Führungslücke im Mittelstand: Was jetzt zählt

Interview mit Sebastian Reckers, Geschäftsführer der Reckers & Griesbach GmbH

Nachfolgeprozesse sind selten planbare Routine. Sie sind der Moment, in dem sich entscheidet, ob ein Unternehmen seine Stärke in die Zukunft tragen kann. Für Sebastian Reckers, Managing Director von Reckers & Griesbach, liegt der Kern in der Klarheit über Strukturen und Rollen: „Wir können keine Nachfolge begleiten, wenn nicht zuvor die Architektur des Unternehmens steht.“ Viele Mandate erreichten sein Team erst, nachdem bereits erfolglose Besetzungen stattgefunden hatten.
 

Das unterschätzte Risiko

Der demografische Druck ist enorm. In vielen mittelständischen Unternehmen steht nun jene Gründergeneration vor dem Ausstieg, die ihre Firmen jahrzehntelang geprägt hat. Doch während operative Abläufe modernisiert werden, bleibt die Führungsfrage oft unangetastet. Sebastian Reckers beobachtet: „Viele wissen, dass sie sich mit der Nachfolge befassen müssen – und schieben es trotzdem auf.“ 

Warum Nachfolgen scheitern

Der größte Stolperstein ist menschlich. „Loslassen fällt schwer“, sagt Sebastian Reckers. „Und wenn der Gründer im Alltag präsent bleibt, scheitert die neue Führung oft nach kurzer Zeit.“ Häufig würden externe Geschäftsführer nach einem halben Jahr wieder gehen, weil Verantwortlichkeiten unklar blieben. Hinzu kommt die unrealistische Erwartung, ein neuer Geschäftsführer müsse alle Eigenschaften des Gründers besitzen. 

Wie die Planung gelingt

Nachfolge beginnt lange vor der eigentlichen Besetzung. Reckers & Griesbach arbeitet deshalb mit einem strukturierten Werkzeugkoffer: Executive Search, Interim Management und Leadership Assessments. Letztere helfen zu prüfen, ob geeignete Nachfolger bereits im Unternehmen arbeiten – ein Aspekt, der oft übersehen wird. Gleichzeitig setzt das Team auf Klarheit: Welche Rolle übernimmt der Gründer künftig? Wie soll das Unternehmen organisiert sein? Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, beginnt die Suche – bewusst nicht aus der Datenbank, sondern „mit einem weißen Blatt Papier“, wie Sebastian Reckers betont.

Der Blick nach vorn

Trotz vieler Herausforderungen blickt Sebastian Reckers optimistisch in die Zukunft. Die starke Marktdynamik spiele spezialisierten Beratungen eher in die Karten. „Wir sind das Schnellboot“, sagt er – agil genug, um sich rasch an neue Marktbedingungen anzupassen. KI-gestützte Prozesse verschlanken interne Abläufe, während der Kern menschlich bleibt: das Verstehen von Unternehmenskulturen, Motiven und Ängsten. Für Sebastian Reckers ist klar: „Nachfolge ist kein Ereignis. Es ist ein Prozess.“ 

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