Marmore mio! Wie italienischer Naturstein nach Deutschland kam

Interview mit Vincent Orlandini, Co-Geschäftsführer der Ulisse Orlandini Naturstein GmbH

Wirtschaftsforum: Herr Orlandini, kaum war 1957 die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft gegründet, schon machte sich Ihr Großvater die enormen Handelserleichterungen zwischen Deutschland und Italien zunutze, um italienischen Naturstein gen Norden zu exportieren. Was hat sich seitdem alles verändert?

Vincent Orlandini: Natürlich ist unser Unternehmen in seiner über sechzigjährigen Geschichte um einiges komplexer geworden. In den Gründungsjahren war italienischer Naturstein in Deutschland kaum bekannt und unser Unternehmen bot diese Produkte als einziges überhaupt an. Entsprechend einfach gestalteten sich damals auch unsere Vertriebsaktivitäten, denn in Ermangelung relevanter Wettbewerber gehörte der Markt für italienischen Naturstein mit unserem Eintritt gewissermaßen vollständig uns. Ähnlich verhielt es sich unmittelbar nach dem Mauerfall in Ostdeutschland, als wir unsere Produkte nun auch mit großem Erfolg in den neuen Bundesländern anbieten konnten. Inzwischen konkurriert italienischer Naturstein aber nicht nur mit Travertin aus der Türkei und dem Iran oder besonders hochwertigem brasilianischem Quarzit, sondern auch mit entsprechenden Produkten aus Indien und China. So haben wir selbstverständlich auch unsere eigenen Sourcing-Aktivitäten umfassend diversifiziert und importieren seit vielen Jahren Natursteinprodukte aus aller Welt.

Wirtschaftsforum: Zusammen mit Ihrem befreundeten Unternehmerkollegen, Co-Geschäftsführer Alexander Löser, haben Sie Anfang 2023 die Geschäftsleitung der Ulisse Orlandini Naturstein GmbH übernommen – welche Schwerpunkte werden Ihre Tätigkeit in den nächsten Jahren bestimmen?

Vincent Orlandini: Ich hatte vor meinem Engagement in unserem Familienunternehmen viele Jahre in der Berliner Start-up-Szene verbracht. Somit unterscheidet sich mein Blickwinkel vielleicht ein wenig von der Perspektive, wie sie in vielen mittelständisch geprägten Familienbetrieben bisweilen vorherrscht. Doch ich bin überzeugt, dass wir uns mit neuen Impulsen fit für die Zukunft machen müssen. Dazu zählt auf jeden Fall ein klarer Fokus auf relevante Digitalisierungsmaßnahmen, durch die wir unseren B2B-Kunden wichtige Effizienzgewinne versprechen können, zum Beispiel mit umfassenden Online-Bestellsystemen, wie wir sie inzwischen schon implementiert haben. Denn auch bei vielen mittelständischen Handwerksbetrieben steht in den nächsten Jahren ein Generationswechsel an, und die neuen Geschäftsführer haben oftmals höhere Anforderungen an nahtlose digitale Prozesse als ihre Vorgänger. Darauf wollen wir uns schon heute einstellen.

Wirtschaftsforum: Muss sich damit auch die Unternehmenskultur von Ulisse Orlandini Naturstein wandeln?

Vincent Orlandini: Wir wollen in den nächsten Jahren sicherlich mehr auf die Eigeninitiative unserer Mitarbeiter abstellen und damit auch all das Potenzial freisetzen, das sich mit dem geballten Know-how unserer Belegschaft bereits im Unternehmen befindet, bisher aber vielleicht nicht optimal genutzt wurde. Dieses Engagement, sich mit all seinem Können bei Ulisse Orlandini Naturstein einzubringen, wollen wir dann gleichsam mit mehr Verantwortung belohnen und wertschätzen. Eine Top-Down-Struktur würde diesen Ansprüchen sicher nicht mehr gerecht – stattdessen möchten wir als Team besser zusammenwachsen, wofür wir auch entsprechende Team-Building-Maßnahmen umsetzen. Darüber hinaus werden gerade bei den Richtungsentscheidungen über die Zukunft unseres Unternehmens dezidierte Feedback-Loops eine zentrale Rolle spielen, um anschließend mit der besten Strategie im Markt agieren zu können.

Wirtschaftsforum: Welche Richtungsentscheidungen stehen gerade an?

Vincent Orlandini: Nachdem wir in den Anfangsjahren unserer Unternehmenstätigkeit lediglich italienischen Naturstein nach Deutschland importiert haben, handeln wir mittlerweile mit Produkten aus aller Welt, haben uns also in unserer Beschaffung umfangreich diversifiziert. Nun wollen wir diesen Weg der Internationalisierung auch kundenseitig bestreiten und über Deutschland hinauswachsen, wobei wir bei diesem Schritt weiterhin auf die bewährten Vorteile unserer bisherigen Logistikstruktur setzen werden. Denn an unserem Unternehmenssitz in Friedrichshafen finden allein unsere Verwaltungs- und Vertriebsaktivitäten statt; unser Lager befindet sich hingegen in Italien unweit des Gardasees im Herzen der globalen Natursteinbranche, wo wir als Teil des lokalen Ökosystems von entsprechenden Synergien profitieren können. Denn unter den dort ansässigen Händlern besteht ein gewachsenes freundschaftliches Verhältnis und keinerlei Konkurrenzdenken. Davon profitieren auch all unsere Kunden, wenn wir einander im Falle unzureichender Lagerbestände unbürokratisch aushelfen – ein Spirit, der gut zu unserem Unternehmen sowie zu unserem schönen, nachhaltigen Produkt passt.

Ulisse Orlandini Naturstein GmbH
Holzhalde 41
88048 Friedrichshafen
Deutschland
+49 7541 40900
+49 7541 43567
mail(at)orlandini-stein.de
www.orlandini.de

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