Für eine Welt ohne Korrosion

Interview mit Dr. Martin Welp, Geschäftsführer der Dörken MKS-Systeme GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Dr. Welp, Ihr Unternehmen blickt auf eine lange Tradition zurück.

Dr. Martin Welp: Ja, wir haben vor zwei Jahren das 125-jährige Jubiläum gefeiert. Das Unternehmen wurde 1892 als Hersteller von Lacken und Rostschutzfarben gegründet. Seitdem haben wir uns zu einem der führenden Experten für Korrosionsschutz weltweit entwickelt.

Wirtschaftsforum: Ihr Unternehmen war maßgeblich an der Einführung von chromfreien Beschichtungen in der Automobilindustrie nach dem Verbot des giftigen Schwermetalls Chrom VI beteiligt.

Dr. Martin Welp: Das stimmt. Wir sind führend in der Umstellung von Chrom-VI-haltigen Flächen in der Automobilindustrie. Das hat uns in die Welt getragen.

Wirtschaftsforum: Welche Branchen bedienen Sie außer der Automobilindustrie noch?

Dr. Martin Welp: Wir sind breit aufgestellt und bieten Lösungen für die Bereiche Bau, Baumaschinen, Agrartechnik, Erneuerbare Energien und Bahn. Im Grunde stehen wir bereit für jedes komplexe Korrosions-Problem.

Wirtschaftsforum: In der Windenergieindustrie ist Dörken MKS Marktführer.

Dr. Martin Welp: Ja, besonders im Offshore-Bereich sind die Anforderungen an Korrosionsschutz extrem hoch. Wir führen hier zyklische Klimatests durch, indem wir in Klimakammern die wechselnden Witterungsbedingungen im Jahreszyklus nachbilden, um so höchste Ansprüche abzudecken.

Wirtschaftsforum: Wo produzieren Sie?

Dr. Martin Welp: Wir entwickeln und fertigen nur am Standort Herdecke. Wir unterhalten aber Technologie-Center in den USA, China und Südkorea und arbeiten weltweit mit über 200 lizenzierten Beschichtern zusammen.

Wirtschaftsforum: Sie selbst sind 2010 zu Dörken MKS gekommen, nachdem Sie vorher lange Zeit bei einem großen Chemiekonzern waren.

Dr. Martin Welp: Ich habe mich bewusst für diesen Wechsel entschieden. Hier lassen sich das operative und das strategische Geschäft besser verbinden. Nur so lassen sich nachhaltiges Wachstum und langfristige Perspektiven schaffen und Arbeitsplätze sichern.

Wirtschaftsforum: Stichwort Arbeitsplätze. Wie wichtig sind die Mitarbeiter für den Erfolg von Dörken MKS?

Dr. Martin Welp: Jedes Unternehmen ist nur so gut wie seine Mitarbeiter. Wir brauchen Mitarbeiter, die sich für das Thema Korrosionsschutz begeistern, die bereit sind, die Extrameile zu gehen und sich weiterzubilden. Hierfür schaffen wir das passende Arbeitsumfeld. Ich bin hochgradig sensibel bei jeglicher Missstimmung im Team; ein gutes Miteinander geht bei mir vor Profit.

Wirtschaftsforum: Sie nennen sich selbst ‘The Corrosion Experts’. Welcher Anspruch ist damit verbunden?

Dr. Martin Welp: Unser Unternehmen wird getragen von den Experten im Labor, im Außendienst, in der Anwendungstechnik. Wir sind mehr als ein reines Produktunternehmen, das Beschichtungssysteme herstellt. Wir stellen die Dienstleistung in den Vordergrund und sind ein Wissensunternehmen, das Expertenwissen für eine korrosionsfreie Welt zur Verfügung stellt.

Wirtschaftsforum: Das geht aber nicht ohne Chemie, oder?

Dr. Martin Welp: Natürlich benötigen wir Chemie. Aber eben nur umweltverträglich. Der geschaffene Mehrwert unserer Beschichtungslösungen überwiegt, indem wir die Lebensdauer von Produkten verlängern. Wir erzeugen mit Chemie Nachhaltigkeit.

Wirtschaftsforum: Wie sehen Sie sich für die kommenden Jahre aufgestellt, vor allem im internationalen Kontext?

Dr. Martin Welp: Wir sind ein Familienunternehmen aus Deutschland, das weltweit sehr erfolgreich ist. Aber Deutschland wird im internationalen Wettbewerb nicht mehr überlegen sein – das meine ich so dramatisch, wie ich es sage. Insgesamt aber ist Korrosionsschutz ein Wachstumsmarkt, weltweit. Expertenwissen über Korrosions- und Oberflächenschutz wird immer stärker nachgefragt. Hierzu tragen wir auch durch unser firmeneigenes Corrosion College bei, durch das wir dieses Wissen vermitteln.

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