Mittelständler mit Mut zu mehr

Interview mit Jürgen Marbach, Geschäftsführer der MIC-Marbach-Group GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Marbach, Sie sind Geschäftsführer der MIC Marbach Group. Was war der Antrieb für dessen Gründung im Jahr 2016?

Jürgen Marbach: Der Name MIC steht für Marbach Invest und Consult, wobei das Consulting nie stattgefunden hat. Ich habe einen Großteil meines Berufslebens in der Touristik verbracht, 2004 die alleinige Geschäftsführung der LTU International Airways übernommen und das Unternehmen gemeinsam mit dem Textilunternehmer Hans-Rudolf Wöhrl 2008 übernommen, als es in eine finanzielle Schieflage geraten war. Später haben wir die Anteile an Air Berlin verkauft. In dieser Zeit habe ich mich zudem mit der MIC Invest & Consulting selbstständig gemacht. Von 2008 bis 2010 führte ich die Geschäfte des Vfl Wolfsburg, der 2009 deutscher Meister wurde. Parallel zu dieser Tätigkeit nahm ich für ein Jahr einen Lehrauftrag für den Bereich Mobilität und Tourismus an der Hochschule in Salzgitter an. 2010 legte ich meine Ämter beim Vfl nieder, hatte plötzlich Zeit und durch den Verkauf der LTU die finanziellen Möglichkeiten für etwas Neues.

Wirtschaftsforum: Wie sah diese neue berufliche Ära aus?

Jürgen Marbach: Wir erwarben unter anderem drei Hotels, eins in Usedom, zwei in Österreich, die sich sehr positiv entwickelten. Erst seit Corona konnten wir aufgrund höherer Material- und Lohnkosten und der Folgen des Krieges keine Gewinne mehr erzielen. Daneben haben wir in anderen Branchen Fuß gefasst. Wir haben lange Zeit ein Call Center für diverse Reiseveranstalter betrieben, sind an einem Unternehmen beteiligt, das für TUI Auslandsbuchungen und Services für andere Sparten übernimmt, und an einem österreichischen Sportgeschäft mit vier Filialen, haben eine Gastronomie in St. Johann eröffnet und im Januar 2022 die Mehrheit an der St. Johanner Bergbahn übernommen.

Wirtschaftsforum: Wo liegt der Schwerpunkt bei dieser Aufstellung?

Jürgen Marbach: Ich habe mich nach den vielen verschiedenen Erfahrungen und Ausflügen in diverse Branchen wie IT und Versicherungen auf den Spruch ‘Schuster bleib bei deinen Leisten’ rückbesonnen. Der Fokus liegt heute klar auf den Hotels und Aktivitäten in Österreich. Hier erwirtschaften wir mittlerweile zwei Drittel des Umsatzes; das war nicht so geplant, sondern hat sich so entwickelt.

Wirtschaftsforum: Was ist das Besondere an den Hotels?

Jürgen Marbach: Der Friesenhof in Usedom begeistert zum Beispiel mit seiner Lage inmitten eines Naturschutzgebietes. Das Haus wurde zu DDR-Zeiten gebaut, befindet sich auf einem riesigen Grundstück mit Natur pur wohin das Auge blickt. Es ist der einzige Ort auf der Insel, wo man in den Morgen- und Abendstunden am Strand ausreiten kann – auf einem 18 km langen und 100 m breiten Sandstrand. Das Hotel hatte ursprünglich nur 23 Zimmer, wir haben auf 53 Zimmer inklusive Suiten aufgestockt, angegliedert ist ein großer Reitstall mit 40 Pferden. Im Sommer kommen vor allem Familien, die in dieser besonderen Idylle ihren Badeurlaub verbringen. Es gibt einen kleinen Wellnessbereich, einen Indoor-Pool und ein Restaurant. Auch das Hotel Kaiserfels in St. Johann beeindruckt mit seiner Lage am Fuße des Wilden Kaisers und direkt an der Skipiste. Mit 350 Betten ist es das größte Hotel des Ortes – und auch das luxuriöseste. Wir haben das Hotel selbst gebaut und hatten den Wunsch, es besonders gut zu machen. Dementsprechend modern und hochwertig ist die Ausstattung. Es gibt vier Saunen, einen Beauty- und Wellnessbereich und einen 15 m langen Indoor-Pool. Im Haus gibt es eine eigene Skischule mit mehr als 100 Skilehrern und damit die perfekte Infrastruktur für Familien. Im Sommer kommen viele Biker und Kletterer zu uns. Wieder anders stellt sich das Hotel in Mühlbach im Salzburger Land dar, ein Aldiana-Club mit Fokus auf Sport. Die Gegend ist ein El Dorado für Kletterer und Wanderer.

Wirtschaftsforum: Gibt es ein Projekt, das ihnen besonders am Herzen liegt?

Jürgen Marbach: St. Johann hat die besten Perspektiven; als Unternehmen sind wir dort marktführend. Wir betreiben hier vier Sportgeschäfte, das erste Hotel am Platz und haben die Mehrheit an der Bergbahn; da entstehen viele Synergieeffekte, ein Bereich beflügelt den anderen. Hotelgäste leihen sich bei uns die Ski aus, buchen einen Kurs und kaufen sich bei uns die Liftkarte.

Wirtschaftsforum: Wie soll es in Zukunft weitergehen?

Jürgen Marbach: Wir haben heute 400 Mitarbeiter und einen Umsatz von 40 Millionen EUR; in allen Bereichen sind wir sehr schnell gewachsen, vor allem im Sportbereich – von null auf fünf Millionen EUR in fünf Jahren. Dort ist jetzt Konsolidierung angesagt. Im Hotelbereich planen wir dagegen eine gewisse Expansion und sind momentan in Grundstücksverhandlungen für einen Hotelneubau. Unsere langfristige Vision geht in Richtung einer großen Parkanlage mit weiteren Hotels. Ich habe hier in der Sport- und Tourismusbranche viele junge Leute um mich herum, das hält mich selbst jung und aktiv. Der Mittelstand und seine Dynamik begeistern mich einfach.

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