Handwerk, Präzision und Exklusivität
Interview mit Benjamin Bäker, Geschäftsführer der Oldenburger Interior GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Bäker, Oldenburger Interior bewegt sich in einer Welt, die die meisten Menschen nie aus der Nähe sehen. Was macht den Reiz dieses Geschäfts für Sie persönlich aus?
Benjamin Bäker: Mich fasziniert vor allem die Verbindung aus Handwerk, Präzision und Exklusivität. Ich bin selbst gelernter Tischler. Wenn man erlebt, wie aus Holz, Glas, Metall, Stein, Leder und Stoffen auf höchstem Niveau etwas völlig Einzigartiges entsteht, ist das schon etwas Besonderes. Eine Superyacht ist nie Standard. Jedes Projekt ist ein Unikat, jeder Eigner hat andere Wünsche, jeder Designer setzt andere Akzente. Genau das macht diese Branche so spannend.
Wirtschaftsforum: Oldenburger Interior ist seit Jahrzehnten am Markt. Wie hat sich das Unternehmen entwickelt?
Benjamin Bäker: Oldenburger Interior wurde 1953 gegründet. Damals ging es vor allem um Einzelfertigung und klassischen Möbelbau. Ende der 1980er-Jahre folgte ein entscheidender Meilenstein: der erste Auftrag für den Innenausbau eines Kreuzfahrtschiffs.
Daraus entstand die Erkenntnis, dass wir unser Know-how auch auf noch exklusivere Bereiche übertragen können. So sind wir Schritt für Schritt in den Superyachtbau hineingewachsen. Später kamen Aircraft-Projekte hinzu. Heute ist unser Profil klar: Der Yachtinnenausbau bildet unser Kerngeschäft, ergänzt durch unsere Expertise im Aircraft-Bereich.
Wirtschaftsforum: Was genau leisten Sie bei einem Projekt?
Benjamin Bäker: Wir sind im Grunde Generalunternehmer für den Innenausbau. Wenn die Werft Stahlbau, Isolierung, Hauptverkabelung und Verrohrung abgeschlossen hat, übernehmen wir. Dann geht es um Decken, Wände, Böden, Möbel und alle sichtbaren Flächen im Innenraum. Dafür koordinieren wir ein großes Netzwerk von Spezialisten – von Metall und Glas über Stein bis hin zu Stoffen und Leder. Alles wird in Dinklage gebündelt und anschließend weltweit montiert. Für den Kunden soll das ein Rundum-sorglos-Paket sein.
Wirtschaftsforum: Weltweit heißt also auch: Einsätze rund um den Globus?
Benjamin Bäker: Absolut. Im Neubau sind wir vor allem in Norddeutschland und den Niederlanden tätig, weil dort viele relevante Werften ansässig sind. Im Refitgeschäft agieren wir deutlich internationaler, etwa in Spanien, Kroatien, Frankreich, den USA oder Australien. Gerade dieser Bereich ist spannend, weil Entscheidungen dort schneller getroffen werden und Termine extrem sensibel sind. Wenn ein Schiff nicht rechtzeitig fertig wird, fehlt dem Eigner im Zweifel eine ganze Saison. Deshalb zählen dort Qualität, Tempo und Verlässlichkeit gleichermaßen.
Wirtschaftsforum: Luxus und Nachhaltigkeit gelten oft als Widerspruch. Wie gehen Sie damit um?
Benjamin Bäker: Man muss ehrlich bleiben: Eine Superyacht wird nie ein ökologisches Vorzeigeprodukt sein. Trotzdem gibt es viele Stellschrauben. Wir achten auf Materialien, suchen nach Alternativen etwa zu Teak und versuchen, nachhaltigere Lösungen umzusetzen. Zudem bauen wir unser eigenes Umweltmanagement mit Photovoltaik, Wärmepumpen und einem bewussteren Umgang mit Energie und Ressourcen weiter aus. Für mich ist Nachhaltigkeit kein Schlagwort, sondern die Frage, was man in dieser speziellen Branche tatsächlich verbessern kann.
Wirtschaftsforum: Sie sind seit Juni 2025 Geschäftsführer. Mit welcher Agenda sind Sie gestartet?
Benjamin Bäker: Sehr pragmatisch. Wir beschäftigen heute circa 200 Mitarbeitende und verfügen über sechs Hallen, 16.000 m2 Produktionsfläche sowie ein insgesamt 35.000 m2 großes Areal. Das ist eine starke Basis. Gleichzeitig ging es zunächst darum, intern aufzuräumen, Prozesse sauberer aufzusetzen und mehr Stabilität zu schaffen. Wir wollen wachsen, aber nicht um jeden Preis. Wachstum muss zu unserem Markt passen und darf nicht zulasten unseres handwerklichen Anspruchs gehen.
Wirtschaftsforum: Wo soll die Reise in den kommenden Jahren hingehen?
Benjamin Bäker: Superyachten bleiben unser Kerngeschäft. Gleichzeitig wollen wir uns bis 2032 breiter aufstellen. Besonders spannend ist für uns der Refitmarkt, der sich dynamisch entwickelt und attraktive Perspektiven für die Zukunft eröffnet. Darüber hinaus denken wir über weitere Nischen nach. Mir ist wichtig, dass wir unser Profil schärfen und zugleich unternehmerisch beweglich bleiben.
Wirtschaftsforum: Sie sprechen oft über Ihre Mitarbeitenden. Welche Kultur prägt das Unternehmen?
Benjamin Bäker: Wir pflegen eine offene Du-Kultur, haben viele langjährige Mitarbeitende und eine sehr geringe Fluktuation. Meine Tür steht immer offen, denn Führung funktioniert für mich nur auf Augenhöhe. Wir feiern gemeinsam, ehren Jubilare und bleiben auch mit ehemaligen Mitarbeitenden im Ruhestand in Kontakt. Mir ist wichtig, dass sich die Menschen hier nicht nur als Arbeitskräfte verstehen, sondern als Teil eines guten sozialen Umfelds. Ich möchte im Unternehmen ein Miteinander schaffen, in dem sie sich ernst genommen und wohl fühlen.
Wirtschaftsforum: Und was treibt Sie persönlich an?
Benjamin Bäker: Ganz klar das Produkt – und die Möglichkeit, Dinge zu gestalten. Ich habe früher im Vertrieb und Projektmanagement oft gedacht: Das müsste man anders machen. Heute kann ich Verantwortung übernehmen und genau das tun. Dazu kommt die Faszination der Superyachtwelt. Wenn man einmal erlebt hat, wie aus handwerklicher Präzision, Design und internationaler Zusammenarbeit etwas Einmaliges entsteht, lässt einen das nicht mehr los. Und wenn dann noch ein Anruf kommt, dass man wegen eines Projekts nach Miami muss, gehört das definitiv zu den angenehmen Seiten des Berufs.













