Reibungslos bei extremen Einsätzen – Schmierung mit Präzision
Interview mit Patrick Meyer, Geschäftsführer der Meyerlub s.r.l.

„Schon mein Vater hat sich in den 1970er-Jahren mit Spezialschmierstoffen beschäftigt – das Thema begleitet unsere Familie also seit Jahrzehnten“, erklärt Geschäftsführer Patrick Meyer. Zunächst war die Familie in einem Joint Venture aktiv, 1999 folgte die Gründung einer neuen Gesellschaft gemeinsam mit dem damaligen Inhaber der Marke ANDEROL. „Das war ein wichtiger Schritt in Richtung Eigenständigkeit.“ Im Jahr 2016 übernahmen Patrick Meyer und sein Bruder das Unternehmen vollständig und firmieren seither unter dem Namen Meyerlub s.r.l. Vom Firmensitz im norditalienischen Vittuone – nur 15 km westlich von Mailand – steuert das Unternehmen seine Aktivitäten. Dort betreibt Meyerlub ein 4.000 m2 großes Lager mit angeschlossenen Büroflächen. Rund 75% des Umsatzes werden in Italien generiert, der Rest entfällt auf den Export in über 50 Länder. „Besonders stolz sind wir auf unsere starke Präsenz in Norwegen, Kanada und dem Nahen Osten“, betont Patrick Meyer. Einen maßgeblichen Anteil am internationalen Erfolg hat ein spezielles Schmierfett für Hydraulikhämmer, das unter extremsten Bedingungen – etwa in Steinbrüchen oder Minen – zum Einsatz kommt. „Dieses Produkt war für uns ein Türöffner. Es hat unsere Marke in vielen Märkten erst bekannt gemacht.“ Durch eine exklusive Vertriebspartnerschaft mit einem weltweit bekannten Hersteller konnte Meyerlub direkt in dessen globales Vertriebsnetzwerk einsteigen. Parallel wurde ein eigenes Markenprodukt entwickelt. „Inzwischen vertreiben wir beide Varianten erfolgreich – je nach Zielmarkt und Kundenbedarf.“
Drei Zielmärkte, ein klarer Fokus
Das Produktportfolio von Meyerlub orientiert sich an drei Hauptbranchen: Industrie, Bau und Landwirtschaft. Im Industriesegment liegt der Schwerpunkt auf hochwertigen Kompressorenölen. „Unsere Kunden schätzen vor allem die lange Standzeit und die Zuverlässigkeit unserer Produkte – in manchen Fällen sparen sie sich dadurch einen kompletten Wartungszyklus“, so Patrick Meyer. Im Baubereich dominiert das Hydraulikhammerfett, das heute zu den wichtigsten Umsatzträgern gehört. In der Landwirtschaft sieht Meyerlub dagegen noch erhebliches Wachstumspotenzial. „Die Technik in modernen Landmaschinen wird immer komplexer – damit steigen auch die Anforderungen an die Schmierstoffe“, erklärt Patrick Meyer. Um diesen Markt gezielt zu erschließen, baut Meyerlub derzeit eine eigene Vertriebsstruktur auf. Erste Regionen in Norditalien werden bereits direkt betreut. „Wir setzen dabei auf persönliche Beratung und schnelle Lieferung – das ist in der Landwirtschaft entscheidend.“ Geliefert wird per eigenem Lieferfahrzeug direkt zum Kunden. Ergänzt wird das Angebot durch rund 30 technische Sprays, die in Standardkartons mit 12 oder 20 Stück verfügbar sind. „Das klingt simpel, ist aber ein unterschätzter Erfolgsfaktor – wir bieten Qualität, die sofort verfügbar ist.“ Insgesamt hält Meyerlub rund 300 t Fertigware auf Lager.
International präsent – lokal verankert
Mit zwölf festen Mitarbeitern, drei Consultants und etwa 40 Handelsvertretern – davon 37 in Italien – ist Meyerlub schlagkräftig aufgestellt. „Unsere Struktur ist kompakt, aber extrem effizient“, betont Patrick Meyer. Während der Vertrieb in Italien über ein feines Agentennetz erfolgt, setzt Meyerlub im Ausland gezielt auf Vertriebspartner. So können auch entlegene Märkte wie Norwegen oder Kanada zuverlässig bedient werden. „In Norwegen verzeichnen wir starkes Wachstum – vor allem durch Anwendungen in der Gesteinsbearbeitung“, erklärt Patrick Meyer. Auch in Kanada haben sich die Produkte von Meyerlub etabliert: „Dort beliefern wir inzwischen sogar Minen für die Lithiumförderung – ein Bereich mit enormem Zukunftspotenzial.“ Neben den Kernprodukten spielt auch der Bereich Lebensmittelschmierstoffe eine zunehmend wichtige Rolle. Über 100 NSF-zertifizierte Produkte befinden sich im Sortiment. „Diese Zertifikate sind aufwendig zu bekommen, aber sie schaffen Vertrauen – besonders bei internationalen Kunden“, so Patrick Meyer. Die Coronajahre hat das Unternehmen weitgehend unbeschadet überstanden. „Unsere Produkte waren systemrelevant – wir konnten durchgängig liefern.“ Stärker spürbar war dagegen die Finanzkrise 2008/2009. „Damals brach die Bauwirtschaft ein, wir verloren bis zu 35% Umsatz. Das hat uns gelehrt, wie wichtig Diversifikation ist.“
Wachstum mit Strategie und Anspruch
Heute setzt Meyerlub gezielt auf Messen und Veranstaltungen, um neue Kunden zu gewinnen. „Die Bauma in München war für uns ein voller Erfolg“, berichtet Patrick Meyer. Für 2026 ist eine Teilnahme an der CibusTec in Parma geplant – mit dem Ziel, den Lebensmittelsektor weiter auszubauen. Auch personell ist Wachstum vorgesehen: „Mittelfristig wollen wir in Italien 80 bis 100 Außendienstmitarbeiter beschäftigen – nur so können wir flächendeckend präsent sein.“ Gleichzeitig wird das Exportgeschäft strategisch weiterentwickelt – mit Fokus auf margenstarke Produkte und neue Zielmärkte. Patrick Meyer bringt es auf den Punkt: „Unser Ziel ist nicht Masse, sondern Qualität und Verlässlichkeit – dort, wo andere nicht mehr weiterkommen, beginnt unser Anspruch.“








