E-Bike statt Dienstwagen

Interview mit Niclas Schubert, Geschäftsführer der movelo GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Schubert, welche Mobilitätskonzepte bieten Sie Unternehmen an?

Niclas Schubert: Unser Geschäft fußt zurzeit auf zwei Säulen. Zum einen bieten wir Firmen E-Bike Flotten an. Zur Auswahl stehen hier verschiedene Modelle, unter anderem auch Lasten-E-Bikes. Wir vermieten grundsätzlich auf längere Laufzeiten angelegt, ab 36 Monate, oder aber in einem Flex-Tarif ab sechs Monaten. Eine zweite Möglichkeit bei uns ist das E-Bike Sharing per App. Dies ist vor allem für Unternehmen mit verschiedenen Standorten interessant. Die E-Bikes haben also nicht, wie die Räder der normalen Flotte, Schlüssel, sondern werden digital über die App aktiviert. Unter anderem der Hamburger Hafen, das Bezirksamt Berlin-Mitte oder die Universitätsklinik Leipzig nutzen das Angebot. Aktuell verzeichnen wir auch eine steigende Nachfrage nach unseren Lösungen aus dem Immobilienbereich. Es werden immer mehr Neubauten mit Mobilitätskonzepten entwickelt. In den Tiefgaragen ist dann ein zentraler Hub untergebracht. Hier werden die E-Bikes abgestellt und geladen. E-Mobilität macht nur Sinn, wenn die Fahrzeuge laden, während sie stehen.

Wirtschaftsforum: Aktuell boomt der Markt für E-Bikes und das Angebot an Mobilitätskonzepten wächst. Was ist das Besondere an dem Konzept von movelo?

Niclas Schubert: Wir sind mit unserem Konzept einzigartig, denn wir bieten beides: digitale E-Bike Kompetenz und Service vor Ort inklusive einer Vollkasko-Versicherung. Zudem beschränkt sich unser Nachhaltigkeitskonzept nicht nur auf unsere Produkte selbst, sondern ist 360 Grad aufgestellt. Unter anderem sind wir in einer Umweltinitiative aktiv. Alle 250 km, die ein E-Bike von uns bewegt wird, pflanzen wir einen Baum. Unsere Kunden bekommen darüber auch eine Urkunde, sodass sie ihre Nachhaltigkeit sogar sichtbar machen können.

Wirtschaftsforum: Sind Sie aktuell ausschließlich in Deutschland tätig?

Niclas Schubert: Deutschland ist unser Hauptmarkt. Darüber hinaus sind wir aber in Österreich aktiv. Dieses Jahr werden wir uns vor allem auf den niederländischen Markt konzentrieren. Zudem laufen verschiedene Pilotprojekte in Italien, Norwegen, Finnland und in Frankreich. In Finnland planen wir zurzeit bei Vattenfall eine Ausstattung mit E-Bikes. Wichtig ist uns bei allen Expansionsplänen aber, dass wir auch im Ausland unser hohes Service-Versprechen halten.

Wirtschaftsforum: Seit wann gibt es movelo und wie sind Sie ursprünglich mit dem Unternehmen gestartet?

Niclas Schubert: Uns gibt es schon seit 2005, als noch kaum jemand E-Bikes kannte. Ursprünglich haben wir uns mit unserem Konzept im Tourismus aufgestellt, haben E-Bikes, um diese bekannter zu machen, an Hotels vermietet. Mit der Energiewende entstand dann ein regelrechter E-Bike Boom. Seit 2015 agieren wir unter dem Dach des Pon-Konzerns. Die Initialzündung für unser Konzept der betrieblichen Mobilität war dann eine Anfrage der Universitätsklinik Linz. Dort sollten zwei Standorte mit 6.000 Mitarbeitern mit E-Bikes für die innerbetriebliche Mobilität ausgestattet werden.

Wirtschaftsforum: Auf welche Themen werden Sie sich im Jahr 2021 konzentrieren?

Niclas Schubert: Wir stellen fest, dass sich Unternehmen für Konzepte wie unsere jetzt stärker öffnen, insbesondere in Deutschland. Gleichzeitig stellen wir aber auch fest, wie tief die Automobilindustrie in Unternehmen und auch in unserer Bürokratie verwurzelt ist. Tatsächlich sind die bürokratischen Hürden für unser Geschäft noch vergleichsweise hoch. Es ist in Deutschland für Unternehmen leichter, einen Firmenwagen anzumelden, als ein E-Bike. Wir sind trotz allem zuversichtlich, dass wir gestärkt aus der Corona-Zeit hervorgehen werden, gemeinsam mit all unseren Mitarbeitern – das ist uns sehr wichtig. Wir haben uns als Ziel gesetzt, rund 3.600 E-Bikes zu verkaufen – unter Einhaltung all unserer Qualitätsziele.

Wirtschaftsforum: Wo sehen Sie movelo langfristig am Markt?

Niclas Schubert: Wir möchten einen maßgeblichen Anteil zu der betrieblichen Mobilität im Allgemeinen beitragen und ein Teil der Mobilitätswende sein – mit mehr E-Bikes als Dienstwagen. Unsere Branche ist noch jung und entsprechend gibt es noch mehr als genug Potenzial

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