„Schafft die Luftverkehrsteuer ab, halbiert die Flugsicherungsgebühren!“

Interview mit Marcel Pouchain Meyer, Head of Marketing & Communications DACH von Ryanair

Wirtschaftsforum: Herr Pouchain Meyer, Ryanair eilt von Rekord zu Rekord, doch für Deutschland finden Sie deutliche Worte. Wie ist die Lage wirklich?

Marcel Pouchain Meyer: Die Lage ist eindeutig: Der deutsche Luftverkehrsmarkt ist kaputt. Während wir europaweit in den nächsten Jahren auf 300 Millionen Passagiere zusteuern, hinkt Deutschland hinterher. Wachstum geschieht überall außer in Deutschland. Wir haben gerade erst Kapazitäten gekürzt, weil dieser Standort schlicht unkompetitiv geworden ist und wachsen nur vereinzelt.

Wirtschaftsforum: Die Politik feiert die Senkung der Luftverkehrsteuer. Ist das kein positives Signal für Sie?

Marcel Pouchain Meyer: Das ist bei weitem nicht genug. Die Steuer sinkt von rund 15 EUR auf 12 EUR – das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein. Deutschland bleibt damit auf dem 2. Platz der teuersten Länder in Europa. Solange diese schädliche Steuer nicht komplett abgeschafft wird, bleibt der Standort absolut unattraktiv.

Wirtschaftsforum: Sie drohen damit, Flugzeuge aus Deutschland abzuziehen. Ist das nicht etwas drastisch?

Marcel Pouchain Meyer: Es ist einfache Mathematik. Wir bekommen hunderte neue Maschinen und stationieren sie dort, wo die Kosten am niedrigsten sind. In Schweden ist die Steuer null, in Deutschland zahlen wir über 12 EUR. Da wären wir ja auf gut Deutsch bekloppt, das Flugzeug nach Deutschland zu bringen, wenn die Zahlen das nicht zulassen. Wir sind extrem pragmatisch: Wer uns kein angemessenes Angebot macht, verliert uns als Kunden.

Wirtschaftsforum: Besonders an Regionalflughäfen wie Münster-Osnabrück (FMO) oder Paderborn zeigen Sie Präsenz. Warum dort und nicht in den großen Hubs?

Marcel Pouchain Meyer: Wir sind Fans von Regionalflughäfen, weil sie effektive Prozesse haben. Aber schauen Sie sich den Irrsinn an: Aufgrund der staatlichen Gebühren ist ein Provinzflughafen in Deutschland heute oft so teuer wie Madrid. Das ist absolut banal. Große Flughäfen wie Berlin oder Hamburg zeigen sich zudem leider oft gar nicht gesprächsbereit, was die eigenen Kosten angeht. Frankfurt meiden wir momentan leider komplett – die Kosten, dort nur durch ein Terminal zu laufen, sind einfach hoch.

Wirtschaftsforum: Ein Wort zum Thema Nachhaltigkeit. Viele sehen die Luftfahrt als Klimasünder. Was entgegnen Sie?

Marcel Pouchain Meyer: Wir sind eine Low-Cost-Airline. Aber wir investieren Milliarden in neue Boeing-Maschinen, die weniger Lärm und weniger Emissionen verursachen. Unser Ansatz ist effizient: Kein Geld ausgeben, eher schauen, wie man einsparen kann. Durch unsere extrem hohe Auslastung von 94% ist unser ökologischer Fußabdruck pro Kopf ohnehin viel geringer als bei den staatlich subventionierten Flag-Carriern.

Wirtschaftsforum: Was ist Ihre abschließende Botschaft an die Bundesregierung?

Marcel Pouchain Meyer: Schaffen Sie bessere Rahmenbedingungen, sodass Airlines wieder in Deutschland investieren. Wir haben einen Wachstumsplan in der Schublade: Schafft die Luftverkehrsteuer ab, halbiert die Flugsicherungsgebühren, und wir verdoppeln unsere Flotte und Passagierzahlen in Deutschland. Es liegt an der Politik, ob sie unseren chronisch kranken Standort wiederbelebt oder nicht.

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