BrauBeviale 2026: Wie neue Getränke, Ressourceneffizienz und Technik die Branche verändern

Entlang der gesamten Prozesskette präsentieren Anbieter Lösungen von Rohstoffen und Produktionstechnik über Abfüllung und Verpackung bis zur Vermarktung. Neu ist 2026 auch das kompaktere Hallenlayout in den Hallen 6 bis 12. Das Rahmenprogramm steht unter dem Leitthema „Time for Opportunities" und soll vor allem zeigen, welche Lösungen sich bereits praktisch einsetzen lassen.
Alkoholfrei wird zum Wachstumsfeld
Einer der auffälligsten Schwerpunkte ist die Erweiterung des Getränkeportfolios. Neben Bier, Wein und Spirituosen rücken alkoholfreie Getränke noch stärker in den Mittelpunkt. Dahinter steht die Frage, wie Getränkehersteller auf veränderte Konsumgewohnheiten reagieren können, ohne ihre vorhandenen Produktionsanlagen vollständig neu aufbauen zu müssen. Auf der Main Stage wird unter anderem diskutiert, wie alternative Getränke auf bestehenden Anlagen hergestellt werden können. Weitere Themen reichen von speziellen Hefen bis zur Alkoholreduzierung bei Wein. Auch die Entwicklung des alkoholfreien Bieres und die Frage, wie kleinere und unabhängige Brauereien auf veränderte Märkte reagieren können, stehen auf dem Programm. Damit rückt Produktentwicklung zunehmend in den Bereich strategischer Entscheidungen. Wer vorhandene Technik flexibler nutzen kann, erschließt zusätzliche Getränkekategorien, ohne die gesamte Produktion neu aufzusetzen.
Über 50 neue Getränke an der Discovery Bar
Wie stark sich das Angebot verändert hat, soll die neue Discovery Bar in Halle 6 zeigen. Mehr als 50 Getränke können dort verkostet werden. Das Spektrum reicht von Functional Drinks mit Elektrolyten, Probiotika, Kollagen oder Protein über fermentierte alkoholfreie Getränke und Infused Water bis zu alkoholfreien Aperitifs, Cocktail Bitters und Ready-to-Drink-Produkten. Der Schwerpunkt liegt deutlich auf alkoholfreien Konzepten. Interessant ist dabei nicht nur das Produkt selbst. Hinter der Bar stehen Start-ups, Quereinsteiger und etablierte Hersteller, sodass Besucher unmittelbar mit den Unternehmen hinter den Konzepten ins Gespräch kommen können. Die Discovery Bar zeigt einen Markt, in dem die Grenzen zwischen klassischen Getränkekategorien zunehmend verschwimmen. Bierhersteller beschäftigen sich mit Softdrinks, Spirituosenmarken mit alkoholfreien Alternativen, neue Anbieter verbinden Getränke mit Gesundheit, Funktionalität oder Geschmack.
Pilot Area zeigt, was bereits funktioniert
Mit der neuen Pilot Area in Halle 9 setzt die BrauBeviale auf konkrete Praxisbeispiele. Gezeigt werden Projekte, die bereits technisch umgesetzt wurden oder sich in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium befinden. Ein Schwerpunkt liegt auf der Verwertung von Nebenströmen. Biertreber kann beispielsweise zu Proteinen für Fleischersatzprodukte oder zu Biopolymeren für Verpackungen weiterverarbeitet werden. Weitere Projekte beschäftigen sich mit Waste-to-Value-Konzepten, einem Hochtemperatur-Wärmespeicher für Prozessdampf aus erneuerbaren Energien und einem Schnelltest, der Verderbniserreger in fermentierten Getränken innerhalb von weniger als einer Stunde nachweisen soll. Abfall- und Nebenprodukte gelten zunehmend nicht mehr als reiner Kostenfaktor, sondern als Rohstoffe für weitere Anwendungen.
KI, Robotik und Energieeffizienz im Produktionsalltag
Auch die Produktionstechnik bekommt viel Raum. Auf der Main Stage geht es unter anderem um intelligente Energiesteuerung, Lastspitzen, Robotik und den Einsatz Künstlicher Intelligenz zur Senkung von Energie- und Betriebskosten. Zusätzlich werden internationale Kennzahlen für Brauereien und datenbasierte Möglichkeiten zur Optimierung des laufenden Betriebs diskutiert. Gerade angesichts hoher Energiekosten wird Effizienz für Getränkehersteller zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Es kommt dabei nicht allein darauf an, wie modern eine Anlage ist, sondern wie gut Energie, Wasser, Rohstoffe und Produktionskapazitäten im laufenden Betrieb genutzt werden.
Neue Workshops statt klassischer Vorträge
Mit der Focus Corner führt die BrauBeviale ein weiteres neues Format ein. Statt klassischer Frontalvorträge arbeiten dort jeweils maximal 30 Teilnehmer in 90-minütigen Workshops an konkreten Fragestellungen. Die Teilnahme ist kostenlos, eine vorherige Anmeldung ist allerdings erforderlich. Die Themen reichen von Nachhaltigkeitsbewertungen für Brauereien und effizienteren Logistikprozessen bis zu alkoholfreien Angeboten für die Gastronomie. Auch neue Vorgaben zur Umweltkennzeichnung sowie Führung und Sichtbarkeit von Frauen in der Getränkeindustrie werden aufgegriffen. Damit soll die BrauBeviale stärker als Arbeitsmesse funktionieren: weniger allgemeine Zukunftsversprechen, mehr Austausch darüber, wie sich Veränderungen tatsächlich im Unternehmen umsetzen lassen.
Wein, Start-ups und Logistik bekommen eigene Bereiche
In Halle 7 werden mehrere spezialisierte Angebote gebündelt. Die Wine Area richtet sich an Winzer und Unternehmen aus Weinerzeugung und -verpackung. In der Startup Zone präsentieren junge Unternehmen neue Technologien, Produkte und Geschäftsmodelle und suchen nach Kunden, Partnern und Investoren. Die Logistics Area widmet sich dem Teil der Prozesskette nach der Abfüllung. Mehrweg- und Leergutlösungen, Lagerung, Transport und Prozessdigitalisierung stehen dort im Mittelpunkt. In diesem Bereich entscheidet sich zunehmend, wie effizient Produkte tatsächlich vom Hersteller in Handel und Gastronomie gelangen. Die BrauBeviale 2026 findet vom 10. bis 12. November im Messezentrum Nürnberg statt. Dienstag und Mittwoch ist die Messe von 9 bis 18 Uhr geöffnet, am Donnerstag von 9 bis 17 Uhr. Mit Discovery Bar, Pilot Area und Focus Corner setzt die Messe 2026 stärker auf konkrete Anwendungen und neue Geschäftsmöglichkeiten. Für die Getränkewirtschaft dürfte dabei vor allem interessant sein, wie sich bestehende Produktion mit neuen Produkten, effizienteren Prozessen und veränderten Marktanforderungen verbinden lässt. Die entscheidende Frage ist inzwischen nicht mehr, ob sich der Getränkemarkt verändert, sondern wie Unternehmen diese Veränderung für ihr eigenes Geschäft nutzen.








