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Interview mit Georg Weiß, CEO von Quivo

Wirtschaftsforum: Herr Weiß, Sie sind CEO von Quivo, einem der größten Fulfillment-Partner in Europa. Quivo konzentrierte sich immer auf Logistikdienstleistungen, hieß aber nicht immer Quivo. Welche Geschichte steckt hinter Quivo?

Georg Weiß: Christoph Glatzl und ich haben das Unternehmen 2017 gegründet, nachdem wir viele Jahre in Managementpositionen in der Logistikindustrie gearbeitet hatten. Durch unsere Arbeit wussten wir, dass am Markt eine flexible, hoch technologisierte Lösung für Start-ups und Scale-Unternehmen fehlte; eine Lösung, mit der sie schnell und unkompliziert Zugang zum E-Commerce-Markt bekamen. 2017 haben wir Logsta in Österreich gegründet. Ziel war, der professionelle E-Commerce-Anbieter für genau diese Zielgruppe – Start-ups und schnell wachsende Unternehmen – zu werden.

Wirtschaftsforum: Kam das Konzept am Markt an?

Georg Weiß: Ja. Die Nachfrage war groß, sodass wir schnell auch international Fuß fassten, unter anderem in Deutschland, Frankreich und den USA. Um dem Wachstum gerecht zu werden, haben wir uns 2022 entschieden, mit der Ancla GmbH zusammenzugehen, einem mittelständischen Unternehmen, das nicht nur in der E-Commerce-Logistik, sondern auch im B2B-Bereich für viele große Kunden tätig war. Seitdem arbeiten beide Unternehmen unter dem Brand Quivo; die Logsta-Technologie wurde auf alle Standorte ausgeweitet.

Wirtschaftsforum: Die Portfolios beider Unternehmen haben sich perfekt ergänzt. Welchen Einfluss hatte dies auf die weitere Entwicklung?

Georg Weiß: Wir konnten unsere Technologie gezielt weiterentwickeln. Die Systeme der Kunden können nahtlos und in kurzer Zeit in unsere eigene IT integriert werden; das können Shopsysteme sein oder kontinuierlich an Bedeutung gewinnende große Plattformen wie Amazon, ebay oder Rakuten. Vor Kurzem haben wir einen TikTok-Shop integriert und sind damit einer der Ersten, die dies voll automatisiert abwickeln können. Nach dem Zusammenschluss zu Quivo fühlen wir uns hervorragend aufgestellt, um uns noch stärker auf dem internationalen Markt zu positionieren. Als E-Commerce-Fulfillment-Spezialist arbeiten wir schon heute für über 1.000 Kunden; bei den Produkten reicht das Spektrum von Food über Kosmetik, Supplements, Schmuck und Sportartikel bis hin zu Haustierzubehör.

Wirtschaftsforum: Wie ist Quivo heute aufgestellt?

Georg Weiß: Neben der deutschen Zentrale in Wetzlar sind wir mit Standorten in Österreich, wo sich das Headquarter befindet, in Frankreich und den USA präsent. Je nach Saison beschäftigen wir zwischen 300 und 400 Mitarbeiter, der Umsatz liegt bei rund 40 Millionen EUR.

Wirtschaftsforum: Gehen Sie davon aus, dass sich die dynamische Entwicklung fortsetzen wird?

Georg Weiß: Wir wollen weiter wachsen, wissen aber, dass die Voraussetzungen dafür in Europa momentan nicht gut sind. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, haben wir uns deshalb nach zukunftsträchtigen Märkten umgesehen und sind dabei auf die Golfregion und die GWC Group, das größte Logistikunternehmen in Katar, aufmerksam geworden, das heute eine Minderbeteiligung an Quivo hält. Es ist eine Win-win-Situation. Wir profitieren von GWCs weitreichendem Fulfillment-Netzwerk in Katar, Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrein und Oman; auf der anderen Seite integrieren wir unsere Software an den GWC-Standorten. Diese Flexibilität zeichnet Quivo aus.

Wirtschaftsforum: Hat sich Ihre Rolle mit dem internationalen Wachstum verändert?

Georg Weiß: Rückblickend kann ich sagen, dass wir anfangs sehr naiv waren; allerdings haben wir uns mit der Zeit und den Anforderungen mit- und weiterentwickelt. Wir mussten lernen, Verantwortung abzugeben und Mitarbeiter einzustellen, denen wir voll vertrauen. Heute kümmern wir uns um die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens und sind in das tägliche operative Geschäft nur noch wenig eingebunden. Es ist uns allerdings wichtig, den Bezug zur Realität nicht zu verlieren; deshalb stehen wir auch im Lager und packen Pakete wie jedes Jahr am Black Friday. Die Nähe zu den Mitarbeitern spielt eine große Rolle. Wir setzen bewusst auf flache Hierarchien, haben einen starken Teamspirit und verfolgen gemeinsame Ziele. Jeder soll wissen, wohin die Reise des Unternehmens geht.

Wirtschaftsforum: Durch die Partnerschaft mit der GWC-Group aus Katar ist die globale Zukunftsrichtung vorgegeben. Gibt es Pläne für die nächsten Jahre?

Georg Weiß: Ja, wir haben ambitionierte Pläne und sind erst am Anfang unserer Reise. Der Plan war immer, jedem Gründer und jedem E-Commerce-Shopbetreiber eine Logistiklösung anzubieten; wir wollen weiter wachsen, uns mit unseren Partnern weiterentwickeln und in neuen Märkten Fuß fassen. In Katar arbeitet bereits ein erstes Lager mit der Quivo-Software; ein weiteres ist in Saudi-Arabien geplant. In unseren Köpfen existieren natürlich schon weitere spannende Pläne.

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