„Als Sprachdienstleister sind wir keine Blackbox“

Interview mit Heike Leinhäuser, Geschäftsführerin der Leinhäuser Language Services GmbH

Wirtschaftsforum: Frau Leinhäuser, Sie und Ihr Team beschreiben Sprache als Ihre Leidenschaft und Technologie als Ihr Werkzeug – wie setzen Sie beides ein? 

Heike Leinhäuser: Wir sind im internationalen Text- und Übersetzungsmarkt vergleichsweise spitz positioniert und betreuen hauptsächlich große Konzerne: Unsere direkten Ansprechpartner sind dabei zumeist die klassischen Stäbe auf der Führungsebene in den Bereichen HR, Financial Reporting oder Legal, für die wir oftmals inhaltlich sehr komplexe Texte übersetzen, beziehungsweise die Marketeers und Kommunikationsexperten, wenn wir an Pressemitteilungen oder anderen Texten für die breite Öffentlichkeit arbeiten. In letzterem Zusammenhang bieten wir auch vielfältige Dienstleistungen über das reine Übersetzen hinaus an: etwa sogenannte Transcreations, wenn wir kürzere Slogans oder Claims sinngerecht, aber authentisch in die Zielsprache übertragen, aber auch Adaptionen längerer Texte, bei denen jenseits der sprachlichen Korrektheit auch eine zielgruppengerechte, interkulturelle Ansprache von höchster Bedeutung ist.

Als moderner Dienstleister beschränken wir uns dabei nicht allein auf Textformate, sondern engagieren uns auch crossmedial in der Untertitelung von Produkt- und Corporate-Videos. 

Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt in Ihrem Tagesgeschäft inzwischen die künstliche Intelligenz? 

Heike Leinhäuser: Außer wenn Texte als vertraulich oder geheim eingestuft werden, sodass sie schon aus Gründen der IT-Sicherheit keinen maschinellen Lernprozessen dienen dürfen, setzen wir generative KI beziehungsweise Large Language Models heute in nahezu all unseren Workflows ein. Wir betrachten sie mittlerweile gewissermaßen als weiteres Teammitglied, das uns die Arbeit erleichtert. Doch das ist für uns keine fundamental neue Entwicklung: Professionelle Übersetzer und Linguisten arbeiten im Rahmen der Computer-Aided Translation schon seit Jahrzehnten mit Terminologiedatenbanken und Glossaren. Ich glaube also nicht, dass die KI unser Berufsfeld überflüssig machen wird. Vielmehr werden wir durch sie noch schneller und effizienter arbeiten können – und das begrüßen wir natürlich. Am Mehraugenprinzip, auf das unser Unternehmen im Sinne einer nachhaltigen Qualitätssicherung seit jeher setzt, werden wir auch zukünftig festhalten: Das letzte Wort – und damit die Verantwortung – hat bei uns immer ein Linguist oder Account Manager. 

Wirtschaftsforum: Gerade bei Publikumstexten kommt es nicht nur auf die sprachliche Genauigkeit, sondern auch auf den richtigen Ton an, den wohl niemand so gut kennt wie das jeweilige Unternehmen selbst. Weshalb schenken Ihre Kunden trotzdem Ihnen als externem Dienstleister ihr Vertrauen? 

Heike Leinhäuser: Die meisten unserer Kunden operieren selbst auf einem sehr hohen sprachlichen, fachlichen und interkulturellen Niveau und könnten die Arbeit, die wir für sie übernehmen, wahrscheinlich auch inhouse umsetzen. Sie wenden sich aber an uns, weil wir sie zeitlich gezielt entlasten, und vielleicht auch deshalb, weil wir durch unsere Erfahrung möglicherweise einige blinde Flecken weniger haben. Gleichzeitig möchten wir unsere Partner durch ein besonders starkes Qualitätsargument überzeugen: All unsere Account Manager sind selbst Linguisten und können somit jederzeit mit unseren Kunden in einen fachlichen Dialog auf Augenhöhe eintreten.

Viele unserer Kundenbeziehungen bestehen zudem seit vielen Jahren, sodass wir uns oftmals blind verstehen. Bei Neukunden holen wir gern umfassende Briefings ein, damit wir genau den gewünschten Tone of Voice treffen können. Als Sprachdienstleister sind wir also keine Blackbox, sondern setzen vielmehr auf eine intensive Zusammenarbeit. Neben unserem 50-köpfigen Team aus festangestellten Mitarbeitern aus insgesamt zehn Nationen setzen wir auf ein Nezwerk von etwa 400 Linguisten aus aller Welt, um für jedes Projekt auf die jeweils passende Expertise zugreifen zu können. 

Wirtschaftsforum: Inwiefern spiegelt sich die Leidenschaft der Leinhäuser Language Services GmbH für Sprache auch in Ihrer persönlichen Biografie wider? 

Heike Leinhäuser: Ich bin diplomierte Übersetzerin für Französisch und Italienisch, habe dann jedoch später vornehmlich Texte vom Englischen ins Deutsche übertragen. Ich bin sicherlich Linguistin von Herzen und habe in meiner ursprünglichen Konzernlaufbahn bei Siemens zudem viel über Kundenorientierung gelernt – eine Haltung, die mich bis heute antreibt und aus der ich heraus vor 28 Jahren das Unternehmen gegründet habe. Wir stehen mit unseren Dienstleistungen nicht in der ersten Reihe, sind für unsere Kunden jedoch gerade bei besonders komplexen Themen wie der Finanzberichterstattung nicht selten der Fels in der Brandung. Diese Freude an gutem Service sowie die vielfachen technologischen Weiterentwicklungen und die Leidenschaft für Linguistik treiben mich persönlich bis heute an, genauso wie das permanente Feedback meines Teams, ohne dessen Einsatz und Fachexpertise unser Unternehmenserfolg niemals in dieser Form möglich gewesen wäre.

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