„Wir bringen die Prozesse auf die Businessebene!“

Interview mit Annemarie Pucher, Geschäftsführerin der ISIS Papyrus Europe AG

Wirtschaftsforum: Frau Pucher, seit 37 Jahren engagiert sich ISIS Papyrus als schlagkräftiger Partner für die digitale Kommunikation und das Dokumentenmanagement im Markt – wie unterstützen Sie Ihre Kunden dabei genau? 

Annemarie Pucher: Grundsätzlich stellen wir eine Plattform als Standardsoftware zur Verfügung, mit der sich der gesamte Lebenszyklus der Geschäftskommunikation abbilden lässt – denn heutzutage ist ja jeder Teilbereich eines Unternehmens schier untrennbar mit dem Prozessmanagement verbunden. Diese Plattform kann unser Kunde dann mittels intuitiver Tools für den Fachbereich genau so nutzen, wie es für seine konkrete Anwendungsumgebung optimal ist. Neben einer möglichst einfachen Benutzererfahrung ist dabei auch die verlässliche Stabilität unserer Lösung von entscheidender Bedeutung: Denn viele Unternehmen sind ja regelmäßig in jahrzehntelang bestehende Vertragsverhältnisse eingebunden, die sich jederzeit lückenlos nachvollziehen lassen müssen – auch wenn einzelne Dokumente mitunter sogar älter sind als ISIS Papyrus. 
 

Wirtschaftsforum: Wie wichtig ist dabei gleichzeitig eine immerwährende Innovationsbereitschaft? 

Annemarie Pucher: Darin liegt natürlich eine nicht minder relevante Grundvoraussetzung für unseren anhaltenden Erfolg. Gleichzeitig können wir für unsere Kunden gerade dank unserer jahrzehntelangen Erfahrung als wichtiger Orientierungspunkt dienen. In diesem Zuge besteht derzeit natürlich vor allem beim Thema KI sehr viel Gesprächsbedarf. Denn die Technologie dahinter ist inzwischen vielen bekannt – doch sowohl im Hinblick auf die genauen Use Cases als auch zu Fragen der Sicherheit besteht weiterhin sehr viel Unsicherheit. 
 

Wirtschaftsforum: ISIS Papyrus beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit Machine Learning und künstlicher Intelligenz. Stellt die aktuelle KI-Revolution alles Bisherige in den Schatten – oder wird nur einfach ein neues Kapitel aufgeschlagen? 

Annemarie Pucher: Es ist ein weiteres Kapitel in einer langen Geschichte – wir haben schon 2008 unsere erste KI patentieren lassen, als sich noch niemand besonders dafür interessiert hat. Nun hat sich mit GenAI eben ein neues Spektrum aufgetan, bei dem wir mit IBM zusammenarbeiten, das uns einen selbstlernenden Agenten zur Verfügung stellt. IBM garantiert die Richtigkeit der Ergebnisse, was nicht nur ein wichtiger Vertrauensbeweis ist, sondern auch eine essenzielle Geschäftsgrundlage, damit unsere Kunden den Agenten bedenkenlos einsetzen können. 

Wirtschaftsforum: Wo liegen – neben der KI – derzeit die größten Pain Points Ihrer Kunden? 

Annemarie Pucher: Gerade im deutschsprachigen Raum hat sich das Angebot der Dokumentenmanagementsysteme in den letzten Jahren merklich ausgedünnt, nachdem viele Hersteller ihre jeweiligen Sparten verkauft und den Service ihrer Bestandsprodukte eingestellt haben. Demzufolge tritt bei vielen unserer Kunden nun das Problem auf, dass sie ihre bestehende Landschaft auf eine neue Lösung migrieren müssen. Viele stellen sich das als fürchterliche Sisyphus-Aufgabe vor, mit klassischer Handarbeit und enormen Kosten. Vor zwei Jahren haben wir jedoch einen verlässlichen Converter im Markt eingeführt, der meist etwa 90% des Datenbestandes automatisiert konvertieren kann, was den Prozess enorm verschlankt hat. Dadurch werden manuelle Schritte auf ein absolutes Minimum reduziert und nicht zuletzt Zeit und Kosten erheblich eingespart.
 

Wirtschaftsforum: Welche Innovationen sind für ISIS Papyrus derzeit besonders wichtig? 

Annemarie Pucher: Heute besteht für die meisten Anwender die Herausforderung, dass sie ihre transaktionellen Daten gar nicht mehr verstehen können. Um die damit einhergehende Komplexität so weit wie möglich zu reduzieren, ermöglichen wir es unseren Kunden, konsequent in ihrer Geschäftssprache zu arbeiten, wobei die Daten automatisiert gemappt werden können – ohne dass der Anwender vielschichtige Logiken in diffizilen Programmiersprachen definieren muss. So bringen wir die Prozesse wirklich auf die Businessebene – und reduzieren damit nicht nur nachhaltig die Komplexität, sondern setzen auch einen sinnvollen Impuls gegen die massiven Auswirkungen des allgegenwärtigen Fachkräftemangels in der IT. 

Wirtschaftsforum: Welche weiteren Ziele hat sich ISIS Papyrus für die nahe Zukunft gesetzt? 

Annemarie Pucher: Wir fokussieren uns derzeit stark auf weiteres Wachstum, weil wir überzeugt sind, unsere Kunden mit einem sehr umfassenden und wirkmächtigen System unterstützen zu können, nicht zuletzt auch im Zuge unserer Zusammenarbeit mit IBM. Dazu wollen wir in all unseren Märkten auch mit entsprechenden Consulting- und Ver-
triebsteams vertreten sein und setzen zudem auf ein starkes Partnernetzwerk. Neben unseren vier Entwicklungszentren im Raum Wien, in Düsseldorf, Barcelona und Italien sind wir zudem in allen relevanten Märkten wie Singapur und den USA mit eigenen Gesellschaften vor Ort vertreten, die dort unsere Softwarelösungen implementieren und sich auch um den Support kümmern – um immer nahe am Kunden zu sein.

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