175.000 verkaufte Fairphones: Ein starkes Signal an die Branche gesendet

Interview mit Ewa Gouwens, CEO von Fairphone

Wirtschaftsforum: Das Fairphone 2 ist ausverkauft. Ist damit nachhaltige Elektronik tatsächlich Branchennorm geworden, wie es im Titel der Pressemitteilung steht?  

Ewa Gouwens: Wir glauben, dass der Verkauf von über 175.000 Fairphones ein starkes Signal an die Branche gesendet hat, dass ein Bedarf an fairen Elektronikgeräten besteht. Nichtsdestotrotz sehen wir kein einziges Unternehmen in der Elektronikindustrie sein Konzept deswegen ändern. Smartphones werden für kürzere Lebenszyklen gebaut und es wird immer schwieriger für Nutzer, sie selbst zu öffnen oder gar zu reparieren.

Ewa Gouwens
„Statt uns von den konfliktreichen Regionen abzuwenden, wollen wir gerade dort Geschäfte machen, wo wir die größte Wirkung entfalten können.“ Ewa Gouwens

Wirtschaftsforum: Beim Fairphone stehen besonders Fairtrade und der Bezug von konfliktfreien Rohstoffen im Fokus. Letzterer wird von Kritikern als utopisch beschrieben, wie gelingt Ihnen dies dennoch? 

Ewa Gouwens: Fairphone ist aus einer Sensibilisierungskampagne gegenüber Konfliktmetallen in der Elektronikindustrie hervorgegangen. Folglich war unser ursprünglicher Fokus, mehr verantwortungsvolle Quellen für die vier definierten Konfliktmetalle zu finden: Zinn, Tantal, Wolframit und Gold. Statt uns von den konfliktreichen Regionen abzuwenden, wollen wir gerade dort Geschäfte machen, wo wir die größte Wirkung entfalten können. Wir arbeiten mit Partnern wie Solutions for Hope zusammen, die die erste in sich geschlossene Versorgungskette für Tantal entwickelt haben und aus Katanga in der Demokratischen Republik Kongo stammen. Wir waren der erste Telefonproduzent, der sich der Conflict Free Tin-Initiative angeschlossen hat, einem Programm, das deutlich machte, dass es möglich war, Zinn aus als konfliktfrei bewerteten Minen in der Demokratischen Republik Kongo zu beziehen. Wir haben zudem als Erste in der Branche Fairtrade-Gold in unserer Produktion genutzt.  

Wirtschaftsforum: 150.000 Fairphones sind schon verkauft. Inwiefern können Sie damit einen finalen Schlusspunkt hinter die Story von Fairphone setzen?    

Ewa Gouwens: Fairphone bereitet sich jetzt auf die nächsten großen Schritte vor, fokussiert sich auf den Projektplan und die Entwicklung eines neuen Produkts. Einige Fairphone 2 Geräte gibt es noch bei unseren Partnern und wir haben eine Charge mit generalüberholten Einheiten in unserem Lager – wenn diese verkauft sind, wird das den Schlusspunkt des Verkaufs des Fairphone 2 markieren. Allerdings bedeutet das nicht das Ende der Unterstützung für das Fairphone 2. Wir haben Ersatzteile eingelagert, um sie mindestens drei Jahre zur Verfügung zu haben, sodass jeder sein Gerät weiterhin warten kann. Wir arbieten zudem daran, die weitere Entwicklung für die Software des Fairphone 2 beizubehalten, mit dem Ziel, maximale Sicherheit und Fehlerbehebung zu gewährleisten.

Interview: Markus Büssecker | Fotos: Fairphone  

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