BoxHotel: Auf kleinster Fläche das maximale Raumgefühl schaffen

Interview mit Oliver Blume, Geschäftsführer der BoxHotel GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Blume, mit BoxHotel kommt das Konzept der Schlafkabinen-Hotels nach Deutschland. Hatten Sie mit rechtlich-bürokratischen Hürden wie in Hannover bei der Umsetzung gerechnet?

Oliver Blume: Nein, grundsätzlich haben wir uns mit dem ganzen rechtlichen Thema vorher intensiv auseinandergesetzt und ein Konzept für den Bau von Schlafboxen erstellt. In Göttingen haben wir sehr gute Erfahrungen mit dem zuständigen Bauamt gemacht. In Hannover hatten wir eigentlich bereits die Zusage, da hat sich lediglich eine Person sehr spät dagegen gestemmt. Die Gründe konnten wie nicht so ganz nachvollziehen. Immerhin haben wir jetzt auf höchstrichterlicher Ebene Zustimmung erfahren, und so sind künftig noch weniger Probleme mit Bauämtern zu erwarten. Trotzdem hätten wir gern das eine Jahr zurück, damit hätten wir schneller expandieren und den Vorteil als First-Mover noch besser nutzen können.

Geschäftsführer Boxhotel, Oliver Blume
„Ich fokussiere mich als Rulebreaker komplett auf die Bedürfnisse der Kunden. Dafür ist eine Hotel- oder eine Branchenerfahrung sogar meistens hinderlich.“ Oliver Blume

Wirtschaftsforum: Argumente für eine Übernachtung im BoxHotel sind günstige Preise und digitale Schnittstellen. Sind das für Sie die minimalsten Bedürfnisse eines modernen Reisenden?

Oliver Blume: Ich würde auch im Fall von BoxHotel von der Umsetzung des digitalen Wegs sprechen, der sich mit dem deckt, was ich von außen beobachtet habe und deutlich erkennen konnte. Ein zentraler Punkt: Wieso brauche ich heutzutage eigentlich noch eine Rezeption? Ich habe eigentlich bei jeder Zimmerbuchung einen komplett digitalen Weg bereits hinter mir. Das Hotel suche ich online oder nutze eine Buchungsplattform. Dann war der weitere Ablauf für mich nur noch fürchterlich, ich musste erneut an die Rezeption, um alle Daten, die das Hotel schon längst haben müsste, noch einmal abzugeben. Dementsprechend haben wir gesagt, wir müssen komplett digital werden. In Konsequenz sind wir auch wirklich das erste komplett App-gestützte Hotel weltweit gewesen.

Und der nächste Schritt ist der Aspekt ‚günstig‘. Zimmerbuchungen werden in Zukunft immer mehr über Assistenzsysteme gehen, die man direkt nutzt. Diese werden in ihren Algorithmen natürlich meistens den Preis mit einbeziehen und deswegen finde ich es sehr wichtig, dass man über den besten Preis gefunden wird.

Wirtschaftsforum: Mit Ihrem Angebot sind Sie Vorreiter. Inwiefern rechnen Sie zeitnah mit Konkurrenz?

Oliver Blume: Vollkommen klar, wenn wir mit einem gewissen Momentum in diese Branche reinkommen, dann werden sich natürlich auch andere Player damit auseinandersetzen, dass wir mit 25 EUR als Preis für eine Übernachtung profitabel agieren können. Das kann derzeit kein anderes Hotelkonzept und wir haben es zudem international patentieren lassen. Aus meiner Erfahrung stellen sich Wettbewerber aber gar nicht so schnell auf disruptive Strategien wie die unsere ein. Wir haben wirklich so viel Arbeit da reingesteckt, Ideen und so viele Hürden genommen, dass wir nicht zeitnah mit einer Kopie rechnen.

„Vollkommen klar, wenn wir mit einem gewissen Momentum in diese Branche reinkommen, dann werden sich natürlich auch andere Player damit auseinandersetzen, dass wir mit 25 EUR als Preis für eine Übernachtung profitabel agieren können.“ Oliver Blume
Geschäftsführer Boxhotel, Oliver Blume

Wirtschaftsforum: Noch sind Mikrohotels ein spezielles Übernachtungsangebot, allerdings wird Raum in den Städten immer knapper. Gehört die Zukunft der Hotellerie womöglich genau solchen Angeboten?

Oliver Blume: Das ist einer der Gründe, weswegen ich BoxHotel gegründet habe. Da liegt die Erkenntnis zu Grunde, dass es ganz klar immer schwieriger wird, innerstädtische Hotels zu realisieren, weil einfach das Angebot an Flächen oder Immobilien nicht mehr da ist. Außerdem habe ich gemerkt, dass die 2-Sterne-Hotellerie, die in den letzten Jahren stark gewachsen ist, ihre Angebote so ab 60 EUR pro Zimmern nicht mehr lange durchhalten kann. Viele reißen jetzt schon die 100-EUR-Grenze an. Von daher war es für mich wichtig, günstige Übernachtungsmöglichkeiten zu schaffen, die Privatsphäre bieten, also nicht wie der Schlafsaal im Hostel. Die Verknappung der Quadratmeter bleibt am Ende tatsächlich die einzige die Möglichkeit, die Kosten zu optimieren und die Wirtschaftlichkeit zu erhalten.

BoxHotel Göttingen | Galerie

Wirtschaftsforum: Wie fallen bisher die Rückmeldungen der Gäste aus? Haben Sie da persönlich einen Einblick?

Oliver Blume: Wir haben jetzt bei etwa 30.000 Übernachtungen etwas mehr als 5.000 positive Bewertungen auf allen Kanälen, was natürlich für das Konzept spricht. Aber der zweite Punkt ist meine persönliche Erfahrung. Ich selbst bin ja öfter im Hotel und begleite auch Gäste zu ihren Zimmern. Die unmittelbaren Reaktionen habe ich noch nie so erlebt: Jedem, dem ich die Tür öffne, entfährt ein ‚Wow‘ oder ‚Super‘. Bei uns hat man ein Raumgefühl, obwohl die Quadratmeter mathematisch gesehen gering sind, aber durch die Deckenhöhe von fast vier Metern wirkt das ganz anders. Es geht eben nicht darum, lediglich Platz zu sparen, sondern die Nutzung des Raums zu optimieren. Das verstehen unsere Gäste und mein Team und ich haben ungemein viel positives Feedback bekommen, das uns mit BoxHotel bestätigt.

Interview: Markus Büssecker | BoxHotel GmbH

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Mehr zum Thema

„Keep it simple“ - Einfachheit als Geschäftsmodell

Interview mit Stephan Riese, CEO der reputatio systems GmbH & Co. KG

„Keep it simple“ - Einfachheit als Geschäftsmodell

Was braucht ein Unternehmen wirklich, um zu funktionieren? Für Stephan Riese ist die Antwort klarer, als viele denken. Mit reputatio systems entwickelt er Lösungen, die Komplexität reduzieren. Ein Gespräch über…

Vom Familienbetrieb zur  Industriegruppe: Schornsteintechnik im strategischen Aufbruch

Interview mit Antonio ­Cervino, Geschäftsführer der Steegmüller Kaminoflex GmbH

Vom Familienbetrieb zur Industriegruppe: Schornsteintechnik im strategischen Aufbruch

Volatile Energiemärkte, politische Unsicherheiten und steigende Qualitätsanforderungen prägen die Schornsteinbranche. Die Steegmüller Kaminoflex GmbH steht für Systemkompetenz und Fertigungstiefe. Mit der Integration in die italienische EXPO Inox Gruppe beginnt ein…

„Wer nach EtherCAT sucht, findet uns“

Interview mit Thomas Waggershauser, Geschäftsführer der acontis technologies GmbH

„Wer nach EtherCAT sucht, findet uns“

Ihre Lösungen kommen beim Start der Ariane 6 genauso zur Anwendung wie im Automotive-Segment oder in der Halbleiterindustrie. Trotzdem dürften nur Brancheninsider jemals von acontis technologies gehört haben. Dem Erfolg…

Spannendes aus der Region Region Hannover

„Die Zeitarbeit muss ihr Schattendasein hinter sich lassen!“

Interview mit Dr. Eckart Gaude, CEO der ZAG Zeitarbeits-Gesellschaft GmbH

„Die Zeitarbeit muss ihr Schattendasein hinter sich lassen!“

Seit 1984 tritt ZAG als schlagkräftiges Zeitarbeitsunternehmen im Markt auf – und setzt dabei auf einen dezidiert menschlichen Ansatz. Im Interview mit Wirtschaftsforum sprach CEO Dr. Eckart Gaude darüber, wie…

Glasfaser für die Zukunft

Interview mit Thomas Heitmann, Geschäftsführer der htp GmbH

Glasfaser für die Zukunft

Im Zuge der Digitalisierung ist eine stabile und zukunftsfähige Infrastruktur wichtiger denn je. In Niedersachsen sorgt die htp GmbH seit Jahrzehnten für leistungsfähige Netze – und hat mit dem Glasfaserausbau…

Garantie mit System

Interview mit Rainer Doerr, Geschäftsführer der mobile GARANTIE Deutschland GmbH

Garantie mit System

Steigende Reparaturkosten, neue Antriebstechnologien und wachsende Dokumentationspflichten verändern den Fahrzeugmarkt – und damit auch die Anforderungen an Garantielösungen. Händler und Flottenbetreiber brauchen Angebote, die verständlich sind, schnell greifen und wirtschaftlich…

Das könnte Sie auch interessieren

Raum für Innovationen

Interview mit Silvio Stark, Geschäftsführer der Schiffler-Möbel GmbH

Raum für Innovationen

Die Auswahl der Möbel trägt entscheidend zu einer sicheren, komfortablen und funktionalen Umgebung in Klinik- und Pflegeeinrichtungen, Seniorenwohnheimen, Hotels, Kitas, Schulen und Jugendwohnheimen bei. Die Möbel sollen einerseits die Anforderungen…

Wände mit System

Interview mit Andreas Tlustek, Vertriebsleiter der MDS Raumsysteme GmbH

Wände mit System

Ruhe. Stille. In der hektischen Welt von heute purer Luxus. In Ruhe in lauter Umgebung arbeiten? Ein Widerspruch? Nein! Das zeigt die MDS Raumsysteme GmbH aus Engen am Bodensee. Als…

Gebäude der Zukunft

Interview mit Werner Ottilinger, Geschäftsführer der Sauter-Cumulus GmbH

Gebäude der Zukunft

Die Anfängevon SAUTER Deutschland reichen fast 100 Jahre zurück. Gegründet im Jahr 1925, hat sich das Unternehmen von einem kleinen Betrieb zu einem der führenden Spezialisten von Gebäude- und Raumautomation…

TOP