Osmium: Das unbekannte Metall mit extremem Wertpotenzial

In „Gablers Wirtschaftslexikon“ zum Begriff „Knappheit“ heißt es: „Knappheit folgt aus der Tatsache, dass die Menge der Güter, die zur vollständigen Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse (Sättigung) notwendig ist, deren Verfügbarkeit die Möglichkeiten der Produktion übersteigt. Knappe Güter sind der Grund des wirtschaftenden Handelns von Menschen. Die auf Märkten jeweils auftretenden Preise sind Ausdruck dieser Knappheitsrelation.“

Soweit die Theorie. Die Praxis kennen alle Menschen aus der Realwirtschaft: Als Energie im Frühjahr 2022 von heute auf morgen gefährlich knapp wurde, weil Russland die Gashähne zudrehte, schossen die Preise als Reaktion daraufhin in die Höhe. Und weil der Winter dieses Jahr länger dauerte und sich der echte Frühjahrsbeginn hinauszögerte, sind Spargel und Erdbeeren aus heimischer Produktion vergleichsweise teuer.

Anlegerschaft sollte Knappheit zum Vorteil nutzen

Anleger:innen können sich die Knappheit auf anderen Märkten auch zu ihrem Nutzen machen. Während etwa Anleihen und Aktien von der Zinsentwicklung oder dem wirtschaftlichen Vorankommen einzelner Unternehmen abhängen, lässt sich die Preisentwicklung gerade von Edelmetallen, aber auch Diamanten viel direkter mit dem sehr knappen Angebot begründen.

Ein wahres Knappheitswunder ist das Metall Osmium. Entdeckt wurde das markant stahlblaue Metall bereits Anfang des 19. Jahrhunderts. Doch erst heute, 200 Jahre später, startet es als hochpreisiger Werkstoff in der Schmuckindustrie, und vor allem auch als Investmentobjekt so richtig durch. „Wenn also Osmium in kristalliner Form bereits verbaut wurde und der Schmuck der nächsten Generation nicht gefällt, dann kann es sein, dass er nicht verkauft werden kann.“, mahnt Ingo Wolf, Direktor des deutschen Osmium-Instituts zur Inverkehrbringung und Zertifizierung für Osmium. Deshalb rät er als Sachwertanlage eher in sogenannte Disks zu investieren. „Aus diesem Grund sollte man Disks oder Barren als Halbzeug erwerben. Diese Stücke können in der Zukunft in jedwede Form geschnitten werden.“

Das Metall macht sich rar. Ist Osmium erst einmal verarbeitet, verschwindet es anders als Gold faktisch komplett wieder vom Markt. Dabei dominieren zwei Verwendungsarten in der Praxis: Osmium wird entweder als Schmuck getragen oder sicher im heimischen Safe oder dem Bankfach aufbewahrt. Im Gegensatz zu Gold oder auch Silber kann Osmium zudem nicht eingeschmolzen werden. Wer es versucht, zerstört unweigerlich die filigrane Kristallstruktur des Metalls und riskiert auf diese Weise, die Zertifizierung für die zweifelsfreie Identifikation zu verlieren.

Schachbretter oder Dominosteine aus strahlendem Kristall

Preistreibend kommt hinzu, dass sich auch mehr und mehr Händler:innen auf dem Kunstmarkt für das Metall begeistern. Längst können Sammler:innen Schachbretter, Dominosteine oder Musikinstrumente aus Osmium zu exorbitant hohen Preisen kaufen. Diese Stücke sind laut Wolf ein interessantes Investment für Sachwertanleger, denn „Stücke wie die Osmium-Violine, die Kunst und Instrument einem darstellt, durchaus interessante Sachanlageformen sind. Denn sie haben einen extremen Seltenheitswert und können als Musikinstrument genutzt werden.“

Scheinbar jedes Gramm oder Kilogramm Osmium, das zutage gefördert wird, verschwindet sofort vom Markt. „Verknappung“ ist damit noch leidlich untertrieben – es herrscht faktisch eine „Nichtverfügbarkeit“, die es in dieser Form bei keinem anderen chemischen Element jemals zuvor gegeben hat. Der Osmium-Markt ist darüber hinaus in der Hand eines natürlichen Monopols. Es existiert weltweit nur ein Unternehmen, das Osmium kristallisieren kann. Außerdem gibt es nur eine Institution, welche die Inverkehrbringung international gewährleistet: die Osmium-Institute.

Die deutsche „Osmium-Institut zur Inverkehrbringung und Zertifizierung von Osmium GmbH“ garantiert den einheitlichen internationalen Handel sowie die Verarbeitung von kristallinem Osmium. Osmium-Institute existieren mittlerweile auf vier Kontinenten.

Auch die Fälschungssicherheit spricht für Osmium. Das Metall kann weder mechanisch noch chemisch verändert werden. Jede Oberfläche mit ihrer eigenen kristallinen Struktur ist einzigartig und noch weit unverwechselbarer als der bereits fälschungssichere Fingerabdruck eines Menschen. Osmium wird in der Regel als Nebenprodukt bei der Förderung von Platin gewonnen. Die aktuelle Fördermenge liegt bei rund einer Tonne jährlich – bei den kristallisierten Mengen sind es sogar nur wenige Hundert Kilogramm im Jahr. 17 Kubikmeter Osmium befinden sich nach Schätzungen noch unter der Erdoberfläche. Den Gesamtmarkt für Osmium beziffern Marktkenner auf Basis der vermuteten Restbestände und der aktuellen Preise auf rund 35 Milliarden Euro.

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