Maschinenbau für Kleinstteile

Interview mit Thomas Deeg, Verkaufsleiter der Fleury SA

Und genau jener Claude Fleury hatte für sein Motorrad eine spezielle hydraulische Federung entwickelt. „Später kam er auf die Idee, dass diese Technik auch industriell nutzbar sein könnte und er entwickelte einen hydropneumatischen Zylinder für den linearen Vorschub von Fräsmaschinen“, so Thomas Deeg. Damit war der Grundstein für den Mittelständler mit mehr als 30 Mitarbeitern gelegt.

Intelligentes Konzept Modulo

Heute steht Fleury für die Entwicklung und Fertigung modularer Transfermaschinen für die Herstellung von Platten und Brücken durch die Uhrenindustrie. „Unser intelligentes Konzept heißt Modulo“, sagt Thomas Deeg.

Wie der Name verrät, besteht das System aus verschiedenen Modulen, die der Kunde ganz nach seinen Bedürfnissen kombinieren kann. „Es gibt Module, die wie eine normale Fräsmaschine arbeiten, aber es gibt auch eines, das sehr genaue Bohrungen macht“, beschreibt der Diplom-Ingenieur Jahrgang 1959. Hinzu kommen Module zur Montage von Kleinstteilen oder zur Herstellung gepflegter Oberflächen.

„Das ist eben der Witz an diesem System: Man kann je nach dem Teil, welches der Kunde herstellen möchte, die verschiedenen Module kombinieren, fast so wie mit einem Lego-Baukasten“, erläutert Thomas Deeg das Erfolgsrezept von Fleury.

Doch auch Kunden, die vor der Investition in solche Maschinen zurückschrecken, finden bei Fleury individuelle Lösungen. So fertigt ein Tochterunternehmen im Tessin Teile für die Uhrenindustrie nach Kundenwünschen. Dieser Service ist gleichsam ein Tool für den Vertrieb.

„Auf diese Weise können die Kunden von den Maschinen überzeugt werden. Später kaufen sie dann häufig auch Maschinen von Fleury, um damit die benötigten Teile selbst herzustellen“, sagt Thomas Deeg.

Flexibilität und Innovation

Grundlage für den Erfolg des Unternehmens sind für den Verkaufsleiter vor allem zwei Faktoren. „Flexibilität und Innovation. Wir sind nicht riesengroß und verfügen daher über eine gesunde Flexibilität.“ Dabei muss das Unternehmen mit einer zyklischen Marktentwicklung leben, wie sie in der Uhrenindustrie absolut typisch sei. „Wir haben zwei eher schlechte Jahre hinter uns. Aber nun sind wir optimistisch, denn es gibt klare Anzeichen für eine Trendwende“, betont Thomas Deeg.

Exportanteil erhöhen

Um die Maschinen von Fleury den Kunden vorzustellen, ist das Unternehmen auf zahlreichen Messen präsent. Dazu gehören die EMO in Hannover und die EPHJ in Genf. Hinzu kommt ein lebhaftes Marketing auf Online-Kanälen wie Linkedin und XING, Youtube und Facebook.

In den kommenden Jahren möchte Fleury vor allem das Auslandsgeschäft ankurbeln. Heute verkauft das Unternehmen etwa ein Fünftel seiner Produkte in Japan, Süddeutschland, Nordfrankreich und Norditalien. „Mittelfristig wollen wir  mindestens 50% außerhalb der Schweiz verkaufen“, so Thomas Deeg.

Neben der Uhrenindustrie hat Fleury auch den Bereich der Medizinaltechnik im Blick. „Auch dort kommt es auf höchste Qualität und Präzision an. Wir wenden uns gezielt an Branchen, in denen es um sehr kleine Teile geht“, erläutert Thomas Deeg die Unternehmensstrategie. Dabei legt die Firma großen Wert auf langfristige Kundenbeziehungen. So sei Fleury stets an einer Win-Win-Situation interessiert.

„Wir wollen, dass der Kunde genau so viel Freude an dem Auftrag hat wie wir selbst“, unterstreicht Thomas Deeg. Als inhabergeführtes Unternehmen setzt Fleury auf eine starke Identifizierung der Mitarbeiter mit der Firma.

Der Fachkräftemangel ist vor allem im Raum Biel und Zürich auch für den Maschinenbauer deutlich spürbar. Anders sieht es am Standort des Tochterunternehmens im Tessin aus. Dort ist es relativ einfach, Fachkräfte zu finden. Die Lage am Arbeitsmarkt ist beim europäischen Nachbarn Italien schwierig.

„Wir können uns dort die Leute aussuchen“, so Thomas Deeg. Er selbst ist erst seit kurzer Zeit bei Fleury beschäftigt – das aber mit Leidenschaft. „Fleury ist ein tolles Unternehmen. Es macht mir Spaß, diese Firma vorwärts zu bringen.“

Qualität hat Priorität

Auch bei der zukünftigen Entwicklung setzt Fleury vor allem auf Präzision und Qualität. Für Thomas Deeg ist das eine Selbstverständlichkeit. „Die Qualität der Produkte hat stets oberste Priorität. Das wird von einem Schweizer Unternehmen auch erwartet.“

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema Anlagen- und Maschinenbau

In der Kälte liegt die Kraft – Ein Macher zwischen Tradition und Moderne

Interview mit Holger Putze, Geschäftsführer über die Kälte- und Klimatechnik Holger Putze GmbH

In der Kälte liegt die Kraft – Ein Macher zwischen Tradition und Moderne

Man muss sich das mal vorstellen: 1995 fangen die in einem ehemaligen Kinderzimmer an. Vier Leute, eine Garage, der pure Wille. Heute, 30 Jahre später, stehen sie da mit 20…

Wenn jeder Hundertstel­millimeter zählt

Interview mit Luc De Sutter, Geschäftsführer der Soenen Technology nv.

Wenn jeder Hundertstel­millimeter zählt

In jeder Küche verbergen sich kleine Wunder der Präzisionstechnik: perforierte Bleche in Mikrowellen, Siebe in Spülmaschinen oder Filter in Dunstabzugshauben. Was auf den ersten Blick selbstverständlich erscheint, erfordert eine Genauigkeit…

Vom Tüftlertraum zur Poolrevolution

Interview mit Dipl.-Ing. Torsten Reuß, Geschäftsführer der TOSSTEC GmbH

Vom Tüftlertraum zur Poolrevolution

Immer mehr Hausbesitzer wünschen sich einen Pool im eigenen Garten – aber bitte ohne Chlorgeruch, rote Augen und dauerhaft hohe Betriebskosten. Naturpools und Schwimmteiche sind hier eine attraktive Alternative. Die…

Spannendes aus der Region Bienne

Faszination Zeit

Interview mit David Capilli, Sales und Marketing Manager der Montres CIMIER SA

Faszination Zeit

Eine hochwertige Schweizer Uhr ist der Klassiker unter den Geschenken und ein stilvolles Schmuckstück, das zu einem beliebten täglichen Begleiter werden kann. Uhrmachermeister aus der Schweiz fertigen seit Jahrzehnten einzigartige…

Telekommunikation - mobil und kundennah

Interview mit Frédéric Goetschmann, CEO der Quickline AG

Telekommunikation - mobil und kundennah

Der Telekommunikationsmarkt wächst seit Jahren unaufhaltsam. Gleichzeitig verändert er sich rasant, getrieben von technologischen Quantensprüngen. Diese Dynamik ist für die Anbieter eine große Herausforderung, der sie sich mit Agilität und…

Mit dem richtigen Dreh in neue Märkte

Interview mit Pascal Barbezat, CEO und Inhaber Polydec SA

Mit dem richtigen Dreh in neue Märkte

Um kleinste Teile mit großer Wirkung dreht sich alles bei Polydec SA in Biel. Als Lohnfertiger von Mikro- und Präzisionsdrehteilen ist das Schweizer Unternehmen in verschiedenen Märkten erfolgreich unterwegs. Pascal…

Das könnte Sie auch interessieren

Großbau auf sicherer Basis

Interview mit Thomas Meyer, Gründer und Geschäftsführer der Meyer Erdbau GmbH

Großbau auf sicherer Basis

Bevor Bauwerke entstehen, müssen komplexe Aufgaben im Untergrund gelöst werden – präzise, terminsicher und in großen Dimensionen. Genau hier liegt die Stärke der Meyer Erdbau GmbH mit Sitz in Schönwalde-Glien…

Neustart mit Hochdruck

Interview mit Torben Bech, Geschäftsführer der DYNAJET A/S

Neustart mit Hochdruck

Als URACA GmbH die Schließung ihrer Tochter DYNAJET GmbH ankündigte, schien das Aus für die 25 Jahre alte Marke besiegelt. Doch dann kam Torben Bech. Der dänische Ingenieur…

Sicherheit neu gedacht: Infraschall-Messung als Frühwarnsystem

Interview mit Vanessa Hepting und Jonatan Freude, Geschäftsführer der Suritec Systems GmbH

Sicherheit neu gedacht: Infraschall-Messung als Frühwarnsystem

Sicherheitsanforderungen verändern sich rasant. Statt auf klassische Sensoranlagen setzt die Suritec Systems GmbH auf ein Frühwarnsystem, das gewaltsame Einbruchversuche mit Infraschall-Detektion erkennt – und damit Sicherheit besonders einfach macht. Wie…

TOP