Prozesse verstehen und digital optimieren

Interview mit Dr. Robert Rae, Geschäftsführer der PerFact Innovation GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Rae, Sie sind Gründer und Geschäftsführer von PerFact. Können Sie kurz erläutern, wie es zur Gründung kam? 

Dr. Robert Rae: PerFact startete 1998 als Ausgründung der Universität Bielefeld. Mein Kollege Dr. Ján Jockusch und ich haben damals im Bereich Neuroinformatik promoviert und das Unternehmen gemeinsam gegründet. Heute beschäftigen wir 70 Mitarbeitende, entwickeln Software und digitalisieren Unternehmen im Shopfloor Management. 

Wirtschaftsforum: Sie arbeiten in einer sehr dynamischen Branche. Wie hat sich das Aufgabenfeld im Laufe der Zeit verändert? 

Dr. Robert Rae: Anfangs ging es vor allem darum, mittelständische Unternehmen internetfähig zu machen. Wir haben uns mit Infrastrukturen, Servern und Firewall-Systemen beschäftigt und dabei erkannt, dass wir stärker in die Prozesse einsteigen müssen, um das

Arbeiten über das Internet weiterzuentwickeln. So sind wir zu einem ganzheitlichen Anbieter geworden, der auch die Prozesse in den Fokus nimmt.

Wirtschaftsforum: Was heißt das genau? 

Dr. Robert Rae: Wir haben zunächst Prozesse analysiert, die noch über E-Mail oder Fax liefen, und diese internetfähig gemacht. Dadurch sind wir früh in die Applikationsentwicklung eingestiegen. Dabei haben wir das Potenzial erkannt, das in den unterschiedlichen Prozessen auf dem Shopfloor steckt. Heute können wir ein ganzheitliches Manufacturing Operations Management anbieten, um den Shopfloor zu steuern und ihn in Ergänzung zum ERP-System mit der realen Welt zu verbinden. Wir optimieren die Lieferfähigkeit produzierender Unternehmen und beschäftigen uns etwa mit Losgrößenoptimierung und Reduzierung von Stillstandszeiten, um die Produktion bei maximaler Flexibilität bestmöglich auszulasten. 

Wirtschaftsforum: Sind das die entscheidenden Charakteristika Ihres Portfolios?

Dr. Robert Rae: Wir sind da, wo Menschen arbeiten, Maschinen rattern und Waren von A nach B transportiert werden. Ich sage gern: Wir sind die Augen, Ohren und Arme des ERP-Systems. Wir steuern beispielsweise das Lager und kommunizieren mit Maschinen, damit Material zur richtigen Zeit am richtigen Ort bereitsteht. Wir sorgen für eine zuverlässige Logistiksteuerung und schaffen Transparenz über die Prozesse. Wenn Maschinen gewartet werden müssen oder Produktionsstillstände geplant sind, stellen wir die entsprechenden digitalen Tools bereit, um in Echtzeit auf dem Shopfloor zu reagieren und Prozesse gezielt zu steuern.
ERP-übergreifend bieten wir Module an, mit denen sich bestehende Lücken schließen lassen. Diese basieren auf Open-Source-Technologie, die wir unseren Kunden lizenzkostenfrei anbieten. Damit erhalten sie ein skalierbares System, in das alle Mitarbeitenden eingebunden werden können, die auf dem Shopfloor tätig sind. Gerade für Unternehmen mit mehreren Standorten ist das interessant, weil sich das System schnell an unterschiedlichen Orten ausrollen lässt, ohne zusätzliche Lizenzkosten zu verursachen.

Wirtschaftsforum: Sehen Sie sich als One-Stop-Shop? 

Dr. Robert Rae: Ja. Wir verbinden Prozesse, Technik und Software, um optimale Abläufe sicherzustellen. Unsere Kunden erwarten von uns, dass sie mehr und schneller produzieren und gleichzeitig weniger verschwenden. Dieser Herausforderung stellen wir uns als Full Service-Anbieter – von der Prozessanalyse bis zum laufenden Betrieb und mit 24/7-Support. 

Wirtschaftsforum: Wer profitiert von den Lösungen?

Dr. Robert Rae: Vor allem mittelständische Kunden aus unterschiedlichsten Branchen. Dass wir dank dieses breiten Mixes viel Erfahrung sowohl innerhalb einzelner Branchen als auch branchenübergreifend gesammelt haben, ist ein wichtiger Vorteil. Jede Branche hat ihre Besonderheiten, gleichzeitig gibt es viele ähnliche Themen. Unsere Kunden sind vor allem in der DACH-Region ansässig, verfügen aber häufig über internationale Standorte. Unser größter Kunde ist Froneri, einer der weltweit größten Eiscreme­hersteller, für den wir an 60 Standorten weltweit im Einsatz sind.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie PerFact in einigen Jahren? 

Dr. Robert Rae: Unser Ziel ist es, zu den Top 10 der Manufacturing-Operations-Management-Systeme zu gehören und den Umsatz in den kommenden fünf Jahren zu verdoppeln. Dabei wird KI eine große Rolle spielen. Sie schreckt uns nicht ab, denn wir haben ihr durch unser Branchenwissen etwas Entscheidendes voraus: reales Weltwissen.

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