Microliving als intelligente Antwort auf neue Wohnbedürfnisse
Interview mit Benjamin Oeckl, Geschäftsführer der BelForm GmbH & Co. KG

Wirtschaftsforum: Herr Oeckl, wie entstand die BelForm GmbH & Co. KG?
Benjamin Oeckl: Nach fast zehn Jahren im Ausland habe ich viele unterschiedliche Wohnkonzepte kennengelernt – von Studentenunterkünften bis zu Serviced Apartments. Gemeinsam mit meiner Mutter, die aus der Immobilienbranche kommt, entstand daraus 2013 die Idee für BelForm. Seit der Ausgründung 2015 entwickeln wir Konzepte für modernes Wohnen zwischen klassischer Mietwohnung und Hotel – von Microliving über Serviced Apartments bis hin zu Senior Living.
Wirtschaftsforum: Was genau macht BelForm heute?
Benjamin Oeckl: Wir unterstützen Investoren, Bestandshalter und Projektentwickler dabei, Immobilien wirtschaftlich erfolgreich zu positionieren. Dafür analysieren wir Märkte, entwickeln Konzepte, übernehmen Architektur- und Innenarchitekturleistungen und begleiten die Umsetzung. Über unsere Tochtergesellschaft OneHaven betreuen wir rund 600 Einheiten und übernehmen Vermietung sowie Community Management. Die Vermarktung erfolgt über digitale Kanäle, Portale, Social Media und Firmenkooperationen. Zu den Mietern zählen unter anderem internationale Fachkräfte, die von Unternehmen für Projekte nach Deutschland entsendet werden. Insgesamt haben wir bereits mehr als 10.000 Apartments und über 100 Immobilienprojekte begleitet. Unser bislang größtes Projekt umfasste 485 Einheiten in Berlin. Heute beschäftigen wir über 30 Mitarbeiter und erwirtschaften rund 10 Millionen EUR Umsatz.
Wirtschaftsforum: Was macht Microliving heute so interessant?
Benjamin Oeckl: Die Zahl der Einpersonenhaushalte steigt, Menschen wechseln häufiger Wohnort und Arbeitgeber, gleichzeitig wird Wohnraum in vielen Städten knapper. Unsere Konzepte verbinden kompakte Apartments mit Gemeinschaftsflächen wie Coworking-Bereichen, Fitnessräumen oder Aufenthaltszonen und zusätzlichen Services. Gerade internationale Fachkräfte profitieren davon, weil sie schnell Anschluss finden und flexibel wohnen können. In einem Frankfurter Objekt liegt die Warmmiete für ein voll ausgestattetes Apartment beispielsweise bei rund 950 EUR und bietet damit einen unkomplizierten Einstieg in einen angespannten Wohnungsmarkt.
Wirtschaftsforum: Was unterscheidet BelForm von anderen Anbietern?
Benjamin Oeckl: Wir verstehen uns als Produktmacher und begleiten Projekte ganzheitlich – von der ersten Analyse bis zum laufenden Betrieb. Dabei betrachten wir nicht nur die Rendite des Investors, sondern auch den Nutzen für die Bewohner. In einzelnen Objekten liegt der Anteil internationaler Bewohner bei rund 45%, weshalb Community Management eine wichtige Rolle spielt. Bei der Repositionierung eines Frankfurter Objekts mit 276 Einheiten konnten wir die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von sechs auf zwölf Monate steigern.
Wirtschaftsforum: Welche Rolle spielt die Digitalisierung?
Benjamin Oeckl: Digitalisierung ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Wir digitalisieren Vermietungs- und Betriebsprozesse und integrieren moderne Technologien in die Gebäude. Dabei sind wir überzeugt, dass Digitalisierung den Menschen unterstützen und nicht ersetzen sollte. Automatisierte Abläufe entlasten die Mitarbeitenden, während persönlicher Service ein entscheidender Erfolgsfaktor bleibt. Transparente All-inclusive-Konzepte erleichtern zudem die Nutzung für die Bewohner.
Wirtschaftsforum: Wie setzen Sie Nachhaltigkeit um?
Benjamin Oeckl: Nachhaltigkeit beginnt für uns bei der Langlebigkeit. Viele unserer ersten Projekte sind noch heute nahezu unverändert in Betrieb. Deshalb setzen wir auf hochwertige, langlebige Möbel, Materialien mit hohem Recyclinganteil und möglichst regionale Lieferketten. Produziert wird überwiegend in Deutschland, Österreich und angrenzenden Ländern. Auf Containerware aus Asien verzichten wir weitgehend.
Wirtschaftsforum: Wie haben sich die aktuellen Marktbedingungen entwickelt?
Benjamin Oeckl: Die Immobilienbranche steht durch gestiegene Zinsen, Inflation und geopolitische Unsicherheiten unter Druck. Viele Projekte wurden verschoben oder neu bewertet. Die Nachfrage nach Wohnraum bleibt jedoch hoch. Zudem beobachten wir, dass bezahlbare, qualitativ hochwertige Angebote deutlich stärker nachgefragt werden als sehr hochpreisige Konzepte.
Wirtschaftsforum: Welche Ziele verfolgen Sie für die Zukunft?
Benjamin Oeckl: Wir möchten Investoren den Zugang zu Microliving-Projekten weiter erleichtern und unsere Kompetenzen bei Büro-zu-Wohnen-Konversionen ausbauen. Ein gemeinsam mit der Hochschule Biberach entwickeltes Tool hilft dabei, die Eignung von Bürogebäuden für Apartments schnell zu prüfen. Zudem sehen wir im Bereich Senior Living großes Potenzial. Unser Fokus bleibt Deutschland, auch wenn wir bereits Projekte in Österreich, Luxemburg und der Schweiz realisiert haben. Wichtig ist uns nachhaltiges Wachstum mit langfristigem Nutzen für Investoren und Bewohner.









