„Möchten, dass sich Kunden gut aufgehoben fühlen!“

Interview mit Daniel Kunze, Geschäftsleitung der sta Schalltechnische Anlagen GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Kunze, warum entscheiden sich Ihre Kunden für Lösungen der sta Schalltechnische Anlagen GmbH?

Daniel Kunze: Da ist zum einen die Beratung, die uns sehr wichtig ist. Dort sind wir sehr lösungsorientiert und bieten nicht das Teuerste an. Beim Schallschutz haben wir verschiedene Möglichkeiten, die funktional identisch sind, sich aber in der Optik und damit auch im Preis voneinander unterscheiden. Dazu kommt die Qualität, die für uns ebenfalls zentral ist. Wir möchten grundsätzlich, dass sich die Kunden bei uns gut aufgehoben fühlen.

Wirtschaftsforum: Wie sieht Ihr Portfolio aus? Was können die Kunden von sta erwarten?

Daniel Kunze: Wir haben zwei sicherheitstechnische Produkte: den Schallschutz und den Laserschutz. Beim Schallschutz geht es um die Lärmreduzierung an Maschinen. Wichtig ist der Schutz der Mitarbeiter, die im direkten Umfeld einer solchen Maschine tätig sind.

Die Schädigung des Gehörs ist nämlich in Deutschland eine der Hauptursachen für eine Berufsunfähigkeit. Damit das nicht geschieht, hausen wir solche Maschinen ein. Dabei reicht das Spektrum von kleinen Anlagen mit 2 x 1,5 m bis hin zu komplexen Lösungen für die Automobilindustrie, wo Bleche verformt werden. Solche Anlagen können durchaus 160 m lang, 40 m breit und 20 m hoch sein. Seit 2012 haben wir auch den Laserschutz in unserem Portfolio. Unsere Systeme schützen hier vor Verletzungen durch Laserstrahlen in Produktionsprozessen. 2015 haben wir noch flexible Raumsysteme als Ergänzung in unser Sortiment aufgenommen. Dies sind einfachere Raum-in-Raum-Lösungen, zum Beispiel für Pausenräume oder Meisterbüros in großen Hallen.

Wirtschaftsforum: sta ist ein Familienunternehmen. Erzählen Sie uns doch bitte etwas über die Geschichte.

Daniel Kunze: 2003 haben mein Vater Roger Kunze und Josef Theis das Unternehmen kurz vor der Insolvenz übernommen, wieder aufgepäppelt und erfolgreich weiterentwickelt. 2007 wurde eine neue Immobilie bezogen und wir haben uns von 3.000 auf 20.000 m2 vergrößert. Heute beschäftigen wir 90 Mitarbeiter und erzielen einen Umsatz von knapp zwölf Millionen EUR. Mein Vater und Josef Theis halten jeweils 50% der Anteile.

Wirtschaftsforum: Welches ist Ihr geografisches Einzugsgebiet?

Daniel Kunze: Die meisten unserer Kunden sind in Deutschland, doch mit einem Anteil von 10 bis 20% sind wir auch weltweit tätig. Hier haben wir schon Anlagen nach Südafrika, China, Indien und in die USA geliefert.

Wirtschaftsforum: Wie ist der Vertrieb bei sta organisiert?

Daniel Kunze: Hier ist Familie Theis sehr aktiv. Michael Theis, der Sohn von Josef Theis, kümmert sich heute als Geschäftsführer darum. Außerdem ist seine Schwester Sandra Vertriebsleiterin. Zudem werden unsere Kunden von einem Innen- und von einem Außendienst betreut.

Wirtschaftsforum: Wie machen Sie mögliche neue Kunden auf sich aufmerksam?

Daniel Kunze: Unser Marketing haben wir gerade in den letzten Jahren deutlich forciert. So sind wir im Internet und in den gängigen Social Media präsent – nicht nur zur Eigenwerbung, sondern auch zur Akquise neuer Mitarbeiter. Wir nutzen die Möglichkeiten der Suchmaschinenoptimierung, damit wir beim Stichwort Schallschutz schnell gefunden werden. Gemeinsam mit einem Partnerunternehmen stellen wir außerdem auf der Euroblech in Hannover aus.

Wirtschaftsforum: Ist die Digitalisierung bei sta ein großes Thema?

Daniel Kunze: Angeregt durch meine Bachelorarbeit 2018 sind Fertigungsplanung und -steuerung bei uns mittlerweile digital organisiert. Mit unserem neuen ERP-System sind wir hier bei etwa 95%. Alles ist weitestgehend miteinander vernetzt. So gibt es zum Beispiel eine Schnittstelle zwischen ERP und CAD. Auch unsere Rechnungen werden digital erstellt und in den kommenden zwei bis drei Jahren wollen wir vollständig papierfrei arbeiten.

Wirtschaftsforum: Kein Unternehmen kommt heute am Thema Nachhaltigkeit vorbei. Wie sieht es da bei Ihnen aus?

Daniel Kunze: Für 2023 und 2024 sind wir als klimaneutrales Unternehmen zertifiziert. Wir erzeugen ab Mai 2024 durch Solarenergie mehr Strom als wir selbst verbrauchen, pflanzen jährlich rund 1.500 Bäume und beziehen unsere Materialien von Partnerunternehmen aus der Nähe.

Wirtschaftsforum: Beeindruckend. Und was sind die Pläne für die nächsten Jahre?

Daniel Kunze: Anfang 2025 steht der Generationenwechsel an und Michael Theis und ich werden die Anteile der Gesellschaft von unseren Vätern übernehmen. Wir möchten ein erstes Vertriebsbüro außerhalb Deutschlands in Frankreich eröffnen und später auch in den USA. Wir beschäftigen uns intensiv mit den Chancen durch Künstliche Intelligenz und wollen die digitale Fertigung weiter ausbauen. Dabei ist ein moderates Wachstum unser generelles Ziel.

Tags
Nach themenverwandten Beiträgen filtern

Aktuellste news

Wenn Intelligenz zur Infrastruktur wird. Eine Analyse der NVIDIA GTC Keynote 2026

Wenn Intelligenz zur Infrastruktur wird. Eine Analyse der NVIDIA GTC Keynote 2026

Auf der GTC, der wichtigsten Entwicklerkonferenz von NVIDIA, wird deutlich, wie stark sich die Rolle von künstlicher Intelligenz verändert. KI ist nicht mehr nur ein Werkzeug zur Analyse, sondern wird…

„Wir sind der Partner, der die ganze Anlage versteht – nicht nur den Brenner“

Interview mit Lukas Schmees, Prokurist und Kaufmännische Leitung der SKS GmbH

„Wir sind der Partner, der die ganze Anlage versteht – nicht nur den Brenner“

Der industrielle Mittelstand lebt von Unternehmen, die hochspezialisierte Technik entwickeln – oft fernab der öffentlichen Aufmerksamkeit. Die SKS GmbH aus Ostrauderfehn gehört dazu. Das Unternehmen baut Brennersysteme für energieintensive Industrieprozesse.…

Wie neue Aufträge mittelständische Unternehmen wieder auf Wachstumskurs bringen

Wie neue Aufträge mittelständische Unternehmen wieder auf Wachstumskurs bringen

Frische Aufträge entscheiden im deutschen Mittelstand oft früher über Wachstum als jede Konjunkturprognose. Wenn Unternehmen neue Projekte gewinnen, steigt nicht nur der Umsatz. Produktionslinien laufen stabiler, Investitionsentscheidungen werden realistischer und…

Aktuellste Interviews

„Fördermittel sind kein Zufall –  sie sind Strategie“

Interview mit Dr. Rüdiger Bormann, Geschäftsleitung der In Time Solutions AG

„Fördermittel sind kein Zufall – sie sind Strategie“

Fördermittel gelten oft als kompliziert und schwer zugänglich. Dr. Rüdiger Bormann ordnet das anders ein. Für ihn sind sie ein strategisches Instrument, das Unternehmen gezielt nutzen können – vorausgesetzt, sie…

Wo E-Commerce und stationärer ­Einzelhandel Hand in Hand gehen

Interview mit Dr. Dominik Benner, Geschäftsführer der The Platform Group SE & Co. KGaA

Wo E-Commerce und stationärer ­Einzelhandel Hand in Hand gehen

E-Commerce und stationärer Handel werden oft als Gegensätze gesehen: ein Trugschluss, wie Dr. Dominik Benner meint. Mit seinem Unternehmen The Platform Group will er starken stationären Einzelhändlern die Welt des…

Wie man ein Geschäftsmodell aus der Krise baut

Interview mit Mike Bertsch, Geschäftsführer der The Cue Group GmbH

Wie man ein Geschäftsmodell aus der Krise baut

Was passiert, wenn eine Krise zur Blaupause für ein neues Geschäftsmodell wird? Aus den Erfahrungen der Coronapandemie heraus entstand die Idee zur The Cue Group GmbH: ein Netzwerk aus Eventspezialisten,…

TOP