produkt ist der hiXserver, der die Möglichkeiten bietet, aus der Ferne eine sichere Verbindung zu der Anlage zu schaffen. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit diesen Produkten gut für kommende Herausforderungen aufgestellt sind.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

Wenn Gerüche zum Standortfaktor werden

Interview mit Michael Luccisano, Geschäftsführer der Biothys GmbH

Wenn Gerüche zum Standortfaktor werden

Gerüche sind selten plakativ – aber immer präsent. In Industrieparks, Kläranlagen, auf Deponien oder Asphaltwerken entscheiden sie oft über Akzeptanz, Genehmigungen und Investitionsentscheidungen. Die Biothys GmbH aus Willstätt hat genau…

Eine globale Vision für Lebensmittelverpackungen

Interview mit Alex Noake, Managing Director der Sabert Corporation Europe SA

Eine globale Vision für Lebensmittelverpackungen

Der Food-and-Beverages-Markt steht vielfach im Zentrum der Aufmerksamkeit, wenn Verpackungsmaterialien im Hinblick auf ihre Nachhaltigkeitsbilanz weiter optimiert werden sollen. Der multinationale Sabert-Konzern hält hierfür spannende Lösungen bereit, die er gemeinsam…

„Der Solarindustrie gehört die Zukunft!“

Interview mit Philipp Schäfer, Geschäftsführer der fri GmbH & Co. KG und Clemens Östreich, Geschäftsführer der Sonnenexpert GmbH und fri GmbH & Co. KG

„Der Solarindustrie gehört die Zukunft!“

Der Strombedarf wird perspektivisch noch deutlich zunehmen, während der Netzausbau nicht so schnell vonstattengeht, wie man es sich wünschen würde. Trotzdem blicken Clemens Östreich, Geschäftsführer der Sonnenexpert GmbH und der…

Spannendes aus der Region Ostalbkreis

Vom Tüftlertraum zur Poolrevolution

Interview mit Dipl.-Ing. Torsten Reuß, Geschäftsführer der TOSSTEC GmbH

Vom Tüftlertraum zur Poolrevolution

Immer mehr Hausbesitzer wünschen sich einen Pool im eigenen Garten – aber bitte ohne Chlorgeruch, rote Augen und dauerhaft hohe Betriebskosten. Naturpools und Schwimmteiche sind hier eine attraktive Alternative. Die…

Modulbau statt Massivbau

Interview mit Stefan Stein, Geschäftsführer der Portakabin Mobilraum GmbH und der Portakabin Produktions GmbH

Modulbau statt Massivbau

Vom Baucontainer zum nachhaltigen Gebäude: Die Portakabin Mobilraum GmbH wandelt sich vom klassischen Vermieter temporärer Baulösungen zum innovativen Anbieter modularer Architektur. Mit 135 Mitarbeitern an sieben deutschen Standorten und einer…

Auf zu neuen Synergien

Interview mit Carlo Buck, Geschäftsführer der United Machining Germany GmbH

Auf zu neuen Synergien

In Schorndorf, rund 30 km östlich von Stuttgart, befindet sich der Sitz eines Unternehmens, das Tradition, Innovationskraft und partnerschaftliches Denken erfolgreich miteinander verbindet: die United Machining Germany GmbH. Seit über…

Das könnte Sie auch interessieren

Zukunftsfähige Elektronik – mit Verantwortung gefertigt

Interview mit Emil Kurowski, Geschäftsführer der TOP. Thomas Preuhs GmbH

Zukunftsfähige Elektronik – mit Verantwortung gefertigt

Regionale Nähe, gelebte Nachhaltigkeit und technische Präzision – auf diesen drei Säulen hat sich die TOP. Thomas Preuhs GmbH in den vergangenen 30 Jahren vom kleinen Dienstleister zum flexiblen Full…

Elektrisch. Engagiert. Endenburg.

Interview mit Rik Kant, Geschäftsführer der Endenburg Elektrotechniek B.V.

Elektrisch. Engagiert. Endenburg.

Vom Lampengeschäft zum Elektrotechnik-Spezialisten: Die Geschichte der Endenburg Elektrotechniek B.V. reicht fast 100 Jahre zurück. Im Gespräch mit Wirtschaftsforum gibt Geschäftsführer Rik Kant Einblicke in die Unternehmensstruktur, das besondere Führungsmodell…

Ein Zwilling sorgt für  Perfektion

Interview mit Ingo Straub, Geschäftsführer und Inhaber der INGELA Ingenieurgesellschaft für elektronische Ausrüstung mbH

Ein Zwilling sorgt für Perfektion

Ob Gebäude, Produktionsstätten oder komplexe Anlagen – ohne elektrotechnische Ausrüstung funktioniert keine moderne Infrastruktur. Mit dieser Kompetenz hat sich die INGELA Ingenieurgesellschaft für elektrotechnische Ausrüstung mbH aus Bisingen einen Namen…

TOP