Warum gerade deutsche Familienunternehmen so erfolgreich sind

Glücksfall Eurokrise

Rund 80% von Deutschlands familiengeführten Unternehmen haben in den vergangenen zwölf Monaten ihren Umsatz gesteigert. Zum Vergleich: Global gesehen gelang das nur 65% der Familienunternehmen, 20% klagten sogar über Umsatzeinbußen, wie aus der Studie „Die Zukunft von Familienunternehmen – der Kern der Wirtschaft“* der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC hervorgeht.

Ende guter Bilanzen nicht in Sicht

Wer denkt, dass die Bilanzen im Hinblick auf die Rezession in Europa bald einknicken werden, der irrt - ein Ende ist vorerst nicht in Sicht. Für die kommenden zwölf Monate sagen 82% der befragten deutschen Unternehmer ein weiter kontinuierliches Wachstum voraus. Und dafür haben sie gute Gründe: Laut der Studie setzen die Deutschen auf eine langfristige und generationenübergreifende Ausrichtung, die das Selbstverständnis der deutschen Firmen sehr viel stärker prägt als im weltweiten Durchschnitt. Ausländische Unternehmer dagegen verfolgen vergleichsweise kurzfristige Strategien, die auf den schnellen Erfolg abzielen.

Die deutschen Tugenden

Hinter dem Erfolg der Deutschen muss aber, neben der soliden Unternehmensführung, noch mehr stecken, und das tut es auch: Innovationskraft und Flexibilität sind weitere Tugenden, auf die das Ausland neidisch schielt. Zur Erfolgsstrategie gehört vor allem auch eine stärkere regionale Diversifizierung, die die deutschen Familienunternehmen unabhängiger von der Konjunkturentwicklung in einzelnen Regionen macht. So erzielen aktuell 82% der Befragten einen Teil ihrer Umsätze im Ausland – weltweit sind es nur 67%.

Größte Sorgenkinder: Fachkräftemangel und Eurozone

Das erklärt auch, warum Mittelständler in Deutschland weniger von der Eurokrise betroffen sind als in anderen europäischen Mitgliedsstaaten. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich die deutschen Unternehmer keine Sorgen um die Wirtschaftsentwicklung in Europa machen. Die Unsicherheit über die Zukunft der Eurozone (31%) kommt für die Befragten gleich hinter dem (47%) auf die Agenda der größten Herausforderungen.

Politik enttäuscht auf ganzer Linie

Aber nicht nur in den Europa-Fragen enttäuscht die Politik auf ganzer Linie. Die deutschen Familienunternehmer (75%) fühlen sich vom Staat nicht ausreichend gewürdigt, sondern im Gegenteil wirtschaftspolitisch vernachlässigt. Viele fordern daher mehr Unterstützung in ihrem Bemühen, den Innovationsstandort Deutschland zu erhalten.

Langer Wunschzettel der Unternehmer

Der Wunschzettel der Unternehmer ist lang: Neben dem Abbau der ausufernden Bürokratie nehmen sie den Staat bei der Beendigung der sowie der steuerlichen Gleichbehandlung von Personen- und Kapitalgesellschaften in die Pflicht. Auch im Zugang zu sehen viele Unternehmer momentan ein Problem, bei dem die Politik für Abhilfe sorgen soll – aber zügig. Denn kein Erfolg hält ewig, auch kein deutscher.

*) Die Grundlage der Studie „Die Zukunft von Familienunternehmen – der Kern der Wirtschaft“ bildet der „Global Family Business Survey 2012“ von PricewaterhouseCoopers (PwC). An der weltweiten, im Sommer 2012 durchgeführten Umfrage beteiligten sich rund 2.000 Familienunternehmen, darunter 100 aus Deutschland.

Mittelstand: Starke Familienunternehmen

Im Rahmen einer mehrjährigen Studie über die größten Familienunternehmen Deutschlands kommt das Bonner Institut für Mittelstandsforschung zu erstaunlichen Ergebnissen. So lag der Beschäftigungszuwachs bei den untersuchten Unternehmen zwischen 2007 und 2009 mit 3,6 Prozent über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Obwohl die großen Familienunternehmen zwischen 2008 und 2009 Umsatzeinbußen von über zehn Prozent verkraften mussten, sank die Zahl der Beschäftigten mit 2,6 Prozent vergleichsweise gering.

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