„Viele lassen Potenzial liegen, indem sie nicht anfangen!“
Interview mit Sascha Dömer, Vorstand der LMIS AG

Wirtschaftsforum: Herr Dömer, LMIS verspricht: Noch nie waren die Voraussetzungen besser, um Unternehmen zu digitalisieren – weshalb?
Sascha Dömer: Weil sich mit dem zielgerichteten Einsatz von KI viel schneller Erfolge erreichen lassen, als das bisher vorstellbar war. Dabei darf man jedoch nicht vergessen, dass nicht jedes Problem sinnvoll durch KI gelöst werden kann. Man muss also zunächst genau sondieren, welcher Weg tatsächlich zum Ziel führt. LMIS blickt bereits auf über 25 Jahre Erfahrung in der klassischen Prozessoptimierung zurück: Wir haben also schon lange vor der KI Prozesse digitalisiert und in andere Systeme integriert – nur dass viele Schritte durch die KI nun eben deutlich leichter geworden sind.
Wirtschaftsforum: Worauf kommt es bei einem erfolgreichen KI-Projekt an?
Sascha Dömer: Der Knackpunkt liegt fast immer in einer hinreichenden Datenqualität – denn Daten sind die eigentliche Grundlage für eine sinnvolle Verarbeitung durch die KI und ein entscheidender limitierender Faktor für die Qualität der Ergebnisse. In den meisten Unternehmen haben Datenhaltung, -architektur und -management in der Vergangenheit aber keine große Rolle gespielt: Manchmal bestehen also Datenlücken, nicht auflösbare Widersprüche zwischen einzelnen Datenpunkten oder unterschiedliche Versionsstände, die dann allesamt einen Teil der vermeintlichen Wahrheit bilden, die durch die KI generiert werden soll, wenn man nicht vorher eingreift. Deshalb bieten wir unseren Kunden inzwischen einen KI-gestützten Datencheck vor der eigentlichen Projektumsetzung an, um entsprechende Inkonsistenzen schon im Vorfeld aufdecken und beheben zu können. Als Full Service Provider begleiten wir unsere Projekte dabei grundsätzlich von der ersten Anforderungsanalyse bis hin zur Implementierung in einer gesicherten Umgebung, sodass unser Kunde alle relevanten Leistungen aus einer Hand erhält.
Wirtschaftsforum: Wie disruptiv wirkt die KI derweil auch in Ihrem eigenen Unternehmen?
Sascha Dömer: Gerade in der Softwareentwicklung stellt sich die künstliche Intelligenz inzwischen als der nächste große Industrialisierungsschritt heraus, ähnlich wie der Wandel von der Assembler-Programmierung hin zu den Hochsprachen. Als Enabler ermöglicht uns die KI dabei eine viel höhere Geschwindigkeit, während sie gleichzeitig für deutlich mehr Komplexität sorgt. Auch innerhalb unseres eigenen Unternehmens konnten wir so einen nie dagewesenen Automatisierungsgrad erreichen und implementieren nun innerhalb von Tagen automatisierte Prozesse, für die wir in der Vergangenheit Wochen gebraucht hätten.
Wirtschaftsforum: Wie verändert sich dadurch auch die Rolle des Softwareentwicklers?
Sascha Dömer: Anstatt selbst Code zu schreiben, verschiebt sich unsere Aufgabenstellung immer stärker hin zur zielgenauen Beschreibung des jeweiligen Kundenproblems, dessen Lösung anschließend durch Agentic Engineering angestoßen werden kann. Als Softwareentwickler wandeln wir uns damit zum Dirigenten eines Orchesters, anstatt dort ein einzelnes Instrument zu spielen. Die Kommunikation mit allen Stakeholdern wird damit für unseren Beruf umso wichtiger: Denn Vertrauen aufbauen und menschliche Nuancen verstehen – das kann keine KI der Welt leisten.
Wirtschaftsforum: Der Siegeszug der KI geht zudem mit einem fundamentalen Wandel in der Arbeitswelt einher.
Sascha Dömer: Für uns wie für unsere Kunden ist es natürlich essenziell, die von diesen weitreichenden Veränderungen betroffenen Menschen gezielt mitzunehmen, egal mit welcher Haltung sie diesem Wandel ursprünglich begegnen: Manche sind begeistert von den Möglichkeiten, andere haben Zukunftsängste, vielleicht weil sie bisher für einen Bereich zuständig waren, der in den letzten Jahrzehnten kaum von Veränderungen betroffen war und in dem nun ein großer Teil der bisher bestehenden Aufgaben durch Automatisierung wegfällt. Je mehr man automatisiert, desto mehr können sich Menschen nutzlos oder übergangen fühlen, wenn ihnen nicht transparent neue Perspektiven aufgezeigt werden. Deshalb kann ein solcher Wandel nie ohne effektives Change Management erfolgreich durchlaufen werden.
Wirtschaftsforum: Wo lassen mittelständische Unternehmen bei der Digitalisierung Potenzial liegen?
Sascha Dömer: Hauptsächlich, indem sie nicht anfangen. Wird von der Geschäftsleitung die Maxime ausgerufen: „Wir wollen jetzt digitaler werden und KI einsetzen“, werden nicht selten erst einmal große Arbeitskreise eingerichtet und recht viel Bürokratie aufgebaut. Das ist aber eher hinderlich – mir fehlt da oft die Leichtigkeit, einfach einmal etwas Neues auszuprobieren. Denn am besten startet man vielleicht mit einem ersten kleinen Prozess, etwa der automatisierten Auslesung und digitalen Ablage von Eingangsrechnungen, in den nicht gleich zwei Dutzend Medienbrüche und drei Dutzend Stakeholder involviert sind. Wurde ein solches Projekt dann erfolgreich zum Abschluss gebracht, sodass auch jeder im Unternehmen den Mehrwert erkennt, kann der nächste Schritt folgen – oft verbunden mit einer viel größeren Aufbruchsstimmung als zuvor.
Wirtschaftsforum: Woher stammt Ihr Optimismus?
Sascha Dömer: Ich liebe technologische Herausforderungen – und die KI ist für mich ein unendlich großer Abenteuerspielplatz, weil wir damit oft erste Ideen innerhalb weniger Tage zur prototypenreifen Realisierung weiterentwickeln können.







